Zum Inhalt springen
Inhalt

Umfrage unter SMI-Unternehmen Konzerne bauen Jobs ab und stellen mehr Ausländer ein

Die grössten Schweizer börsenkotierten Konzerne haben 2016 ihre Belegschaft hierzulande reduziert. Auffallend: Die Firmen haben überdurchschnittlich oft Schweizer Angestellte abgebaut und gleichzeitig mehr Ausländer angestellt. Das zeigt eine Umfrage der SRF-Wirtschaftsredaktion.

Legende: Video Ausländervorrang bei Schweizer Firmen abspielen. Laufzeit 02:35 Minuten.
Aus Tagesschau vom 20.04.2017.

Eine verkehrte Welt: Seit der Annahme der Masseneinwanderungsinitiative spricht alles vom Inländervorrang. Bei den grössten Schweizer Konzernen ist das aber scheinbar kein Thema.

Denn eine Auswertung der Angaben von 15 SMI-Firmen, die in der Schweiz 102'000 Personen beschäftigen, zeigt ein überraschendes Bild. Diese haben im letzten Jahr hierzulande zusammen netto 910 Stellen abgebaut, etwa durch Stellenstreichungen, Verkäufe an andere Firmen oder Verlagerungen ins Ausland.

Ausländeranteil auf 41 Prozent gestiegen

Getroffen hat das vor allem Schweizerinnen und Schweizer: 2690 weniger von ihnen beschäftigten die Konzerne im Vergleich zum Vorjahr. Gleichzeitig erhöhten die Konzerne die Zahl ihrer ausländischen Angestellen in der Schweiz um 1780 Personen. Der Ausländer-Anteil in der Belegschaft hat sich damit von 39 auf 41 Prozent erhöht.

Der Nahrungsmittelkonzern Nestlé beispielsweise erhöhte den Ausländeranteil von rund 50 auf rund 60 Prozent. Der Telekomriese Swisscom beschäftigte Ende 2016 in der Schweiz 400 Schweizer weniger als im Vorjahr, gleichzeitig aber 210 mehr Ausländer. Und bei Roche und Novartis sind es ebenfalls mehrere Hundert weniger Schweizer bei gleichzeitig mehreren Hundert zusätzlichen Ausländern. Bei den Basler Pharma-Multis sind denn auch die Ausländer-Anteile sehr hoch: Über 60 Prozent der rund 14'000 Roche-Mitarbeitenden in der Schweiz besitzen ausschliesslich einen ausländischen Pass, bei Novartis sind es gar rund 70 Prozent.

Firmen seien auf Ausländer angewiesen

Novartis versuche, «wo immer möglich und sinnvoll» ihre Stellen in der Schweiz über den inländischen Arbeitsmarkt zu besetzen, schreibt der Konzern auf Anfrage. Und: «Die mangelnde Verfügbarkeit gewisser Qualifikationen im Inland – kombiniert mit unserem Anspruch, am Hauptsitz in Basel auch in kultureller Hinsicht einen unserer internationalen Tätigkeit angemessenen Mix zu pflegen – führt zusammen mit der grenznahen Produktion dazu, dass wir in der Schweiz traditionell einen vergleichsweise hohen Ausländeranteil aufweisen.» Novartis sei dem Standort Schweiz verpflichtet, «auch wenn die Anstellung dringend benötigter ausländischer Fachkräfte hierzulande teuer und durch die politische Entwicklung der letzten Jahre nicht unbedingt einfacher geworden ist.»

Ähnlich äussert sich Roche: «Um auch in Zukunft innovative Medikamente und Diagnostika entwickeln zu können, sind wir darauf angewiesen, die talentiertesten Mitarbeitenden zu gewinnen.» Roche rekrutiere das Personal aufgrund ihres Leistungspotenzials und ihrer Eignung für die zu besetzende Position. Sei die benötigte Qualifizierung gegeben, würden vorrangig Mitarbeitende aus der Region eingestellt. «Sollte dies nicht der Fall sein, weiten wir die Suche nach qualifizierten Arbeitskräften auf den nahen ausländischen, und, falls nötig, auf den weltweiten Arbeitsmarkt aus.»

Swisscom betont, dass die Zunahme an Ausländern in erster Linie auf die Integration der Firma Veltigroup zurückzuführen sei, welche Standorte in Genf und Lausanne habe und darum viele Grenzgänger beschäftige.

