Geht den Logistikern die Arbeit aus?

Der technologische Fortschritt macht auch vor den Logistikern nicht halt. 3D-Drucker zum Beispiel könnten den Transport vollends überflüssig machen, wenn man Produkte drucken kann, wo man sie braucht. Logistikunternehmen wie DB Schenker forschen deshalb selber auf dem Gebiet.

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«Trend»-Sommerserie

«Trend»-Sommerserie

Die Wirtschaft lebt vom Austausch von Gütern – und der wäre ohne Lastwagen, Eisenbahn, Flugzeuge und Schiffe nicht möglich. Die Transport- und Logistik-Branche ist das Rückgrat der Wirtschaft. Die «Trend»-Sommerserie leuchtet die Branche aus. Bis 13. August jeweils samstags um 8.12 Uhr auf Radio SRF 1 und um 16.30 Uhr auf Radio SRF 4 News.

Erik Wirsing steht in einem Labor am Fraunhofer Institut in Dortmund vor einem grossen Gerät. Was wie ein Industrie-Backofen aussieht, ist ein 3D-Drucker. Wirsing leitet beim Logistikdienstleister DB Schenker den Bereich Innovation. Zusammen mit dem Fraunhofer Institut forscht das Unternehmen an der Zukunft der Logistik.

Der Drucker gibt laute Geräusche von sich. Ein kleines, weisses Gitterkästchen wird gedruckt. Schicht für Schicht wird das Pulver eingespritzt, das Kästchen nimmt langsam Form an. «Später wird es im integrierten Backofen ausgehärtet», erklärt Erik Wirsing.

Neue Geschäftsmöglichkeiten

Am Frauenhofer Institut werde herumgeprobt, was so alles möglich sei mit dem 3D-Drucker. Doch wieso forscht ein Unternehmen am 3D-Druck, wo dieser doch den Transport – das herkömmliche Geschäft eines Logistikunternehmens – in Frage stellt? Wenn nämlich die Kunden von DB Schenker in Zukunft ihre Teile selber drucken statt liefern lassen, fällt bei DB Schenker ein Geschäftsfeld weg.

«  Der 3D-Druck ist ein Zukunftsthema, das die Logistikbranche komplett umkrempeln wird. Deshalb muss man wissen, was sich verändert, um nicht morgen überrascht zu werden. »

Erik Wirsing
Head of Innovation, DB Schenker

«Aufhalten werden wir die Entwicklung sowieso nicht, deshalb sollten wir besser wissen, wohin sich das Ganze entwickelt», sagt Wirsing dazu. Ausserdem biete der 3D-Druck für das Unternehmen neue Geschäftsmöglichkeiten: So wolle der Logistikdienstleister zum Beispiel in Zukunft selber 3D-Drucker betreiben und Kunden darin beraten, ob ein Objekt gedruckt oder transportiert werden soll.

Kommt hinzu: Auch 3D-Drucker müssen transportiert werden, zusammen mit dem Granulat für den Druck. An solchen Transporten ist DB Schenker interessiert. Transport werde es auch in Zukunft immer brauchen, sagt Wirsing.

Auch mit Drohen wird experimentiert

Eine Halle weiter zeigt Wirsing auf einen weissen gitterförmigen Ball von etwa 30 Zentimetern Durchmesser: Eine Drohne, die nicht nur fliegen, sondern auch rollen kann. Das spare Energie, erklärt Wirsing: «Drohnen haben das Problem, dass sie sehr viel Akku brauchen, das heisst sie fliegen nicht so lange, wie man es gerne möchte.» Wenn die Drohe zwischendurch rollen könne, sei das ein grosser Vorteil.

Auch auf dem Gebiet der Drohnen forscht das Logistikunternehmen zusammen mit dem Fraunhofer Institut. Statt sich vor den Drohnen zu fürchten, weil sie Transporte auf der Strasse oder Schiene künftig überflüssig machen könnten, will man sie lieber gleich selber nutzen.

«DB Schenker setzt bereits heute Drohnen ein, zum Beispiel um in den eigenen Lagern das Inventur durchzuführen», sagt Wirsing. Besonders bei hohen Regalen sei es praktisch, wenn man die Objekte nicht mit einem Hochstapler herunterholen müsse. Dass wegen der Drohnen Arbeitsplätze wegfallen, bestreitet Wirsing. Statt zwei Mal pro Jahr, könne man mit der Drohne nun einfach wöchentlich ein Inventur durchführen und erhalte so eine bessere Transparenz über die vorhandene Ware.

«Trend»-Sommerserie: Transport und Logistik