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Wirtschaft Geld regiert die Welt – aber wer regiert das Geld?

Heute Dienstag werden in Bern die Unterschriften der Vollgeld-Initiative an die Bundeskanzlei übergeben. Das Ziel: eine neue Geldordnung. Genauer: Die Geldschöpfung der Geschäftsbanken via Kredite soll beendet werden. Einzig die Nationalbank soll die Geldmenge kontrollieren.

Weltkugel in digitaler Umgebung.
Legende: Digitalisierung und bargeldloses Zahlen haben die Geldmenge weiter vergrössert. Colourbox

Woher nimmt eine Bank das Geld, wenn sie eine Hypothek oder einen Betriebskredit für eine Firma vergibt? Viele Bürgerinnen und Bürger glauben, dieses Geld sei mit Sparguthaben von Kunden gedeckt. Doch das stimmt nur zum Teil.

Legende: Video Martin Rohners Wunsch nach Transparenz abspielen. Laufzeit 0:46 Minuten.
Aus ECO vom 30.11.2015.

Martin Rohner, Geschäftsleiter der Alternativen Bank Schweiz (ABS), stellt klar: «Wenn Banken Kredite vergeben und gleichzeitig den Kreditnehmenden dieses Geld auf dem Konto gutschreiben, dann wird Geld geschaffen.» Vereinfacht gesagt, verlängert sich durch diese doppelte Buchung einfach die Bilanz der Bank. Geld entsteht also aus einem Kredit und ist eine Schuld. Wird ein Kredit zurückgezahlt, wird diese Schuld getilgt, das Geld verschwindet.

(Zu) viel Buchgeld

Die Menge des sogenannten Buch- oder Giralgeldes der Geschäftsbanken hat mit der Computerisierung und der Entwicklung des bargeldlosen Zahlungsverkehrs in den vergangenen Jahrzehnten stark zugenommen. Über vier Fünftel des sich heute in Umlauf befindenden Geldes ist solches Kreditgeld der Banken.

Legende: Video Sergio Rossis konkrete Forderungen (frz.) abspielen. Laufzeit 0:52 Minuten.
Aus ECO vom 30.11.2015.

Damit sei viel zu viel Geld in Umlauf, das die Realwirtschaft gar nicht benötige, sagen die Befürworter der Vollgeld-Initiative. Ein Grossteil dieses Geldes wandere an die Aktien- und Kapitalmärkte, wo es zu Blasenbildungen und schädlichen Verwerfungen führe - um Beispiel der Finanzkrise von 2008, deren Auswirkungen bis heute zu spüren sind.

Hinzu komme, dass dieses Buchgeld der Banken nicht sicher sei, weil es sich nicht um ein gesetzliches Zahlungsmittel handle. Kommt eine Bank in Schieflage kann es verschwinden.

Das Ansinnen der Vollgeld-Initiative unterstützt Sergio Rossi. Der Wirtschaftsprofessor an der Universität Fribourg sitzt im wissenschaftlichen Beirat des Initiativ-Komitees und sagt konkret: «Mein Vorschlag wäre: Banken dürfen Kredite geben, wenn es um Realwirtschaft geht. Aber sie dürfen keine Kredite ohne entsprechende Einlagen mehr vergeben, um rein am Finanzmarkt aktiv zu sein.»

Sicheres Geld

Die Initiative will das viele Buchgeld der Banken, grob gesagt, wieder zu vollwertigen, gesetzlichen Zahlungsmitteln machen. Die Bereitstellung von Geld – der für die Realwirtschaft benötigten Geldmenge – soll an eine öffentliche Institution, an eine «Monetative», überführt werden, – in der Schweiz die Schweizerische Nationalbank. Geschäftsbanken dürften nicht mehr via Kreditvergabe Geld quasi aus dem Nichts schöpfen, sondern tatsächlich nur noch Kredite sprechen, die mit Spareinlagen gedeckt sind.

Legende: Video Vollgeld: Radikale Geldreform abspielen. Laufzeit 8:16 Minuten.
Aus ECO vom 28.01.2013.

Für Martin Rohner ist indes nicht die Geldschöpfung der Banken via Kredite das Problem, sondern fehlende Transparenz, wofür die Kredite verwendet werden.

