«Keine Universität denkt unternehmerischer als die ETH»

Chris Anderson ist CEO der Firma 3D Robotics. Der Autor mehrerer Bücher über den technologischen Wandel gilt als einer der US-Vordenker in diesen Fragen. Er zählt die ETH zu den besten Universitäten in der Robotertechnik.

Chris Anderson währesn eines Vortrages Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Seine Sporen hat Chris Anderson im Journalismus abverdient. Er war auch Chefredaktor des Tech-Magazins «Wired». © Barak Shrama

SRF News: Wie weit fortgeschritten ist die ETH in der Forschung und Entwicklung in der Robotik verglichen mit dem Silicon Valley?

Zusatzinhalt überspringen

Gefragte Drohnenspezialisten

Gefragte Drohnenspezialisten

Die ETH Zürich tourt durchs Silicon Valley. Dabei zeigt sich: Das Interesse geht nicht nur in eine Richtung. US-Unternehmen bekunden reges Interesse an Entwicklungen und Talenten aus der Schweiz, etwa im Bereich Robotik. Lesen Sie dazu mehr hier.

Chris Anderson: Die ETH ist eine der besten zwei bis drei Universitäten der Welt in der Robotik. Aber das ist nicht das Wichtigste. Es ist nötig, eine gute Universität zu haben, aber zwei weitere Dinge machen den Unterschied aus: Die Fähigkeit, Forschungsergebnisse auf charismatische Art darzustellen. Es sind die Videos, die TED-Talks, das Theater um die Technologie, die Kommunikation. Die ETH kann das besonders gut.

Und der zweite Grund?

Das ist die Kommerzialisierung. Es liegt etwas in der Luft in der Schweiz, eine Erkenntnis, dass Unternehmertum etwas Gutes ist, es ist Teil der akademischen Mission. Die Teams an der ETH schaffen Jungfirmen, wie Stanford es macht. Stanford hat aber den Vorteil, mitten im Silicon Valley zu sein, und alle hier wollen Unternehmer werden. Aber in Europa ist das recht selten. Die Fähigkeit bei der ETH, unternehmerisch zu denken, Partnerschaften einzugehen, Geschäftsmodelle zu kennen, ist einzigartig. Ich kenne keine Universität, die das besser macht.

Wie sind Sie darauf aufmerksam geworden?

Es war Zufall. Ich habe mich hobbymässig für Drohnen zu interessieren begonnen und im Internet nach Informationen gesucht. Und die ETH war einfach wahnsinnig gut darin, ihre Forschung zu dokumentieren auf eine Art, dass ein Laie sie verstehen kann. Sie haben Gemeinschaften gebildet rund um ihre Forschung. Das ist wichtig und selten an Universitäten. Lorenz Meier und sein Team hatten etwas geschaffen, das Personen, die nicht in der akademischen Welt sind, anwenden können. Das hat mich hineingezogen.

In der Schweiz wird oft beklagt, dass keine Unternehmerkultur herrscht, dass es kein Risikokapital gibt und weniger Technologietransfer als hier in den USA. Sehen Sie das anders?

Das erstaunliche an der ETH ist, dass es ihr gelungen ist, Entwicklungen zu kommerzialisieren, obwohl dieses Umfeld nicht existiert: Es gibt nicht gleich viel Risikokapital. Wo ist der Marc Zuckerberg der Schweiz? Es gibt keinen. Und noch wichtiger: Es gibt keinen grossen inländischen Markt. Das ist ein grundsätzliches Problem in Europa. Aber trotz all dieser Nachteile ist die ETH vorne mit dabei.

Sehen Sie eine Art Hub entstehen?

Ich sehe es nicht als Hub, denn wir gehen nicht in die Schweiz, um Drohnen herzustellen, sondern sie kommen hierher. Also kein Hub, eher eine Startrampe.

Das Interview führte Priscilla Imboden.