Italien rutscht in eine Rezession

Die Wirtschaftszahlen Italiens zeigen abwärts und fallen schlechter aus als prognostiziert. Damit steht das Land erheblich schlechter da als Spanien. Der Euro geriet wegen den schlechten Zahlen unter Druck und fiel auf ein Neun-Monats-Tief.

Italien ist wieder in der Rezession

1:43 min, aus Heute um Vier vom 06.08.2014

Trotz der Reformbemühungen von Regierungschef Matteo Renzi ist Italien in eine Rezession gerutscht. Die Wirtschaftsleistung lag im zweiten Quartal 0,2 Prozent tiefer als im ersten Vierteljahr. Das teilte das staatliche italienisches Statistikamt Istat mit. Der Rückgang folgt auf ein Minus von 0,1 Prozent im ersten Quartal 2014.

Eine Rezession liegt vor, wenn zwei aufeinander folgende Quartale negative Wachstumsraten (sinkendes Bruttoinlandprodukt) verzeichnen. Erst Ende 2013 war die Wirtschaft Italiens nach einer langen Durststrecke wieder leicht gewachsen.

An den Finanzmärkten kamen die Zahlen nicht gut an. Italien ist immerhin hinter Deutschland und Frankreich die drittgrösste Volkswirtschaft der Eurozone, leidet aber seit vielen Jahren unter extrem hohen Staatsschulden.

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Bildlegende: Nach den Rezessions-Daten für Italien verlor auch der Euro an Wert. swissquote

Der Euro geriet dadurch weiter unter Druck und fiel auf ein Neun-Monats-Tief. Italienische Staatsanleihen, aber auch Schuldtitel Spaniens und Portugals mussten Verluste hinnehmen.

Schwächer als Prognose der EU-Kommission

«Leider zeigen die heutigen Daten, dass sich die wirtschaftliche Erholung in Italien weiter verzögert», kommentierte der Sprecher des EU-Währungskommissars Jyrki Katainen die Zahlen in Brüssel. Die Werte seien erheblich schwächer als von der EU-Kommission für das Frühjahr prognostiziert.

Detaildaten veröffentlichte Istat nicht, so dass die konkreten Gründe für den erneuten Wachstumseinbruch nicht klar sind. Zwar habe sich die Industrieproduktion im letzten Monat etwas belebt. Dies aber nur dank der italienischen Unternehmen, die sich im Export behaupten konnten, sagt SRF-Italien-Korrespondent Rolf Pellegrini. «Es sind vor allem Unternehmen im Norden und im Zentrum des Landes. Aber der Schuldenberg wächst weiter und Arbeitsplätze verschwinden zu Hunderttausenden.»

Italien in schlechterer Verfassung als Spanien

Dramatisch sei die Lage im ganzen Lande, verheerend in Süditalien, sagt Pellegrini weiter. Der Think Tank SVIMEZ spreche gar von einer «Verwüstung der Industrielandschaft im Mezzogiorno», im Süden. «Die Arbeitslosigkeit liegt nur knapp über dem griechischen Niveau. Die Besten suchen den Ausweg in der Emigration.»

Damit sieht das Bild in Italien erheblich schlechter aus als in Spanien, der viertgrössten Volkswirtschaft der Eurozone. Nach Zahlen von Ende Juli stemmt sich Spanien nämlich mit wachsendem Tempo aus der Rezession heraus – dies nach einer mehr als zweijährigen Talfahrt.

Italien könne das Konjunkturtal wieder verlassen, wenn es seinen Weg der Reformen weitergehe, sagte Wirtschaftsminister Pier Carlo Padoan dem TV-Sender RAI. Er bekräftigte, dass Italien die europäischen Vorgaben für den Staatshaushalt einhalten werde. Die Regierungsprognose für das Wirtschaftswachstum 2014 liegt bei 0,8 Prozent. Die Notenbank des Landes hatte aber jüngst ihre Schätzung kräftig auf 0,2 Prozent gesenkt.