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Wirtschaft Illegale Finanzströme nehmen zu

Durch Schwarzgeldtransfers ins Ausland entgehen den Entwicklungsländern jährlich Milliarden. Und der Betrag werde von Jahr zu Jahr grösser, schätzt eine Studie der amerikanischen Nichtregierungsorganisation Global Financial Integrity. Auch die Schweiz profitiere davon.

Bild eines schwarzen Koffers mit einem eingeklemmten Geldschein.
Legende: Schwarzgeldabfluss: 2012 entgingen den Entwicklungsländern laut der Studie 991 Mrd. Dollar – ein neuer Rekord. Keystone/Symbolbild

Korruption, Steuerflucht, Bestechung oder gefälschte Warenrechnungen: Die Liste der Betrugsmöglichkeiten ist lang. Und davon werde zunehmend Gebrauch gemacht, sagt Raymond Baker, Chef der Nichtregierungsorganisation Global Financial Integrity in Washington.

Bakers Organisation hat zum wiederholten Mal die Handels- und Finanzdaten von mehr als 150 Ländern ausgewertet. Und aus den Lücken auf illegale Finanzströme geschlossen.

Das meiste Schwarzgeld fliesst demnach aus Entwicklungs- und Schwellenländern ab, allen voran China, Russland, Mexiko und Indien. Arme Länder gehörten deshalb zu den grössten Verlierern, sagt Baker.

Grosse Geldsummen im Spiel

Seit 2002 seien Entwicklungsländern insgesamt 6,6 Billionen Dollar durch illegale Finanzströme entgangen, Tendenz steigend, heisst es in dem Bericht. Dazu zählen zum Beispiel Gelder aus illegalen Rohstoffgeschäften.

Die Gesamtsumme des Schwarzgeldes sei sogar grösser als die Summe aller Direktinvestitionen und Entwicklungsgelder in diese Länder, schreiben die Autoren.

Reiche Länder profitieren

Zu den Profiteuren gehörten reiche Länder und Steueroasen, zu denen die US-Organisation auch die Schweiz zählt. Wie viel in der Schweiz ankommt, vermag Baker nicht zu beziffern.

Obwohl die Zahl illegaler Finanzströme zunimmt, sieht die Organisation Fortschritte. Zu den wichtigsten zählt Baker die internationalen Vereinbarungen zum automatischen Informationsaustausch.

Legende:
Der illegale Finanzstrom wird zur Flut: Den internationalen Vereinbarungen zum Trotz – Das Ausmass der Schwarzgeldtransfer nimmt global immer mehr zu. Am deutlichsten zeigt sich dies bei der MENA-Region (Nahost und Nordafrika). Hier haben die illegalen Finanzströme seit 2003 um fast 1800 Prozent zugenommen. Dabei wären gerade diese Entwicklungsländer darauf angewiesen, dass die Gelder im eigenen Land bleiben. GFI (Global Financial Integrity)

Fluchtburg Schweiz

Alliance Sud zufolge trägt auch die Schweiz Verantwortung für die Schwarzgeldtransfers: «Die Schweiz gilt in den Entwicklungsländern immer noch als sichere Fluchtburg für die Vermögen von Steuerhinterziehern und korrupten Staatsbeamten», wird Mark Herkenrath, Finanzexperte der Organisation, in einer Medienmitteilung zitiert.

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7 Kommentare

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  • Kommentar von KopfBenützer, Thurgau
    Jaja, die ach so böse Schweiz (wiedermal). Wenn nichts mehr geht, ist Schweiz-Bashing sehr gefragt. Die USA sollen lieber vor der eigenen Haustüre wischen. Sie profitieren wohl mehr als andere Länder von der dritten Welt (z.B. Economic Hitman) und sind wohl die grösste Steueroase von allen (Delaware, Florida, usw.). Und wenn nichts mehr geht, überfällt man eben irgend ein anderes Land, um von den inländischen Problemen abzulenken. Aber die USA sind ja immer die Guten!
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  • Kommentar von Walter Mathys, Etziken
    Jeder Dollar der so in die CH kommt sofort blockieren und direkt im Herkunftsland gezielt zum Wohle aller investieren. Die Verursachen an den Pranger stellen und ihre Machtposition streichen.
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  • Kommentar von M Jaeger, Wildwil
    Solange die Schweiz noch Banken hat werden diese Anschuldigungen weitergehen. Bis endlich alle diese Gelder in USA investiert werden. Dann wird dann nichts mehr davon hören. Der Bundesrat inkl. SR und NR kann sich nach der Finanzplatzzerstörung dann der Industriestandortzerstörung widmen. Mit mutwillig herbeigeführter Energieverknappung und deren damit zusammenhängender Kostenvermehrfachung ist der Anfang schon gemacht. Die Frage bleibt: Warum zerstört die Schweiz sich selber?
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