Gespanntes Warten auf den Fed-Entscheid

Hebt die amerikanische Notenbank den Leitzins an oder bleibt alles beim Alten? Klar ist: Die Folgen des Entscheids werden weltweit zu spüren sein.

Eine Frau joggt vor dem Gebäude der Federal Reserve vorbei Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Seit dem Ausbruch der Finanzkrise hat die amerikanische Federal Reserve die Zinsen tief gehalten. Reuters

In der Welt der Wirtschaft schauen alle nach Washington. Dort wird die amerikanische Notenbank Fed heute bekannt geben, ob sie ihre Zinsen anheben wird oder nicht. Aber was ist daran eigentlich so wichtig? Und was ist so besonders an der Situation jetzt?

Janet Yellen, Chefin der US-Notenbank Fed Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Wie wird Fed-Chefin Janet Yellen heute entscheiden? Reuters

Eine Zinsanhebung wäre ein historischer Schritt. Während der jüngsten Finanz- und Wirtschaftskrise hatte die Fed die Zinsen fast auf null gesenkt.

Damit wollte sie die US-Wirtschaft aus der Krise hieven. Denn wenn Privatleute und Unternehmer zu sehr niedrigen Zinsen Kredite bekommen, können sie mehr Geld ausgeben und mehr Geschäfte machen. Die Zinssenkung war also eigentlich eine Notmassnahme. Sie existiert aber bis heute.

Angst vor einer Blase

Experten haben unterschiedliche Meinungen darüber, was die Fed machen sollte. Einige kritisieren, die Notenbank habe die Zinsen schon viel zu lange so niedrig gelassen. «Zu niedrige Zinsen führen zu Vermögensblasen, die später platzen und die Banken in Not bringen können», sagt beispielsweise Hans-Werner Sinn vom Münchner Ifo-Institut.

Tobias Straumann: «Eine kleine Zinserhöhung wäre verkraftbar»

2:44 min, vom 17.9.2015

Tobias Straumann von der Universität Zürich denkt eine kleine Zinserhöhung wäre verkraftbar. Die Fed könnte bei einer Überreaktion immer noch intervenieren. Langfristig sieht Straumann keinen steilen Anstieg des Zinses. «Die letzte Krise ist schon fast sieben Jahre her, deshalb könnte es bald wieder einen Abschwung geben.» Der Wirtschaftshistoriker vermutet in absehbarer Zukunft einen Anstieg der Zinsen auf zwei bis drei Prozent, «jedoch kaum auf fünf Prozent.»

Kredite könnten teurer werden

Die Gegner einer Erhöhung betonen hingegen, dass die wirtschaftliche Erholung noch nicht robust genug sei. Sie fürchten, dass wichtige Investitionen ausbleiben könnten, wenn Kredite für Firmen und Hauskäufer teurer werden.

Hinzu kommen Alarmsignale an den asiatischen Börsen. Anleger warnen bereits vor weiteren Turbulenzen an den Aktienmärkten. Die Schwellenländer könnten unter einer Zinserhöhung leiden, wenn Investoren wegen der attraktiveren US-Zinsen ihr Kapital abziehen. Der Internationale Währungsfonds warnte kürzlich Notenbanken weltweit vor voreiligen Zinserhöhungen.

Entscheid erst im Dezember?

Möglicherweise belässt die Fed vorerst alles beim Alten. Dann wird eine Zinserhöhung im Dezember, von der schon jetzt die meisten Beobachter ausgehen, noch wahrscheinlicher. Hinweise darauf dürfte auch die neue Wachstumsprognose der Fed geben, die heute zusammen mit der Zinsentscheidung veröffentlicht wird.