Es geht auch anders

Es gibt aber auch Firmen, die den Anteil der Schweizer in ihrer Belegschaft erhöht haben, etwa Geberit. Der Sanitärtechnik-Konzern hat im letzten Jahr 29 Ausländer abgebaut und 32 Schweizer angestellt bei insgesamt 1336 Angestellten in der Schweiz. Er hat damit den Ausländeranteil von 27 auf 25 Prozent gesenkt.

Stellen SMI-Unternehmen in der Schweiz


Total Stellen in der Schweiz
Veränderung Stellen von Schweizern*
Veränderung Stellen von Ausländern*
ABB6000
-175
-175

ACTELION

1089

+4

+12

ADECCO

516

-2

-5

GEBERIT

1336

+32

-29

LAFARGEHOLCIM

2042

+93

-83
JULIUS
BAER

3237

+117

+56

NESTLE

10046

-1144**

+1005**

NOVARTIS

13000

-520

+520

ROCHE

14100

-244

+444

SGS

393

-57

+42

SWISS LIFE

2861

+128

-3

SWISS
RE

3393

+46

+21

SWISSCOM

18372

-400

+210

UBS

20581

-506

-151

ZURICH

5000

-59

-88
Total
101967-2686
+1775

* eigene Berechnung aufgrund des Ausländeranteils in Prozent in den Jahren 2015 und 2016 gemäss Firmenangabe

** eigene Berechnung unter Einbezug des Wegfalls von rund 700 Personen, die zum Joint-Venture Froneri gewechselt haben.

SMI-Umfrage

Zum dritten Mal hat die SRF-Wirtschaftsredaktion eine Umfrage unter den SMI-Konzernen durchgeführt. Die 20 Konzerne, die im Swiss Market Index SMI enthalten sind, gelten als die grössten börsenkotierten Unternehmen der Schweiz. Davon haben 15 Unternehmen Angaben zu ihrem Ausländeranteil geliefert.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

94 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Harald Buchmann (Harald_Buchmann)
    Schön. Genau jene rechten Frauenfeinde, die stets betonen, Firmen müssten die Besten anstellen können, wollen beim Rassismus eine Ausnahme machen. Novartis und Nestle müssen globale Märkte verstehen, dazu brauchen sie Mitarbeiter aus allen Märkten. Die Schweiz ist zu klein für “rassenreine“ Firmen. Allein die Fragestellung in der Statistik ist schon rassistisch.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Zsolt Gottwald (Der Denker)
    Willkommen in der neoliberalen Welt. Die "Rechtspopulisten" warnen schon seit Jahren vor den brutalen Folgen der Neoliberalismus.Die Menschen scheinen in West-Europa immer mehr Hirngewaschen zu sein. Nichts für Ungut, aber Tausende gehen für "Zivildemos" (getarnte Demos gegen Rechtspopulismus) auf die Strasse. Aber: CS verteilt Milliarden Bonis trotz riesen Verluste! "Sauberer" Strom wird aus Braunkohle produziert! Konzerne holen qualifizierte Leute aus Niedriglohnländern. Alles kein Problem?!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Thomas Mann (Freidenkerin)
    Hallo SRF: Diesmal geht's nicht um einige Rechtschreibefehler, sondern um Zahlenmanipulation. Fake numbers, sozusagen, was ich schon sehr bedenklich finde (auch dass keineR der KommentarschreiberInnen sowas bemerkt). Die Summe aller in der Schweiz Angestellten ist nur um 1 zu hoch, Flüchtigkeitsfehler. Aber -2686 statt -2267 bei den CH-Angestellten und +1775 statt korrekten +1356 bei den AusländerInnen anzugeben, dass ist unverzeihbar. Sowas DARF nicht geschehen, Frau Thoma und Herr Bossard.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von
      Hallo. Bei den Firmen-Zahlen haben wir bei Nestlé ohne das Joint-Venture Froneri gerechnet, in welches Nestlé im letzten Jahr rund 700 Angestellte eingebracht hat. Dies haben wir nun angepasst, so dass die Saldo-Angaben stimmen. Viele Grüsse. Ihre SRF-News-Redakion
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Thomas Mann (Freidenkerin)
      Dann hätten Sie aber die Totalangestellten auch noch auf korrekte 101966 korrigieren können.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen