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Legende: Video Die Kritik hält an – Geld verdient hat Uber noch nie abspielen. Laufzeit 01:07 Minuten.
Aus Tagesschau vom 10.05.2019.
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Fahrdienst mit Verlust Gerichtsprozesse überschatten Börsengang von Uber

Der Börsengang des Fahrdienstvermittlers trifft auf grosse Ablehnung. Weltweit fordern Fahrer ihre Rechte ein.

Das Technologieunternehmen Uber mit Sitz in Kalifornien schreibt zwar noch immer keine Gewinne, hat sich aber dennoch am Freitag an die Börse gewagt. Es ist einer der grössten Börsengänge seit Jahren. Uber kommt auf einen Börsenwert von mehr als 82 Milliarden Dollar.

Uber-Aktie: Verluste zum Börsenstart

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Die neuen Uber-Investoren haben beim Börsengang zunächst Verluste eingefahren. Am ersten Handelstag an der Technologiebörse Nasdaq fiel die Uber-Aktie nach dem Start um fast neun Prozent. Allerdings erholte sie sich im Laufe des Nachmittags wieder.

Geht die Wette auf?

«Man merkt, dass die Luft hier an der Wallstreet rund um den Uber-Börsengang regelrecht knistert», sagt SRF-Börsenkorrespondent Jens Korte. Es sei wohl noch nie ein Unternehmen an die Börse gegangen, das im Vorfeld einen derart hohen Verlust auswies. «Uber selber sagt, man kann das Ganze mit Amazon vergleichen. Die haben lange Zeit auch keinen Gewinn ausgewiesen, aber langfristig war's eine gute Wette.»

Ob die Wette dann bei Uber auch aufgeht, werde man nicht in den nächsten Monaten, sondern vielleicht erst in den nächsten Jahren wirklich einschätzen können, meint Korte.

Der Fahrdienstvermittler geniesst umstrittene Berühmtheit. Die Nutzer schätzen es, einfach per Knopfdruck über die App ein Taxi bestellen zu können. Andererseits beklagen Uber-Chauffeure die Arbeitsbedingungen.

Fahrer fühlen sich ausgeliefert

Der Fahrdienst Uber betrachtet seine Fahrer nicht als Angestellte. Deshalb will das Unternehmen auch nicht für Sozialleistungen aufkommen. Die Fahrer fühlen sich dem Unternehmen ausgeliefert. Deshalb kommt es immer wieder zu Gerichtsprozessen wie zuletzt in Lausanne.

Einem Fahrer war nach fünf negativen Bewertungen der Zugang zur App gesperrt worden: Nach über 9000 Fahrten und vielen guten Bewertungen. Er verlor auf einen Schlag seinen Lebensunterhalt.

Gericht urteilt zugunsten des Fahrers

Der Fahrer suchte einen Anwalt und fand Rémy Wyler. Er ist Professor für Arbeitsrecht an der Universität Lausanne. Das Arbeitsgericht in Lausanne folgte seiner Argumentation, dass Uber soziale Verantwortung übernehmen müsse.

Für uns ist das ein grosser Sieg.
Autor: Rémy WylerAnwalt und Arbeitsrechtsprofessor

Das Urteil ist für den Anwalt und Professor für Arbeitsrecht ein grosser Sieg. «Das erste Mal in der Schweiz hat ein Gericht festgestellt, dass der Vertrag zwischen Uber und einem Fahrer tatsächlich ein Arbeitsvertrag ist.»

Mit dem Urteil erkenne das Gericht die Sozialversicherungspflicht solcher App-basierten Unternehmen wie zum Beispiel Uber an, erklärt Wyler. «Wenn Sie angestellt sind, heisst das: AHV, Pensionskasse, Mutterschaftsversicherung – diese Sozialleistungen müssen vom Arbeitgeber bezahlt werden.»

Uber geht in Berufung

Gegen das Urteil wird Uber Berufung einlegen, wie eine Mediensprecherin gegenüber «10vor10» schriftlich festhielt: «Den Fahrern, die die Uber-App nutzen, steht es vollkommen frei, ob, wann und wo sie diese nutzen möchten. Uber gibt keine Schichten und keine Mindeststunden vor.»

Anwalt Vincent Maitre verteidigt die Position von Uber. Er war schon einmal für Uber tätig und meint, dass Uber nicht exklusiv über seine Fahrer verfügen könne.«Jeder Chauffeur kann auch für andere Dienstleister arbeiten. In Genf und Zürich gibt es viele Konkurrenten nach dem gleichen Prinzip wie Uber», sagt Maitre. Deswegen seien die Fahrer als völlig selbständig zu betrachten.

Urteile rund um die Welt

Die Entscheidung des Arbeitsgerichts in Lausanne ordnet sich in eine Reihe von Urteilen weltweit ein. Im Dezember 2018 erkannte ein Gericht in London an, dass ein Uber-Fahrer als Angestellter gelte. Das gleiche geschah im Januar 2019 in Paris.

Legende: Video Weltweite Proteste gegen Fahrdienstvermittler (unkomm.) abspielen. Laufzeit 00:29 Minuten.
Aus News-Clip vom 10.05.2019.

Zuletzt protestierten im Vorfeld des Uber-Börsenganges Chauffeure in diversen Städten in den USA und in London gegen unfaire Arbeitsbedingungen und gegen die Summen von Geld, welche sich die Investoren von dem Börsengang versprechen.

Legende:
Das sind die grössten Börsengänge Gemäss dem Weltbörsenverband dürfte Uber der fünftgrösste Börsengang seit 2012 sein. Weltbörsenverband WFE
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1 Kommentar

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  • Kommentar von antigone kunz  (antigonekunz)
    Uber wie auch andere Digitale Plattformen, werfen die Arbeiterinnen ins Verlagswesen des 19.JH. zurück. Dieser Backlash ins 19.Jh. wird als fortschritlliche Unternehmenskultur verkauft. Ganze Jahrzehnte von dezidiertem Kampf um arbeitsrechtlichen Regelungen, die die Arbeitenden schützen sollen, werden zunichte gemacht. Es entspricht der allgemeinen Tendenz gesetztes nationales Recht mit 'AGB's global agierender Konzerne' auszuhebeln.
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