Heikle Situation für Schweizer Firmen in Russland und der Ukraine

190 Millionen Menschen leben in der Ukraine und in Russland. Ein grosser Markt, der auch für Schweizer Unternehmen attraktiv ist. Viele Firmen haben entweder direkt in diesen Ländern investiert oder Anteile von russischen oder ukrainischen Firmen gekauft. Das kann mitunter ziemlich riskant sein.

Das Firmenlogo von Nestlé an einer grauen Hausmauer. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Nestlé hat Filialen in der Ukraine und in Russland. Keystone

Die Ukraine ist ein hartes Pflaster für Schweizer Firmen. Korruption, Vetternwirtschaft und eine grosse Unsicherheit bei Rechtsfragen machen Investitionen schwierig. Die Schweizerische Export-Risiko-Versicherung führt die Ukraine deshalb seit 2010 in der Kategorie sieben – der höchsten Risiko-Stufe.

Im Länderbericht warnt das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) zudem vor Gründungen von Joint-Ventures mit ukrainischen Partnern. Diese Gemeinschaftsunternehmen ermöglichten zwar einen raschen Markteintritt. Umgekehrt bestehe aber auch die Gefahr einer feindlichen Übernahme durch den Partner, sobald das Geschäft ausgebaut sei.

Nestlé, Vetropack und Swiss Krono Group

Trotz der bekannten Risiken haben zahlreiche Schweizer Firmen in den vergangenen Jahren in dem Land mit seinen 45 Millionen Einwohnern investiert. Die Schweiz ist insgesamt der zehntwichtigste ausländische Investor der Ukraine. Die Präsenz von Schweizer Firmen ist nicht zu verachten. So betreibt der Nahrungsmittelmulti Nestlé im Land drei Produktionsstandorte und ein regionales Dienstleistungszentrum.

Die Schweizer Verpackungsfirma Vetropack hat ein grosses Glaswerk übernommen und produziert dort Flaschen für den ukrainischen Markt und die umliegenden Länder. Auch der Luzerner Spanplattenkonzern Swiss Krono Group hat in der Ukraine drei Produktionsstandorte und beschäftigt fast 750 Angestellte.

Investitionen in Russland weniger riskant

Deutlich weniger riskant als in der Ukraine waren in den letzten Jahren die Schweizer Investitionen in Russland. Auf der Schweizer Botschaft in Moskau seien rund 200 Schweizer Firmen gemeldet, die im Land tätig sind, schreibt das Seco im Länderbericht. Dazu gehören Multis wie Nestlé, der Technologieriese ABB oder der Zementhersteller Holcim.

Wichtig sind zudem Finanz-Dienstleister. Denn die Kapitalströme zwischen der Schweiz und Russland sind beachtlich. Dies nicht zuletzt aufgrund des starken Handelsgeschäfts mit russischem Gas und Öl, das zu 80 Prozent über Genf abgewickelt wird.

Massive Investitionen durch Vekselberg

Insgesamt ist die Schweizer Wirtschaft viel stärker mit der russischen Wirtschaft verknüpft als mit der ukrainischen. Dies vor allem über zahlreiche Beteiligungen.

Neben dem Öl- und Gasgeschäft, sind die bekanntesten Beispiele die Schweizer Traditionsfirmen Sulzer und OC Oerlikon. Da hat der russische Investor Viktor Vekselberg in den vergangenen Jahren massiv Geld investiert und die Kontrolle übernommen – mit dem Versprechen, den Firmen die Tore zum grossen russischen Markt zu öffnen.