Digitalisierung als Chance Es braucht nicht weniger, aber gebildetere Leute

Die Umstellung in Industrie und Gewerbe auf digitale Informationsverarbeitung hat allen Befürchtungen zum Trotz keine Jobs gekostet. Sie hat nur die Art der Arbeit verändert – zum Nachteil von schlecht Qualifizierten.

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine für die Schweiz repräsentative Umfrage der Konjunkturforschungsstelle (KOF) der ETH Zürich hat ergeben, dass drei Viertel der befragten Firmen trotz mehr Computertechnologie nicht weniger Leute angestellt haben.
  • Die Studie zeigt auch, dass die Stellen der schlecht Ausgebildeten am ehesten verloren gehen. Viele Unternehmen haben begonnen, solche Leute nicht mehr anzustellen und konzentrieren sich auf qualifizerteres Personal.
  • Der Schweizer Arbeitsmarkt hat die Digitalisierung nicht so schlecht gemeistert. Prognosen über die weitere Entwicklung äussert die Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich aber keine.

Wirtschaftsredaktor Massimo Agostins wertet die Umfrage der ETH aus:

Kein Stellenabbau, aber eine Verschiebung der Stellen
«Die Digitalisierung führt dazu, dass es gewisse Hände nicht mehr braucht. Aber es braucht auch neue Hände. Digitale Arbeitskräfte sind Maschinen, und sie müssen gebaut, gewartet, installiert und implementiert werden. Es braucht Leute, die das machen. Auf der anderen Seite zeigt die Studie, dass viele der befragten Unternehmen, ungefähr ein Drittel, wettbewerbsfähiger geworden sind. Das heisst, mit gleich vielen Händen produzieren sie einerseits mehr, oder, mit gleich vielen Händen, produzieren sie besser. Das ist die Hauptaussage dieser Studie. Ein gutes Beispiel ist der Detailhandel in der Schweiz. Er steht unter Druck, weil immer mehr Leute Waren online bestellen. Doch die Detailhändler entlassen das Personal, das an den Kassen gearbeitet hat und nun durch Self-Scanning ersetzt wird, nicht, sondern setzen es ein, um die Beratung im Laden zu verbessern.»