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Wirtschaft Eine Adresse am Paradeplatz für 45 Franken

Eine prestigeträchtige Geschäftsadresse am Zürcher Paradeplatz oder am Genfer Quai du Montblanc verleiht einem Unternehmen einen seriösen Anschein. Solche Adressen lassen sich bei der Post kaufen. Das Angebot wird offenbar auch von dubiosen Firmen genutzt. Der Post-Sprecher klärt auf.

Paradeplatz in Zürich mit Tram und Fussgängern unter strahlend blauem HImmel.
Legende: Geschäftsadresse am Paradeplatz gefällig? Die Post macht's möglich. Keystone

Wer dafür zahlt, der bekommt in der Schweiz fiktive Adressen an scheinbar bester Lage. Zum Beispiel: «Paradeplatz 1 in Zürich» oder «Helvetiaplatz 11 in Bern». Adressen, die in Wirklichkeit gar nicht existieren.

Post unterstützt unfreiwillig «dubiose Firma»

Die Post bietet diesen Service an. Doch an diesem Geschäft mit fiktiven Prestige-Adressen wird nun Kritik laut: Die Post verschaffe damit auch dubiosen Firmen einen seriösen Anstrich, schreibt der «Beobachter» in der aktuellen Ausgabe. Bernhard Bürki, Mediensprecher der Post, nimmt zu den Vorwürfen Stellung.

SRF: Was sagen Sie zu diesem Vorwurf?

Bernhard Bürki: Grundsätzlich erhält man eine solche Adresse nur, wenn man die «Swiss Post Box» bucht. Damit kann man sich physische Post elektronisch liefern lassen. Das Produkt kostet 45 Franken pro Monat.

Zu der Geschäftspraxis dieser Firma kann ich Ihnen nichts sagen.
Autor: Bernhard BürkiMediensprecher der Post

Als Bedingung für eine solche Adresse müssen sich die Kunden verpflichten, die Adresse mit dem Zusatz «Swiss Post Box» und einer individuellen sechsstelligen Nummer zu versehen. Damit ist für den Absender klar, dass es sich nicht um einen normalen Briefkasten handelt, sondern um eine Swiss Post Box, analog zu einem Postfach.

Eine solche Swiss Post Box kann sich jeder kaufen, egal welche Absichten dahinter stehen?

Beim Kauf muss man sich als Person identifizieren.

Der «Beobachter» führt die General Capital AG ins Feld, eine Firma, die die fiktive Adresse Paradeplatz 1 führt. Die Firma verspreche auf sehr fragwürdige Art und Weise Kredite. Ist das nicht heikel?

Zu der Geschäftspraxis dieser Firma kann ich Ihnen nichts sagen. Dieses Unternehmen hat aber scheinbar die Adresse nicht als Swiss Post Box Adresse gekennzeichnet. Das ist nicht korrekt. Deswegen ist die Post schon beim Unternehmen vorstellig geworden. Die Post hat auch das Recht, solche Accounts zu künden, wenn die Adressen nicht korrekt publiziert werden.

Die Firma ist offenbar nicht im Handelsregister eingetragen. Es kann also sein, dass dahinter ein dubioses Unternehmen steht.

Das kann die Post nicht endgültig ausschliessen. Was wir machen können, ist die transparente Publikation der Adressen zu verlangen und einzuschreiten, wenn das nicht umgesetzt wird.

Im Extremfall könnte jemand aus Nordkorea eine solche Adresse kaufen und sich die Post dahin weiterleiten lassen.

Sie haben theoretisch auf der ganzen Welt Internetanbindung und damit Zugriff auf ihre Swiss Post Box. Das ist die Idee dahinter: Zugriff zur physischen Post von der ganzen Welt. Was die Post jetzt macht, ist, das Produkt genau zu überprüfen und weiterzuentwickeln. In diesem Zusammenhang schauen wir auch die Prestigeadressen an.

Das Gespräch führte Urs Gilgen.

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4 Kommentare

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  • Kommentar von Jürg Meili, Romont
    Jetzt ist es aber langsam an der Zeit, gewissen Unternehmungen genauer auf die Finger zu schauen...Aber wenn Gewinn ergaunert werden kann, spielen Gesetz und Anstand überhaupt keine Rolle mehr.
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  • Kommentar von Rita Meier, Türkei
    typisch Schweiz. Der Bürger muss über jeden "Furtz" Rechenschaft abgeben und die kleinste Abweichung vom Gesetz wird geahndet. Der Staat und die Finanzlobby dagegen bedienen sich mafiösen kriminellen Mitteln ohne dafür belangt zu werden. Nicht das Ausland kritisieren vor der eigenen Tür hat es haufenweis Dreck!
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  • Kommentar von Bernhard Vögeli, Buchs
    Falsche Adressen anzugeben ist doch Betrug. Da macht sich die Post doch zum Gehilfen.
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    1. Antwort von W. Pip, Züri
      Was erwarten Sie von einem Saftladen wir der Post? Nachdem sie zum grössten nationalen Ramschverkäufer mutiert ist, passt doch das Anbieten von virtuellen Adressen (jedem Privaten würde sofort Beihilfe zu illegalen Tätigkeiten unterstellt) geradezu wieder hervorragend zum Kerngeschäft... Ich hielt der Post lange Zeit die Stange, aber mittlerweile überspannt sie den Bogen: privatisieren und Steuern runter!
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