Es brauche mehr Informationen darüber, was die Banken mit dem Geld ihrer Kundinnen und Kunden machen, sagt er. Zudem sei man mit den verschärften Eigenmittelvorgaben der Banken auf dem richtigen Weg.

Initiative eingereicht

Der Verein Monetäre Modernisierung hat bei der Bundeskanzlei die Vollgeld-Initiative mit über 110'000 Unterschriften eingereicht. Das überparteiliche Initiativkomitee wird unterstützt von einem wissenschaftlichen Beirat, dem mehrere Professoren angehören. Gegner einer Vollgeld-Reform kritisieren, dass die Nationalbank zu viel Macht erhalte.

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52 Kommentare

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  • Kommentar von Alex Schneider (Alex Schneider)
    Vollgeldinitiative: SNB soll Geldschöpfung auf reales Wachstum beschränken An der Vollgeldinitiative wird kritisiert, dass nicht klar sei, wie die Zentralbank sinnvoll entscheiden könne, um wie viel die Geldmenge in einer bestimmten Periode zunehmen soll. In der Geldmengentheorie war lange klar, dass inflationsfreies Wachstum langfristig nur mit einer Geldmengenerweiterung gemäss dem realen Wachstum einer Volkswirtschaft möglich ist.
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  • Kommentar von M. Kaiser (Klarsicht)
    Seit langem schreiben die Kundigen hier im Forum genau das, was nun der Hr.Prof. hier wiederkäut , dass die Banken nur das real ersparte Geld der Einleger weiter verleihen dürfen, damit keine Blase entsteht und eine sinnlose Geldentwertung. Dafür erhalten die Banken einen fetten Zins, den sie ja ohnehin nur mickrig an den Spareinleger weitergeben ( heute ja bei Null ). Damit ist auch das Ende der Riesengehälter dieser Geldjongleure eingeläutet - Ende mit Beschiss des Sparers und Fleissigen .
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    1. Antwort von Walter Starnberger (Walter Starnberger)
      Bitte nicht, M. Kaiser, bevor die Banken gezwungen werden, mein sauer erspartes Geld via Kredite an windige Geschäftemacher und Möchtegern-Autokäufer zu verleihen, werde ich das Geld lieber abheben und unter die Matratze legen. Da ist es dann erheblich sicherer aufgehoben.
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    2. Antwort von M. Kaiser (Klarsicht)
      Hr.Starnberger, die Banken, die an seriöse Schuldner mein Spargeld leihen werden Gewinne machen, die Banken die an die Windigen, wie sie schreiben, Kredite vergeben, werden Pleite gehen - das ist das Gesetz des freien Marktes-unter ihrer Matratze verfault ihr Erspartes, weil es nicht einem guten Schuldner zu guten Geschäften dient. Das ist das Geheimnis der wunderb. Brotvermehr. - jemand braucht sein Ersp. nicht z. Zeit und leiht es einem über die Bank, der damit wieder neue Werte erzeugt. OK ?
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  • Kommentar von Walter Starnberger (Walter Starnberger)
    Geld aus dem Nichts ? Ganz so einfach ist es nicht, sonst würden die Banken ja nicht darunter leiden wenn ein Schuldner pleite geht. Das würde nämlich nur ihre Bilanzsumme auf den vorherigen Zustand reduzieren. Und während der Finanzkrise hätten sich die Banken auch selbst mit gegenseitigen Krediten retten können, ohne Staatshilfe. Wäre ganz einfach gewesen.
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    1. Antwort von Daniele Schranz (Keyore)
      Die Idee klingt elegant nur dann hätten die Banken indirekt eingestanden was Sie wirklich tun nämlich Buch/Giralgeld aus Luft erschaffen. Eine Bilanzsumme als solches kann man verlängern oder verkürzen aber ein materieller Schaden als solches kann gar nicht entstehen da diese Zahlen nur Bits und Bytes im Computer sind. Zwischen Staat und Banken kann man schon gar nicht mehr unterscheiden denn was glauben Sie woher der Staat sein Geld kreditiert bekommt?Von den Geschäftsbanken.Siehe Andreas Popp.
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