Zum Inhalt springen

Wirtschaft Haben Credit Suisse und UBS den Wettbewerb behindert?

Die beiden Schweizer Grossbanken sind im Visier der EU-Kommission – zusammen mit mehreren grossen Investmentbanken. Die Institute sollen sich abgesprochen haben, um die Konkurrenz fernzuhalten. Ihnen drohen hohe Strafzahlungen.

Die Europäische Kommission hat in einem laufenden Kartellverfahren Briefe mit Vorwürfen an zahlreiche Banken geschickt – darunter auch die CS und die UBS. Dies teilte die EU-Kommission in Brüssel mit. Am Ende des Verfahrens könnten Strafen von bis zu 10 Prozent der Jahreseinnahmen der Banken stehen.

Legende: Video Was sind CDS? abspielen. Laufzeit 1:21 Minuten.
Aus ECO vom 17.10.2011.

Undurchsichtige Geschäfte

Die Institute sollen den Wettbewerb im Geschäft mit Kreditausfallprodukten (Credit Default Swaps/CDS) verhindert haben. Mit CDS sichern sich Investoren nicht nur gegen Pleiten von Staaten und Firmen ab, sie können auch explizit auf die Bonität eines Schuldners wetten und diesen damit in
Bedrängnis bringen.

Diese oft undurchsichtigen Absicherungsgeschäfte stehen seit Ausbruch der Finanzkrise am Pranger. Ein Grossteil dieser CDS wird zwischen den Banken direkt (Over the Counter) gehandelt.

In diesen Markt möchten und sollen nach Wunsch der Politik stärker beaufsichtigte Börsenbetreiber wie die Deutsche Börse oder die Chicago Mercantile Exchange eindringen. Doch daran sollen sie von den Banken in den Jahren 2006 bis 2009 laut EU-Untersuchung gehindert worden sein. «Die Banken fürchteten Verluste bei ihren Einnahmen», sagte EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia.

Möglicherweise ein «grober Verstoss»

Almunia machte keine Angaben zu einer möglichen Busse, wies jedoch darauf hin, dass derzeit zwei Millionen solche Kreditausfallversicherungen im Umlauf seien, mit einem Gesamtwert von zehn Billionen Euro. Laut Almunia haben die Banken nun die Möglichkeit, auf den Vorwurf zu reagieren. Bestätigt sich der Verdacht der Kommission, käme dies einem «groben Verstoss gegen den Wettbewerb» gleich.

Legende: Video Die Probleme mit CDS abspielen. Laufzeit 7:29 Minuten.
Aus ECO vom 17.10.2011.

Die Untersuchungen richten sich gegen 13 Finanzinstitute: Die Bank of America Merrill Lynch, Barclays, Bear Stearns, BNP Paribas, Citigroup, Credit Suisse, Deutsche Bank, Goldman Sachs, HSBC, JP Morgan, Morgan Stanley, Royal Bank of Scotland, UBS sowie die Vereinigung International Swaps and Derivatives Association (ISDA) und den Datenanbieter Markit.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

4 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von H. Bernoulli, Zürich
    Konzentration ökonomischer Macht ist Demokratie- und Marktwirtschaftsfeindlich. Deshalb sind Rahmenbedingungen vonnöten, welche solche ökonomische Machtkonzentration verhindern. Z.B. progressive Umsatzsteuern.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Christoph Haussener, Uetendorf
    Machen die beiden Banken eigentlich auch mal etwas Legales? Was waren wir alle naiv! Glaubten an seriöse Geschäfte, die auf schweizerischen Tugenden basieren. Stattdessen: Steuerbetrug, Manipulation des Marktes, etc. etc. Schämt euch, ihr miesen Betrüger!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Alex Kramer, ZH
      Ein nicht unwesentlicher Teil unserer Regierung und des Parlaments wollte und will die Banken weiterhin schützen - unabhängig von der zurückgewiesenen Lex USA. Bei der ganzen Beratungen ist kein einziger Vorstoss erfolgt, welcher die Banken & FINMA genauer unter die Lupe nehmen will. Ist das Swissness (auch wenn es nur 60% Anteil hat)?
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Christoph Haussener, Uetendorf
      Viele Politiker lassen sich natürlich gerne von den Banken ihre Wahlkämpfe bezahlen und nehmen auf den bequemen Verwaltungsratssitzen Platz. Da will man lieber nicht zu genau hinsehen, zumal der Rubel rollt! Unsere hochgelobte Demokratie ist leider zutiefst korrupt!
      Ablehnen den Kommentar ablehnen