Experten halten Kapitalpuffer von CH-Grossbanken für zu klein

Die beiden Schweizer Bankriesen UBS und Credit Suisse sind nach wie vor ein volkswirtschaftliches Risiko. Zu diesem Schluss kommt eine Expertenkommission, bei der die Banker selber Einsitz haben. Eine Erhöhung der Eigenkapitalquote empfehlen sie aber auch kleineren Instituten.

Die Schweizer Grossbanken müssen sich auf eine weitere Verschärfung der Eigenkapital-Vorschriften gefasst machen. Eine vom Bundesrat eingesetzte Expertenkommission empfiehlt, Credit Suisse und UBS zu höheren Kapitalpuffern zu verpflichten. Noch sind die Institute «Too big to fail».

Zurzeit beträgt die ungewichtete Eigenkapitalquote (Leverage Ratio) 3,12 Prozent. Der internationale Minimalstandard liegt bei 3 Prozent. Dies ist für die Kommission zu wenig. Umso mehr, als die Quote deutlich unter den künftigen US-Anforderungen für Grossbanken von 5 bis 6 Prozent angesiedelt ist.

Rote Dominosteine verbildlichen die Schweizer Wirtschaft. Auf dem vordersten Stein prangt der Name der grössten Schweizer Bank, der UBS. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Experten halten den Dominoeffekt durch untergehende Grossbanken noch nicht wirklich für gebannt. Keystone

Geschäftsmodelle müssen angepasst werden

Die Schweiz sollte bei den Eigenmittelanforderungen international in der Spitzengruppe liegen, argumentiert die Kommission. Der Bundesrat muss den Bericht nun analysieren und dem Parlament bis Ende Februar 2015 Massnahmen vorschlagen. Unklar ist, ob er bis zu diesem Zeitpunkt schon neue konkrete Zielwerte vorlegt.

Bei einer kräftigen Erhöhung etwa der Leverage Ratio könnten sich die Grossbanken gezwungen sehen, ihr Geschäftsmodell anzupassen oder Schritte zur Stärkung des Kapitals einzuleiten.

Ziele ohne Zeithorizont bringen nichts

Die Kommission stört sich auch daran, dass für die Umsetzung der geforderten Notfallplanung und die entsprechenden Massnahmen kein klarer Zeitplan festgelegt worden ist.

Experten fordern mehr Kapitalpuffer

3:15 min, aus Tagesschau vom 5.12.2014

Somit könnten noch etliche Jahre verstreichen, bis in den beiden Bereichen Massnahmen greifen könnten. «Dies sollte korrigiert werden, indem ein verbindliches und öffentlich kommuniziertes Zieldatum festgelegt wird», so die Expertengruppe.

Auch die Kleinen müssen besser werden

Ferner hält die Kommission fest, dass die Krisenvorbereitung über die systemrelevanten Banken hinausgehen müsse. Die Stabilität des Schweizer Finanzsystems könne dadurch weiter gestärkt werden.

Der Bericht nennt dabei keine Namen. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hatte aber bereits früher die Zürcher Kantonalbank (ZKB) und die Raiffeisengruppe als systemrelevant für die Schweizer Volkswirtschaft eingestuft.

Mitglieder der Kommission waren unter anderem Credit-Suisse-Präsident Urs Rohner und Patrick Odier, Präsident der Schweizerischen Bankiervereinigung, ausserdem Behördenvertreter wie Jean-Pierre Danthine von der Schweizerischen Nationalbank oder der Chef der Aufsichtsbehörde Finma, Mark Branson.