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Geldpolitik in Europa EZB verlängert Anleihen-Käufe

Legende: Video EZB bleibt bei der lockeren Geldpolitik abspielen. Laufzeit 1:26 Minuten.
Aus Tagesschau vom 08.12.2016.
  • Die Europäische Zentralbank (EZB) verlängert den milliardenschweren Kauf von Staatsanleihen und anderen Wertpapieren bis Ende Dezember 2017.
  • Die Notenbank will allerdings ab April monatlich nur noch 60 Milliarden Euro statt 80 Milliarden Euro in den Markt pumpen.
  • Allgemein war erwartet worden, dass das Wertpapierprogramm nur bis Ende September 2017 verlängert wird.
  • Das aktuelle, im März 2017 auslaufende Kaufprogramm flutet die Märkte mit insgesamt 1,74 Billionen Euro.
  • Die Leitzinsen hat die EZB erwartungsgemäss nicht angetastet: Der Schlüsselsatz für die Versorgung der Geschäftsbanken mit Geld bleibt bei 0,0 Prozent.

Nach der Schlappe für Italiens Ministerpräsident Renzi in der Abstimmung vom Wochenende sendet die Europäische Zentralbank (EZB) mit der Verlängerung ein deutliches Signal aus. Die Anleihenkäufe helfen nach Ansicht vieler Ökonomen vor allem hoch verschuldeten Staaten wie Italien oder Spanien, ihre Zinslast erträglich zu halten.

Die Zweifel an der Wirksamkeit der EZB-Geldpolitik sind allerdings gross. Vor allem aus Deutschland gibt es immer wieder Kritik. «Das Argument der EZB, die Inflationsrate im Euroraum sei zu niedrig, trägt 2017 nicht mehr», argumentiert etwa der Chef des Ifo-Instituts. Die Teuerung dürfte sich im nächsten Jahr dem Inflationsziel der EZB annähern, weil der dämpfende Effekt der Ölpreise auslaufe.

Einschätzung von SRF-Wirtschaftsredaktor Massimo Agostinis

«Mit ihrem Entscheid, das Anleiheprogramm um 9 Monate zu verlängern, gleichzeitig aber auch das monatliche Volumina von 80 auf 60 Milliarden Euro zu senken, bereitet die EZB Finanzmärkte auf den sachten Ausstieg aus dem Kaufprogramm vor. Das ist zweifellos richtig so. Schon zu lange haben sich die Anleger daran gewöhnt, dass die EZB sie mit billigem Geld versorgt, das sie häufig nicht in der realen Wirtschaft investieren, sondern eher für Börsenspielereien verwenden mit wenig volkswirtschaftlichem Nutzen. Mit der Anpassung des Programms will die EZB aber auch nichts überstürzen, um die fragilen Länder im Süden nicht zu überfordern. Allerdings ist zu hoffen, dass die EZB nicht beim nächsten Gegenwind gleich wieder rechts umkehrt macht. Denn die Zinsen für das Ersparte sind auf Rekordtief. Die Rentensysteme ächzen darunter, weil sie kaum mehr gute Anlagemöglichkeiten finden mit einer halbwegs ansprechenden Rendite. In einer alternden Gesellschaft ist das für den sozialen Frieden keine gute Sache.»

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10 Kommentare

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  • Kommentar von H. Wach (H. Wach)
    Mit der Angst im Nacken, dass sich die Folgen des Börsencrash im Okt. 1929 in USA mit der nachfolgenden Weltwirtschaftskrise bis in die 1930er Jahre nicht wiederholen, glaubt man mit dem Patentrezept der 0-Zins-Theorie nach der „Sub prime-Krise“ eine neuerliche Weltwirtschaftskrise zu verhindern. Jedoch: Die auf uns zukommende Krise wird unweigerlich noch grösser. Stichworte: Völkerwanderung (per Orientierung aus Smartphone) von arm zu reich. Massen-Jugendarbeitslosigkeit, Staatsschulden, usw.
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  • Kommentar von H. Wach (H. Wach)
    Alle führenden Finanz- u. Wirtschaftsfachleute mit einem „normalen(!?)“ Sachverstand der „spare in der Zeit, so hast Du in der Not"-Theorie warnen seit langem, dass die von Japan übernommene „0-Zins-Politik“ nicht aufgehen kann. Denn: Japan kämpft seit Jahren mit Deflation! Die Waren der immer grösser aber weniger werdenden globalen Konzerne werden immer billiger. Staatsverschuldung steigt wegen der Theorie „Jeder Nutzen den Konzernen bei 0-Steuern privat den Reichen - alle Lasten dem Staat".
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  • Kommentar von M. Roe (M. Roe)
    "Die spinnen die Römer"!
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