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Grünes Mäntelchen für Schweizer Konzerne?
Aus Rendez-vous vom 02.11.2020.
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Grüner Anstrich trügt Gegen CO2-Gesetz: Die «unartigen» Töchter von Migros und Coop

Coop und Migros unterstützen das CO2-Gesetz, ihre Benzinfirmen sind für das Referendum. Wie passt das zusammen?

3300 Tankstellen versorgen die Schweiz mit Benzin und Diesel. Rund jede dritte Tankstelle wird von BP (330), Coop (250), Migrol (300) oder Shell (300) betrieben. Alle Firmen sind auch im Vorstand des Branchenverbandes Avenergy, der ehemaligen Erdölvereinigung – und alle Firmen machen sich für mehr Klimaschutz stark.

Beispielsweise Shell: Der niederländische Erdölriese hat angekündigt, seinen CO2-Ausstoss auf null zu senken. Dazu sagt Shell-Chef Ben van Beurden: «Wenn wir unseren CO2-Ausstoss reduzieren – und Sie denken, das sei ein Trick, um grüner zu wirken, dann stimmt das nicht. Das ist kein Greenwashing.»

Das ist kein Greenwashing.
Autor: Ben van BeurdenCEO Shell

Heisst: Shell meine es ernst. Ähnlich tönt es bei BP. Trotzdem unterstützen BP und Shell das Referendum gegen das CO2-Gesetz. BP missfällt, dass durch das neue Gesetz Treibstoffe teurer würden.

Coop Mineralöl AG und Migrol sind auch im Boot

Bemerkenswert ist auch die Position von Coop Mineralöl AG und Migrol: Sie haben sich bei Avenergy ebenfalls für das Referendum ausgesprochen. Beide Firmen sind vollständig im Besitz ihrer Mutterkonzerne Coop und Migros. Diese vertreten allerdings eine komplett andere Position: Sie stehen hinter dem neuen CO2-Gesetz.

Wie passen diese gegenteiligen Positionen zusammen? Beide Unternehmen geben sich zugeknöpft: Interviews dazu geben sie keine. Es gibt lediglich kurze, schriftliche Antworten. Der Grundtenor: Das Referendum zu unterstützen, sei ein Entscheid von Avenergy gewesen. Coop schreibt: «Im Rahmen der IG Detailhandel unterstützt Coop das CO2-Gesetz. Der genannte Verband Avenergy verfolgt spezifische Interessen.»

Im Rahmen der IG Detailhandel unterstützt Coop das CO2-Gesetz. Der genannte Verband Avenergy verfolgt spezifische Interessen.
Stellungnahme von Coop

Die IG Detailhandel ist der Interessenverband von Coop und Migros. Dort heisst es: «Die IG Detailhandel begrüsst das CO2-Gesetz als notwendigen Beitrag zur Erreichung des Pariser Abkommens. Ein Referendum verzögert die Umsetzung dieser Strategie unnötig, während der Klimawandel weiter fortschreitet.»

Ein Referendum verzögert die Umsetzung dieser Strategie unnötig, während der Klimawandel weiter fortschreitet.
Stellungnahme IG Detailhandel

«Taten statt Worte» – «Generation M»

Eine unnötige Verzögerung also – und trotzdem haben sich die Tochterunternehmen von Coop und Migros für das Referendum ausgesprochen. Pikant ist dieser Entscheid auch deshalb, weil beide Konzerne viel Wert auf ihre nachhaltigen Engagements legen: Bei Coop ist es beispielsweise die Kampagne «Taten statt Worte», bei Migros sind es die Versprechen der «Generation M».

Gleichwohl sieht die Migros keinen Widerspruch zwischen diesen Versprechen und dem Referendum: «Ein Referendum zu ergreifen, ist ein demokratisch einwandfreies und legitimes Mittel. Somit ist das auch absolut kein Problem für die Migros.»

Ein Referendum zu ergreifen, ist ein demokratisch einwandfreies und legitimes Mittel. Somit ist das auch absolut kein Problem für die Migros.
Stellungnahme der Migros

Fahler Nachgeschmack bleibt

Unklar ist zudem, ob die Tochterunternehmen ihren Entscheid selbständig getroffen haben oder ob er mit der jeweiligen Konzernspitze abgesprochen war. Dazu wollen Coop und Migros nichts sagen. Gleichzeitig betonen aber beide Konzerne, dass sie die Referendumskampagne weder mit Geld noch mit Personal unterstützen würden.

