Freispruch Weils: Ex-Bankenaufseher sieht keine Entwarnung

Diese Woche wurde der frühere UBS-Top-Manager Raoul Weil von der US-Justiz freigesprochen. Daniel Zuberbühler, früherer Chef der Bankenaufsicht, begrüsst den Ausgang des Prozesses. Als Entwarnung für untere Kader und die Banken sei der Freispruch aber nicht zu werten.

Der Ex-Chef der Bankenaufsicht EBK in der Schweiz, Daniel Zuberbühler, hat in der «Samstagsrundschau» von Radio SRF Stellung genommen zum Ausgang des US-Prozesses gegen den früheren UBS-Top-Manager Raoul Weil.

Es sei allerdings ein Freispruch aus Mangel an Beweisen, so Zuberbühler. Man habe Weil nicht nachweisen können, dass er direkt reichen US-Amerikanern beim Steuerbetrug geholfen habe.

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Daniel Zuberbühler

Keystone

Daniel Zuberbühler war langjähriger Leiter der Eidgenössischen Bankenkommission (EBK) und Vizepräsident des Finma-Verwaltungsrates. Danach arbeitete er bis zum Pensionsalter knapp zwei Jahre für die Beratungsfirma KPMG.

Fragezeichen zu Milliarden-Bussen

Als Entwarnung für untere Kader der Bank und die Bank selbst, sieht Zuberbühler den Freispruch aber nicht. «Das ist kein Rezept für Banker unterhalb von einem so hohen Tier in einer Grossbank. Es ist auch keine Gewähr, dass eine Bank als Unternehmen so etwas überleben könnte.»

Wenig hält Zuberbühler von den immer massiveren Bussen gegen Banken im angelsächsischen Raum. «Ich erachte es als absolut kontraproduktiv, was da passiert – vor allem in den USA», sagt Zuberbühler in der «Samstagsrundschau». Es gebe da zu viele Behörden, die miteinander im Wettbewerb stünden. «Und jede muss die andere noch übertrumpfen und wie eine Hyäne im Rudel auch noch ein Stück abschneiden.» Das sei letztlich nicht im Interesse der Finanzstabilität.

Erhöhung des Eigenkapitals bringt mehr

Der Ex-Bankenaufseher sieht als Lösung eher, dass die Banken zu mehr Eigenkapital gezwungen würden. Denn die sich mehrenden juristischen Verfahren würden zeigen, dass die Finanzinstitute unsicher unterwegs seien. Und somit ein höheres Sicherheitspolster bräuchten.

Dies hatte zum Beispiel die Finma von der UBS gefordert. Diese musste im Strudel von Milliardenbussen und hängigen Rechtsfällen zeitweise ihr Sicherheitspolster auf Geheiss der Aufseher vergrössern.

Und die fehlbaren Manager? Zuberbühler begrüsst, dass die Finma verstärkt gegen einzelne Bankmanager vorgehen will. «Das ist das richtige Zeichen, dass die Leute sehen: Es kann mich auch erwischen. Es kann meine Karriere kosten.»

Diese Sorge müssen sich allerdings primär Chefs von kleineren Banken machen. Chefs von Grossbanken dagegen wissen, dass es auch in Zukunft schwierig sein wird, ihnen über all die internen Hierarchiestufen hinweg nachzuweisen, an einem Vergehen innerhalb der Bank Mitschuld zu tragen.

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