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Legende: Audio Europas CO2-Ausstoss steht quer in der Landschaft abspielen. Laufzeit 03:40 Minuten.
Aus Info 3 vom 26.03.2019.
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Energieverbrauch im Vergleich «Die Welt ist alles andere als auf Kurs»

Wenn man die neusten Zahlen zum CO2-Ausstoss anschaut, passt die Entwicklung in Europa scheinbar nicht ins Bild. Während der Energieverbrauch und der CO2-Ausstoss weltweit auf einem Rekordniveau sind und weiter steigen, ist letzterer in Europa rückläufig. Weshalb das nicht nur eine gute Nachricht ist, erklärt SRF-Wirtschaftsredaktor Klaus Ammann.

Klaus Ammann

Klaus Ammann

Wirtschaftsredaktor, SRF

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Der Historiker und Russist ist seit 2004 als Redaktor bei Radio SRF tätig. Seit 2011 arbeitet Klaus Ammann für die Wirtschaftsredaktion. Sein Schwerpunkt liegt dabei auf Energie- und Klimathemen.

SRF News: Wie hat es Europa geschafft, den CO2-Ausstoss zu senken?

Klaus Ammann: Europa hat die erneuerbaren Energien, also aus Sonne und Wind, ausgebaut. Man hat beim Stromsparen angesetzt und die Energieeffizienz verbessert. Haupttreiber dieser Entwicklung ist Deutschland.

Pro Kopf verbrauchen die Inder deutlich weniger CO2; etwa ein Drittel so viel wie die Europäer.

Dort ist der Energieverbrauch im letzten Jahr zurückgegangen und die CO2-Emissionen sind um 4.5 Prozent gesunken. Unter dem Strich – und das ist das Überraschende – ist die europäische Wirtschaft 1.8 Prozent gewachsen. Gleichzeitig ist der Energieverbrauch um 0.2 Prozent zurückgegangen.

Kann man sagen: Europa macht genug, jetzt sind die anderen dran?

Nein, das kann man nicht sagen. Auch Europa ist nicht auf Kurs, was die Umsetzung der Ziele des Pariser Klimaabkommens betrifft. Deutschland beispielsweise hat sich in Bezug auf die Energie auf hohem Niveau nur leicht verbessert und wird die eigenen Ziele für 2020 verfehlen. Es gibt auch grosse Unterschiede zwischen den Ländern. Aber Europa macht gewisse Dinge richtig. Man hat ein Emissionshandelssystem eingeführt, das zwar noch nicht 100-prozentig funktioniert. Man hat auch andere politische Instrumente.

Legende:
Wachstum des CO2-Ausstosses Global Energy and CO2 Status Report 2018

Diese Ansätze scheinen gut zu sein. Könnten andere Weltregionen die europäischen Bemühungen eins zu eins übernehmen?

Eins zu eins nicht, nein, und man muss auch sagen: Europa ist nicht in allen Bereichen vorne. Beispielsweise der Ölkonsum ist in Ländern wie Japan und Korea gesunken. In Europa hat er im letzten Jahr nur stagniert. Und gewisse Dinge, die Europa macht, machen andere Länder und Regionen auch.

China baut auch einen CO2-Emissionsmarkt auf und setzt ebenfalls auf den Ausbau der erneuerbaren Energien. Und vor allem darf man nicht vergessen, dass die Entwicklungsländer auf einem sehr viel tieferen Niveau starten. In Indien beispielsweise sind die Emissionen im letzten Jahr um fünf Prozent gestiegen. Das hat massiv zu diesem globalen Wachstum beigetragen.

Europäische Firmen haben energieintensive Produktionen ausgelagert. Diese belasten jetzt die Emissionen dieser Länder.

Aber pro Kopf verbrauchen die Inder immer noch deutlich weniger CO2; etwa ein Drittel so viel wie die Europäer. Und man muss mit einbeziehen, dass diese Regionen auch bis zu einem gewissen Grad Europa unterstützt haben, weil sie Emissionen aus der Produktion energieintensiver Waren übernommen haben. Europäische Firmen haben diese Produktion ausgelagert. Und die Emissionen belasten jetzt jene Länder, obwohl die Produkte hier konsumiert werden.

Legende:
Globale CO2-Emission aus energiebezogener Verbrennung Global Energy and CO2 Status Report 2018

Global betrachtet sieht es also doch nicht so gut aus...

Ja. Schaut man sich den globalen Hunger nach Energie und die CO2-Bilanz der Energieproduktion an, so sah es im Jahr 2015 noch so aus, als ob man einen Höhepunkt erreicht hätte. Seither sind aber sowohl der Energieverbrauch wie auch der CO2-Ausstoss weiter gestiegen – und zwar deutlich. Sonne und Wind werden zwar gefördert, aber das reicht nicht, um die zusätzliche Nachfrage zu stillen. Die Welt ist, was die Pariser Klimaziele angeht, alles andere als auf Kurs.

Das Gespräch führte Isabelle Maissen.

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87 Kommentare

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  • Kommentar von Werner Christmann  (chrischi1)
    Wo sonst in der Welt ist eigentlich dieser CO2-Hype und -Schwindel ein Thema? Bei uns wird mit diesem groben Unfug Geld gemacht, nichts anderes. Die Zeichen der Zeit sind andere: Bedingungsloser Schutz von Natur, Flora und Fauna bei uns + Weltmeeren + Regenwäldern weltweit. Wie das? Durch Abkehr des "ewigen Wirtschaftswachstums", unserer Konsumwut, durch Begrenzung der Bevölkerungszahl hier auf 6 Mio + somit Ende der Zubetonierung.
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  • Kommentar von N. Schmid  (Schmid)
    Während die AKW Leibstadt und Beznau I monate- bzw. sogar jahrelang unerwartet ausgefallen sind, produzieren unabhängige, saubere Solar- und Windkraftanlagen tatsächlich jeden Tag Strom. Am Tag ist der Strombedarf trotz Niedertarif übrigens wesentlich höher. Solarstrom kann nicht nur diesen Strommehrbedarf am Tag decken, sondern auch das Netz entlasten, da der Dachstrom direkt vor Ort verbraucht werden kann (und nicht über weite Strecken transportiert und mehrmals transformiert werden muss).
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  • Kommentar von N. Schmid  (Schmid)
    Die Schweiz bezahlt den korrupten Ölscheichen und Gasoligarchen jedes Jahr 10 Mrd Franken. Auch wenn man der Wissenschaft und den Fakten nicht glauben möchte: Es wäre begrüssenswert wenn wenigstens ein Teil dieser 10 Mrd Franken zukünftig in der Schweiz (z.B. Gebäudeisolation, Wärmepumpen) investiert würden. Auch in Hinblick, dass die Ölscheiche ohnehin nicht ewig liefern können, selbst wenn sämtliche Kirchtürme durch Minaretten ersetzt würden.
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    1. Antwort von Werner Christmann  (chrischi1)
      N. Schmid scheint seine Geschäfte mit Wärmepumpen und Gebäudeisolation zu machen. Nun, ab und zu ein Werbespot schadet ja nicht, hilft jedoch in der Gesamtschau der Naturzerstörung nicht eben weiter.
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