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Kampf gegen die Klimaerwärmung «Elektrofahrzeuge benötigen weniger Arbeitskraft»

Legende: Audio Stefan Bratzel: «Das wird die ganze Industrie verändern» abspielen. Laufzeit 05:07 Minuten.
05:07 min, aus SRF 4 News aktuell vom 18.12.2018.

Bis ins Jahr 2030 will die EU den CO2-Ausstoss von Autos um knapp 40 Prozent senken. Wie schwierig ist das für die Automobilindustrie? Der Experte Stefan Bratzel gibt Auskunft.

Stefan Bratzel

Stefan Bratzel

Direktor des Center of Automotive Management in Bergisch Gladbach (D)

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Das Center of Automotive Management (CAM) ist ein unabhängiges, wissenschaftliches Institut für empirische Automobil- und Mobilitätsforschung sowie für strategische Beratung an der Fachhochschule für Wirtschaft in Bergisch Gladbach.

SRF News: Ist eine Reduktion um 37,5 Prozent für die Autoindustrie viel?

Stefan Bratzel: Ja, das ist für die Autoindustrie sehr viel. Wir dürfen nicht vergessen, wir liegen im Moment bei einem Durchschnitt von 118 Gramm CO2 pro Kilometer. Das entspricht einem Durchschnittsverbrauch von rund 5,1 Liter Benzin. Eine Reduktion auf 95 Gramm – das ist ja gesetzliche Vorgabe von 2021 – wird schon eine Herkulesaufgabe werden. Aber eine weitere Reduzierung um 37 Prozent, das ist aus heutiger Sicht wirklich am Rande des Machbaren. Das wird grosse Verwerfungen in der Industrie zur Folge haben.

Ein solch niedriger CO2-Flottendurchschnitt lässt sich mit Verbrennungsmotoren nicht erreichen.

Was meinen Sie mit Verwerfungen?

Der Punkt ist, dass sich ein solch niedriger CO2-Flottendurchschnitt mit Verbrennungsmotoren nicht mehr erreichen lässt. Das bedeutet, dass ein grosser Anteil der Neuzulassungen Elektrofahrzeuge sein muss. Die gehen mit null Emissionen in die Rechnung mit ein. Wir rechnen damit, dass wir bei einer solchen Reduktion zwischen 40 und 50 Prozent der Fahrzeuge mit Elektromotoren haben müssen.

Das ist natürlich eine Herausforderung für die nächsten zehn Jahre. Man darf nicht vergessen, dass dies Beschäftigungsumbrüche bewirken wird. Wenn ein grosser Anteil an Verbrennungsmotoren wegfällt, heisst es, dass viel weniger Arbeit anfällt, weil Elektrofahrzeuge weniger komplex sind als Verbrennungsmotoren. Sie verbrauchen entsprechend weniger Arbeitskraft.

Warum ist es so schwierig, auf Elektroautos umzustellen?

Die Automobilindustrie kann das alleine nicht leisten. Man ist abhängig von infrastrukturellen Voraussetzungen. Wenn keine entsprechende Stromlade-Infrastruktur im öffentlichen Strassenraum vorhanden ist, dann können die Käufer, auch wenn sie wollen, keine Elektrofahrzeuge kaufen. Das ist das eine. Das andere ist, dass es industriell einen Gezeitenwechsel braucht. Der Verbrennungsmotor wird dann nur noch eine kleine Rolle spielen. Das industriepolitisch hinzubekommen, wird nicht ganz einfach sein.

Über alle Industriebranchen hinweg muss gesamthaft so und so viel CO2 reduziert werden. Man sollte nicht bei einzelne Branchen anfangen.

Ist es nicht denkbar, dass man Menschen, die an Verbrennungsmotoren arbeiten, auf eine neue Technik umschult?

Natürlich können die Leute, die vorher Verbrennungsmotoren zusammengebaut haben, auch Elektromotoren bauen. Nur braucht man dafür 10 bis 20 Prozent weniger Menschen, weil ein Elektromotor nur etwa einen Fünftel der Teile eines Verbrennungsmotors hat. Elektromotoren sind viel weniger komplex und deswegen brauchen sie für die Herstellung viel weniger Arbeit.

Wie soll es weitergehen, wie bringt man das alles zusammen?

Wir müssen eine Diskussion darüber führen, wie man gesamthaft die CO2-Bilanz reduziert. In Europa muss der Verkehr seinen Beitrag leisten, aber in der Realität und nicht auf dem Papier. Eine CO2-basierte Besteuerung könnte hier helfen. Über alle Industriebranchen hinweg muss gesamthaft so und so viel CO2 reduziert werden. Man sollte nicht bei einzelne Branchen anfangen. Das hilft dem Klima aus meiner Sicht nicht.

Das Gespräch führte Isabelle Maissen.

Autos
Legende:
Neuzulassungen von Personenwagen mit Alternativantrieben Vereinigung Schweizer Automobil-Importeure (Auto-Schweiz)

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31 Kommentare

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  • Kommentar von René Balli (René Balli)
    Die Autobranche ist immer am jammern und tut so, als ob sie eine kleine graue Maus wäre, welche dauernd benachteiligt wird. In der kleinen Schweiz hat es aber Millionen von Motorfahrzeuge und Tausende Kilometer von Strassen und Quadratkilometern von Parkplätzen! Das nenne ich eine ausgewachsene Wahrnehmungsstörung.
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  • Kommentar von Daniel Schmidlin (Queren life)
    Die Arbeitsplätze werden nur verlagert in verschiedenste Richtungen. Das Ziel der 15% Elektro für 2022 ist reiner Selbstbetrug. Die Produktion und Installation von Solar verbraucht gigantische Mengen an Energie für die nächsten 15 Jahre. Kohle Gas Oel und Atom sind in diesen Jahren die entscheidenden Energielieferanten. China verlagert die Kohleenergie Produktion aufs Land um die Städte zu entlasten und baut die Kernenergie massiv aus.
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  • Kommentar von Richard Limahcer (Limi)
    Was haben die Menschen nur gemacht als es noch keine Autos gab? Man beginnt sich zu wundern, dass die Menschheit ohne Autos überhaupt überlebt hat. Sind Elektroautos wirklich die Alternative? Dabei hätten wir ohne Autos eine wesentlich höhere Lebensqualität. Keine Staus, weniger Lärm, keine Abgase, weniger Gestank, weniger Stress, weniger überbaute Flächen und mehr Zeit fürs Handy ;-) Es gibt ja doch einige die es während dem Fahren nicht die Finger davon lassen können.
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    1. Antwort von Beat Reuteler (br)
      Vom Träumen hat halt keiner was zu essen. Studieren Sie die Geschichte des Mittelalters und wie die Städte da funktioniert haben. Man kann wirklich sehr leicht erkennen wieso niemand zurück will.
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