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Wirtschaft In Rente mit 64 und 65? Alles ist ganz anders

Ältere Menschen sollen länger erwerbstätig bleiben. Damit will man den Fachkräftemangel bekämpfen. Allerdings lassen sich gerade in grossen Schweizer Firmen viele Arbeitnehmer frühzeitig pensionieren. Zu wenig Wertschätzung und eine zu hohe Belastung seien zwei Gründe, zeigt jetzt eine neue Studie.

Legende: Video Weniger Frühpensionierungen erwünscht abspielen. Laufzeit 2:02 Minuten.
Aus Tagesschau vom 19.11.2016.

Der Fachkräftemangel ist ein Dauerthema in der Schweizer Politik. Firmen greifen deshalb oft auf ausländische Fachpersonen zurück. Dies dürfte sich bald ändern: Zwar ist noch nicht sicher, wie die Masseneinwanderungsinitiative umgesetzt wird, klar ist hingegen, dass in Zukunft weniger ausländische Arbeitskräfte in die Schweiz kommen dürfen. Ältere Menschen sollen deshalb länger erwerbstätig bleiben. Die Realität sieht aber anders aus: Gerade bei Schweizer Firmen gehen viele Berufstätige frühzeitig in Pension.

Legende:
Reguläre Pensionierungen 2015 Lediglich bei Actelion waren mehr als die Hälfte aller Pensionierungen regulär. Bei Swiss Re waren gar alle Pensionierungen frühzeitig. metrobasel

Gemäss einer Studie von «Metrobasel» sind es vor allem «Softfaktoren», welche die Arbeitnehmende dazu bewegen, sich frühzeitig aus dem Erwerbsleben zu verabschieden. «Man findet die Arbeit nicht ausreichend interessant, sie ist nicht auf die Fähigkeiten zugeschnitten und man erfährt zu wenig Wertschätzung», sagt die Studienautorin Monika Engler. Kurz: Die Arbeit sei zu belastend. Finanzielle Aspekte hingegen seien eher zweitrangig.

Man findet die Arbeit nicht ausreichend interessant, sie ist nicht auf die Fähigkeiten zugeschnitten und man erfährt zu wenig Wertschätzung
Autor: Monika EnglerStudienautorin

Speed-Dating für ältere und jüngere Mitarbeitende

Auch bei Novartis war der Anteil an Frühpensionierungen im Jahr 2015 hoch. Nur gerade 10 Prozent der Mitarbeitenden arbeiteten bis zum regulären Pensionsalter. Das habe individuelle Gründe, sagt Thomas Bösch, Personalleiter Novartis Schweiz. Während die Produktionsmitarbeiter einfach müde seien und sich deshalb pensionieren liessen, wollen Mitarbeitende der Forschung und Entwicklung oft etwas Neues anfangen, etwa ein Startup unterstützen oder ein eigenes Unternehmen gründen.

Novartis versuche deshalb, Rahmenbedingungen zu schaffen, unter welchen sich auch die älteren Mitarbeiter weiter in das Unternehmen einbringen möchten. «Wir haben beispielsweise eine Art Speed-Dating eingeführt, bei welchem sich ältere und jüngere Mitarbeitende austauschen und voneinander lernen können», sagt Bösch. Ältere Mitarbeitende sollen sich so mehr wertgeschätzt fühlen.

Mehr Eigeninitiative und mehr Freiraum

Wertschätzung gegenüber der Mitarbeitenden ist also wichtig. Studienautorin Engler rät den Firmen, ihren Mitarbeitenden einen grösseren Spielraum bei der Gestaltung ihres Arbeitsalltags anzubieten. «Die Unternehmen müssen stärker auf die Eigeninitiative ihrer älteren Mitarbeitenden setzen», sagt Engler. «Denn wenn die Mitarbeitenden den nötigen Freiraum haben, versuchen sie selber, die Arbeitsbedingungen zu verbessern und suchen sich die Aufgaben, die zu ihren Fähigkeiten passen». Diese Eigeninitiative zuzulassen, brauche allerdings Mut von Seite der Unternehmen.

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14 Kommentare

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  • Kommentar von Hans Haller (panasawan)
    Herr Bächler, überdenken Sie einfach mal was Sie da so alles rauslassen genauer und stellen Sie es für einmal auch in den Zusammenhang mit Ihren "Forderungen" nach Integration von Flüchtlingen und deren Betreuungen. - Sie kommen dann zu einer ganz neuen Sichtweise, die Ihnen wahrscheinlich sehr fremd sein muss. Jedenfalls sind auch Ihre Ausführungen hier wieder mal sehr befremdlich, fast schon verletzend und unangemessen. - Wohlverstanden meine Meinung. (smile)
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  • Kommentar von Ruedi Hammer (Ruedi Hammer)
    Die gute Nachricht - auch an Frau Dr. Engler: es wird bald keine bezahlten Pensionierungen überhaupt mehr geben. Weder vor noch nach 65.
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  • Kommentar von Nicolas Dudle (Nicolas Dudle)
    Auch hier gilt für mich, dass ein Kompromiss gefunden werden muss. Beispiel: Eine Firma wandelt für die eigenen 55plus-Arbeitnehmer vermehrt Vollzeit- in mehrere Teilzeitstellen um und ermöglicht die Teilnahme am Arbeitsprozess bis Alter 67/68. Das reduziert die Sozialabgaben eines Betriebs (tiefere PK-Beiträge) und schafft Luft für eine Neuregelung des AHV-Bezugs, die die Rentenhöhe vom Beschäftigungsgrad abhängig macht. Initiative und Bereitschaft müssen aber von Arbeitgeberseite herkommen.
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