So bleibt der Eindruck: Coop und Migros nehmen beim CO2-Gesetz eine widersprüchliche Position ein. Und sie sind froh, dass Avenergy für sie die politische Arbeit macht, die so gar nicht zu ihrem Bild passt.

Rendez-vous, 02.11.2020, 12:30 Uhr

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52 Kommentare

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  • Kommentar von Philipp Moreno  (HOC)
    Verwundert es wirklich noch?
    Mirgos und Coop schimpfen sich heute noch Genossenschaft und Kooperative, obwohl dererlei Gedankengut in deren Gründungszeit zurückfällt und heute fröhnen sie dem Turbokapitalismus. Beide sind Milliardenkonzerne, dieses "grüne" oder "familiäre" Image ist nichts weiteres als Marketing welches zur Sympathiegewinnung und Kundenbindung dient oder dienen soll....
    Etwas vorgeben und etwas anderes sein willkommen in der Gegenwart.
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  • Kommentar von Francis Waeber  (Francis Waeber)
    Der Widerspruch dass alles nach Klimaschutz und CO2-Gesetz schreit, aber bei einer Militärspielzeug-Abstimmung keiner (!) nach Emissionen fragt, stört mich mehr, als Tochterfirmen von Coop und Migros, welche nicht die Haltung des Mutterkonzerns einnehmen. Noch mehr stört mich dass ich beim Referendum mit der SVP stimmen "muss". Nichts gegen ein nützliches, sinnvolles CO2-Gesetz - aber DIESES CO2-Gesetz kostet viel, belastet NUR die "Kleinen" und bringt rein gar nichts!.... ;-))
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    1. Antwort von Olivier Dombas  (mod)
      Das CO2-Thema bezüglich der Flieger stand sogar auf dem Wahlplakat der Gegner. Von den 50.1%, welche dagegen stimmten, waren sicher auch einige dabei, die dieses Argument berücksichtigt hatten - ich zum Beispiel.
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    2. Antwort von Beat Reuteler  (br)
      Hr. Waeber, wenn Sie gemerkt hätten, dass dieses CO2 Gesetz den "Kleinen" Geld bringt, müssten Sie nicht mit der SVP stimmen.
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  • Kommentar von Urs Schaufelberger  (Medwed)
    Meiner Meinung nach, Glaube ich Solde jeder mal bei sich selber anfangen und sich Fragen.
    -Brauche ich im Winter bei mir zuhause mit einen T-Shirt und kurze Hosen mich im Haus bewegen.?
    - Brauche ich im Sommer eine Klima Anlage im Haus oder Auto?
    - Brauche ich ein Auto, von 200 PS oder mehr und 4 Rad Antrieb?
    - Brauche ich Das Auto im Dorf?
    Es gäbe noch viel wo man aufzählen könnte.
    Ich glaube wenn jeder bei sich schon nur 10% ein schränkt. Könnten wir viel sparen.
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    1. Antwort von Lukas Gubser  (Mastplast)
      Sie sollen aber nicht 10% sonndern 100% sparen bis in 29 Jahren.
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    2. Antwort von Daniel Bucher  (DE)
      Und wenn sich jemand nicht einschränken will, auf das Auto angewiesen ist oder nicht verzichten will, weil er z.B. in anderen Punkten schon viel ökologischer lebt?
      Man sollte auch Haustiere und Freizeitpferde in die CO2 Bilanz einziehen. Mittels Abgabe, die Kompensation für 1 Tonne CO2 kostet so zwischen 25 und 50 Franken pro Jahr. Gemessen an den gesamten Kosten eines Fahrzeugs ist der Beitrag verschwindend klein. Aber das will niemand zugeben. Sonst wäre das Auto plötzlich nicht mehr böse.
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    3. Antwort von Beat Reuteler  (br)
      Das Einsparpotenzial ist unbestritten vorhanden. Leider reichen alle denkbaren Anstrenguingen zu solchen Einsparungen nirgends hin um unseren "Footprint" von 2.8 auf 1.0 zu bringen. Deshalb braucht es dezidierte Massnahmen und technologischen Wandel in die richtige Richtung. Was Geld kostet, aber auch Arbeit bringt.
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