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Wirtschaft Frauen, stürmt die Teppichetagen!

Investoren wollen mehr Frauen in Führungspositionen von Unternehmen – denn das zahlt sich aus: Die Firmen machen mehr Gewinn. Deshalb unternimmt nun auch der Arbeitgeberverband eine neue Initiative für mehr Frauen in der Chefetage.

Legende: Video Mehr Frauen in die Verwaltungsräte abspielen. Laufzeit 1:16 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 08.11.2016.

In den USA gibt es schon länger Anlagefonds, die gezielt in Firmen mit starker Frauenvertretung in den Führungsgremien investieren. Denn das zahlt sich aus: Die betreffenden Unternehmen weisen bessere Ergebnisse und Renditen für die Investoren aus. Der Befund sei eindeutig, sagt Gudrun Sander, Professorin an der Universität St. Gallen.

Mehr Rendite dank Frauen?

Unternehmen, in denen Frauen auf oberster Stufe mitreden und mitentscheiden, sind also überdurchschnittlich erfolgreich. Allerdings räumt die Hochschulprofessorin ein, dass man die Gründe dafür noch näher erforschen müsse. «Theoretisch könnte es auch sein, dass Firmen, die offenere und zukunfsgerichtetere Unternehmenskulturen haben, erfolgreicher sind.» Und wegen ihrer modernen Firmenkultur würden sie auch mehr Frauen anstellen.

Die Investoren interessiert die wissenschaftliche Erklärung allerdings nur bedingt. Für sie zählt das Ergebnis: Über ein Jahrzehnt betrachtet rentieren Firmen mit hohem Frauenanteil im Verwaltungsrat an der Börse pro Jahr im Schnitt um rund 3,5 Prozent besser. Das hat eine international breit angelegte Untersuchung der Credit Suisse unlängst bestätigt.

Druck der Anleger steigt

Kein Wunder, wollen davon nun auch Anleger in der Schweiz profitieren. Sie haben entdeckt, dass ihnen Gleichstellung in der Wirtschaftswelt einen finanziellen Gewinn verspricht. Entsprechend sei von Investoren zunehmend Druck auf die Unternehmen zu spüren, sagt Esther-Mirjam de Boer. Die Chefin von Get_Diversity vermittelt mit ihrer Firma Frauen ins Kader von Schweizer Unternehmen.

Während die Politik noch darüber debattiert, wie wirksam Frauenquoten für Unternehmen sind, macht die Finanzwelt vorwärts. «Investoren denken wirtschaftlich und wollen entsprechende Handlungen sehen», stellt de Boer fest. «Ich halte dies für effektiver als politischen Druck.»

Symbolbild: Pilloud sitzt im Führerstand.
Legende: Frauenpower bei der SBB: Jeannine Pilloud, Chefin Personenverkehr, sitzt in einem Lokführerstand. Keystone

Frauen zum Wohle der Firma

Der Anbieter RobecoSam hat vor einem Jahr einen Anlagefonds lanciert, der global auf das Thema Geschlechterdiversität spezialisiert ist. Fondsmanagerin Junwei Hafner-Cai betont, es gehe nicht nur darum, dass möglichst viele Frauen im Chefsessel sitzen. «Wichtig ist, dass Frauen auf allen Unternehmensstufen angemessen vertreten sind. Vom Top-Management bis zur Belegschaft in der Fabrik.»

Denn solche Unternehmen könnten aus einem grösseren Pool von Fachkräften auswählen und talentierte Frauen würden im Betrieb Karriere machen, statt ihn zu verlassen. Zudem: «Auf oberster Führungsebene sind die Entscheidungen breiter abgestützt, es fliessen zusätzliche Erfahrungen und zusätzliches Wissen ein», ist Junwei Hafner-Cai überzeugt. So gebe es weniger Fehlentscheide.

Die Zahlen geben ihr Recht: Seit Anfang Jahr brachte es der spezialisierte Anlagefonds von RobecoSam auf rund ein halbes Prozent mehr Rendite als der Vergleichsindex, der die weltweite Börsenentwicklung misst.

Der Appetit der Investoren auf mehr Frauenpower im Anlagemix ist angeregt. Und darum dürfte auch der Druck auf die Unternehmen steigen, mit der Gleichstellung ernst zu machen.

Drei messbare Ziele

Der Verhaltenskodex für Personalberater verfolgt drei Ziele bis Februar 2021. Dann jährt sich die Einführung des Frauenstimmrechts zum 50. Mal.

  • Frauenanteil soll von derzeit gut 16 Prozent weiter steigen.
  • Keine reine Männergremien mehr in den 150 grössten Schweizer Unternehmen
  • Gremien mit maximal fünf Verwaltungsräten sollen mindestens eine Frau haben

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