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Wirtschaft «Es könnte sein, dass die Aktionäre Appetit kriegen»

Gerüchte gab es schon länger, jetzt ist es offiziell: Der US-Gentech-Riese Monsanto will Syngenta übernehmen. SRF-Wirtschaftsredaktor Massimo Agostinis erklärt, warum sich das Basler Agrochemie-Unternehmen wehrt – und warum das Angebot die Aktionäre auf den Plan rufen könnte.

Ein Syngenta-Forscher am Standort in Stein am Rhein.
Legende: Kein «Weisser Ritter», aber ein Direktbetroffener einer möglichen Übernahme: ein Syngenta-Forscher am Aargauer Standort. Keystone/ARCHIV

SRF News: Warum ist Monsanto so interessiert an Syngenta – geht es primär darum, einen Konkurrenten auszuschalten?

Massimo Agostinis: Sicher auch. Aber die beiden Unternehmen könnten sich auch ergänzen. Zumindest auf dem Papier. Monsanto ist stark beim Gentech-Saatgut. Der Konzern produziert zwar nur sehr wenige Saatgute, ist damit aber sehr stark präsent, vor allem in den USA aber auch in Lateinamerika. Syngenta seinerseits ist ein Pflanzenschutzmittel-Konzern, der erst langsam in das Saatgut-Geschäft hineinkommt. Von daher könnten sich die beiden theoretisch eigentlich ergänzen.

Weshalb wehrt sich Syngenta gegen diese Übernahme? Ist das Angebot einfach zu schlecht, der Preis zu tief?

Darüber spekulieren auch die Analysten. Es ist schwierig einzuschätzen, ob es wirklich eine reine Preisfrage ist. In der Medienmitteilung von Syngenta steht, es gebe grosse regulatorische Hindernisse. Das weist darauf hin, dass Syngenta befürchtet, bei einem Zusammenschluss aufgrund der Grösse der beiden Konzerne auf gewissen Märkten sehr viel abstossen zu müssen. So gesehen könnte ein Zusammenschluss unter dem Strich schlussendlich gar nichts bringen.

Wie kann sich Syngenta gegen die Übernahme wehren?

Hier spricht man immer wieder vom «Weissen Ritter». Damit meint man, dass Syngenta ein anderes Unternehmen zu Hilfe holt, um von diesem übernommen zu werden. Ob das eintreffen wird, ist schwierig abzuschätzen. Syngenta steht in einem Restrukturierungsprozess. Der Konzern hat ein Milliardenprojekt laufen, bis 2018 will er den Betriebsaufwand von heute 40 auf 30 Prozent senken. Man ist da auf gutem Weg. Das heisst, Syngenta steht eigentlich nicht finanziell schwach da. Es könnte aber sein, dass Aktionäre Appetit kriegen vom Angebot von Monsanto, das immerhin 35 Prozent mehr bietet als der heutige Aktienkurs. Das weiss Syngenta im Moment noch nicht. Deshalb ist es zu früh, über mögliche «Weisse Ritter» oder anderes zu sprechen.

Monsanto ist eine umstrittene Firma -–vor allem wegen der aggressiven Genpflanzen-Strategie. Was würde es für die Schweiz bedeuten, wenn Syngenta in die Hände der Amerikaner fallen würde?

Es ist davon auszugehen, dass dann geprüft werden wird, wo es Überlappungen gibt. Ein weiterer Stellenabbau könnte die Folge sein. Ob der vor allem bei Syngenta stattfinden würde oder auch bei Monsanto, ist im Moment schwierig abzuschätzen. Syngenta ist schon daran abzuspecken. Konkretes kann man hier noch nicht sagen. Auf die Mitarbeiter kommt aber sicher eine unsichere Zeit zu, sollte es zu diesem Deal kommen.

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9 Kommentare

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  • Kommentar von UdoGerschler, Frankenberg
    Monsanto kauft Land auf in Deutschland(TTIP). Und ganz aggressiv in der Kornkammer Ukraine.Wenn die über die Schweiz herfallen dann ist Schluss mit der heilen Heidiwelt. Politiker können die sich kaufen da Geld keine Rollle spielt.
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  • Kommentar von C. Szabo, Thal
    Wenn man weiss, wie Monsanto selbst die US-Landwirte behandelt, kann man sich vorstellen, wie mit ausländischen "Kunden" umgegangen wird. Es gibt einige sehr beängstigende Reportagen und Berichte über die Arroganz des Konzerns. Mit Hilfe von Top-Anwälten und Druck von Seiten einiger Politikern sind die Abnehmer schnell in einem Teufelskreislauf. Monopolstellungen sind nie gut. Auch andere Konzerne wie Nestle üben mächtig Druck auf ihre Kunden und Arbeiter in Drittländern aus.
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  • Kommentar von Angela Keller, Sirnach
    Viele Schweizer wollen keinen Gen-Food. Doch wird es immer schwieriger, genfreie Lebensmittel zu erhalten.Saatgut ist die Basis der Welternährung. In den ländlichen Gebieten des Südens entscheidet der Zugang zu Saatgut über ein Leben in Hunger oder Wohlstand.die Umsetzung der Biodiversitätskonvention ermöglichen und die Forschung und Züchtung neuer Sorten nicht mit Patenten behindern. Auf internationaler Ebene muss der Zugang zur Agrobiodiversität erhalten bleibten.
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