Emmi geht auf Einkaufstour

Kalter Kaffee im Becher und Schweizer Käse von Emmi kommen bei den Kunden gut an. Emmi erzielte letztes Jahr einen Rekordumsatz. Doch der grösste Milchverarbeiter der Schweiz will weiter wachsen: Hierfür kauft Emmi nun ganze Käsereien.

Bild eines Lastwagens des Milchverarbeiters Emmi. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Emmi will mit regionalen Produkten neue Märkte erschliessen. Keystone/Archiv

Dem grössten Milchverarbeiter der Schweiz geht es gut: Emmi konnte letztes Jahr den Umsatz um elf Prozent auf 3,3 Milliarden Franken steigern. Doch Emmi will noch weiter wachsen: Mit regionalen Produkten sollen neue Märkte erschlossen werden. Dazu kauft Emmi nun ganze Käsereien.

«Scharfer Maxx» heisst der rezente Käse der Käserei Studer in Amriswil im Kanton Thurgau. Er verkauft sich gut – auch im Ausland. Deshalb hat Emmi schon länger ein Auge auf den «Scharfen Maxx» geworfen, sagt Robert Muri. Er ist stellvertretende Geschäftsführer von Emmi.

«Kluger Schachzug» von Emmi

Emmi wolle nicht irgendein Anbieter, sondern der Anbieter von Schweizer Käse im Inland und auch im Export sein, erklärt Muri. «Wir wollen uns weiterentwickeln.» Die Firma Studer habe nicht so recht gewusst, wie es weitergehen soll. Deshalb habe Emmi sie übernommen. «Es war eine gute Gelegenheit.» Nun soll vor allem der Export des «Scharfen Maxx» angekurbelt werden.

Die Käserei zu kaufen, sei ein kluger Schachzug von Emmi gewesen, sagt Hans Aschwanden. Er ist Präsident des Schweizer Käsemeisterverbandes. Emmi kaufe natürlich die schönsten Käsereien auf. «Ich denke, Emmi geht es in erster Linie darum, mit innovativen Produkten neue Märkte zu erschliessen.»

Zu viel Käse auf dem Markt

Der Schweizer Käsemarkt ist unter Druck. Vor 15 Jahren gab es noch rund 1600 Käsereien. Davon ist heute nur noch ein Drittel übrig geblieben. Der Hauptgrund für den Rückgang liegt darin, dass der Staat die Produktion von Käse seit 15 Jahren nicht mehr stützt.

Produziert wird aber immer noch zu viel, sagt Aschwanden. «Wir haben eine Produktionsmenge, die nicht dem Markt angepasst ist. Deshalb müssen ein paar Käsereien schliessen», sagt er. Hinzu komme, dass die Produktionseinheiten grösser werden. Mit grösseren Einheiten könne man günstiger produzieren.

Zudem werden die Produkte von kleinen Käsereien schlecht vermarktet. Hier springen dann grosse Konzerne wie Emmi in die Bresche. «Natürlich bedaure ich jede Käserei, die verschwindet», sagt Aschwanden. Andererseits müsse man auch realistisch sein und sehen, dass das ein Stück weit «eine natürliche Entwicklung» sei: Die grossen Konzerne würden Innovationen der kleinen Käsereien hinzukaufen.

Das Käserei-Sterben gehe weiter, sagt Aschwanden. Der Markt werde sich weiter bereinigen: «Einige Käsereien werden sich spezialisieren, sie werden ihre Nischen finden. Und die Käsereien, die austauschbaren Käse produzieren, werden aufgekauft oder verschwinden von der Bildfläche.»

Emmi wächst im In- und Ausland

Bei Emmi hingegen läuft das Geschäft mit dem Käse gut. Letztes Jahr konnte der Umsatz im Inland um zwei Prozent und im Ausland um zehn Prozent gesteigert werden. Aber Emmi will noch weiter wachsen, sagt Muri. Über geplante Akquisitionen von weiteren Käsereien gibt er keine Auskunft. Allerdings: «Wenn sich die Gelegenheit ergibt, dann werden wir zupacken.» Es müsse passen und nachhaltig ertragsreich sein.

Auch international will der Konzern weiter wachsen. Langfristig soll die Hälfte im Ausland umgesetzt werden. Zurzeit sind es bereits 43 Prozent. Das Ziel ist also schon fast erreicht. Auch dank dem «Scharfen Maxx».