Leclanché rennt dem Erfolg hinterher

Seit über hundert Jahren produziert die Firma Leclanché Batterien. Seit zwanzig Jahren laufen die Geschäfte allerdings nicht mehr rund. Projekte im Bereich der erneuerbaren Energien und dem elektrischen öffentlichen Verkehr sollen nun die Wende bringen.

Grossbatteriesystem der Firma Leclanché. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Heute produziert Leclanché vor allem solche Grossbatteriesysteme, etwa für elektrisch angetriebene Fähren und Busse. Keystone

Mit Batterien können Milliarden verdient werden – davon sind Unternehmen wie der amerikanische Elektroauto-Bauer Tesla überzeugt. Auch Schweizer Firmen glauben an dieses Potenzial. So rief Nicolas Hayek, Gründer des Schweizer Uhrenkonzerns Swatch, bereits im Jahr 2008 die Firma Belenos ins Leben. Diese hat in der Zwischenzeit eine neue Batterie-Technologie entwickelt und gehört heute zur Swatch Group.

In der Schweiz wurden Batterien allerdings schon produziert, bevor es Swatch und Belenos überhaupt gab – von der Firma Leclanché aus Yverdon-les Bains. Die über hundertjährige Geschichte des Traditionsunternehmens zeigt, dass das Geschäft mit den Batterien kein Erfolgsgarant sein muss.

Von der herkömmlichen Batterie zur Lithium-Ionen-Technologie

Bereits im Jahr 1906 startet Leclanché mit der Produktion von verschiedenen Arten von Batterien. Dabei kann das Unternehmen während Jahrzehnten auf einen wichtigen Grosskunden zählen: die Schweizer Armee. Für sie fertigt Leclanché Batterien für Taschenlampen, Funkgeräte und Militärfahrzeuge.

Gebäude von Leclanché Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Produktionsgebäude von Leclanché in den frühen achtziger Jahren. SRF

Die Geschäfte laufen lange gut: In den siebziger Jahren beschäftigt der damals grösste Arbeitgeber der Region über 800 Mitarbeiter.

Doch das Blatt wendet sich in den neunziger Jahren. Leclanché bekundet zunehmend Mühe, Abnehmer für seine Batterien zu finden. Es folgen magere Jahre, in denen die Verkäufe der Firma stetig schrumpfen.

Leclanché zieht nun die Konsequenzen und baut über die Jahre das Geschäft mit herkömmlichen Batterien ab. Im Jahr 2006 satteln die Westschweizer auf die Produktion von Lithium-Ionen-Batterien um. Mit ihnen will Leclanché den Markt für Heimspeicher für Solarenergie erobern.

Erneuerbare Energien sollen die Wende bringen

Doch dieser Markt erweist sich als klein, das Geschäft kommt nicht richtig ins Rollen. Die Folge: Seit 2009 steht die Firma mehrmals kurz vor dem Untergang und überlebt nur dank diverser Finanzspritzen von verschiedenen Investoren.

Um endlich wieder zum Erfolg zurückzufinden, ernennen die Westschweizer 2014 Anil Srivastava zum neuen CEO. Zuvor war Srivastava in leitenden Funktionen bei mehreren Energiekonzernen tätig. Sein Kerngebiet: die Speicherung von erneuerbaren Energien.

Modell einer Fähre Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Ab 2017 wird diese dänische Fähre von einem Leclanché-Speichersystem mit 4,2 Megawatt angetrieben. SRF

In diese Richtung soll es nun auch mit Leclanché gehen. Über den Zukauf neuer Technologien positioniert Srivastava die Firma vor allem als Produzent von industriellen Grossbatteriesystemen. Mit solchen Systemen möchte Srivastava im öffentlichen Transportwesen – also bei elektrisch angetriebene Fähren, Bussen und Zügen – sowie im Strommarkt für erneuerbare Energien Fuss fassen.

Seit 2015 zeigt diese Strategie erste Erfolge. Neben einem Speichersystem für erneuerbare Energien auf der Azoren-Insel Graciosa baut Leclanché einen Energiespeicher für die weltweit grösste elektrisch angetriebene Fähre in Dänemark. Ein kanadischer Stromversorger gab Leclanché zudem vor kurzem den Zuschlag für ein Grossspeichersystem mit einer Kapazität von 53 Megawatt.

«Massenproduktion ist zwingend»

Swatch mit neuen Plänen

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Es sind solche Projekte die Anil Srivastava derzeit zuversichtlich stimmen: «Im Jahr 2016 werden wir unseren Umsatz verdoppeln und unsere Verluste halbieren. Die harten Zeiten sind vorbei».

Etwas kritischer sieht dies Dominik Müller, Analyst bei der Privatbank Rahn & Bodmer: «Noch verbrennt das Unternehmen Cash. Für eine schwarze Null muss Leclanché seinen Umsatz weiter steigern – auf etwa 30 Millionen Franken» So weit sei man heute noch nicht, sagt Müller.

Entscheidend für Leclanché wird künftig auch sein, zu welchem Preis die Firma ihre Produkte anbieten kann. Das Beispiel der Photovoltaik hat gezeigt, dass nur die effiziente Massenproduktion die Preise runterbringt– ein Watt Solarstrom kostet heute nur noch ein Zehntel so viel, wie vor 25 Jahren.

Batterieproduktion am Leclanché-Standort Willstätt

0:32 min, vom 10.3.2016

Genau das müsse auch bei den Batterien geschehen, sagt Franz Baumgartner, Professor für erneuerbare Energien an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW): «Die Massenproduktion ist zwingend, hier müssen Milliarden investiert werden». Gelder, die kleine Firmen wie Leclanché kaum aufbringen können.

Sorgen macht sich Anil Srivastara dennoch keine. Denn die Massenproduktion sei vor allem für Firmen entscheidend, die Elektroauto-Batterien produzieren – etwa der Elektroauto-Bauer Tesla. Solche kleinere und günstigere Batterien fertigt Leclanché derzeit nicht. In der Speicherindustrie brächten vor allem Innovationen die Kosten runter, erklärt Srivastara. «Wir sind daran, mit Innovationen die Energiekapazität unserer Batterizellen um 20 bis Prozent zu steigern. Dies wird die Kosten um 20 bis 30 Prozent senken».

10vor10, 21:50 Uhr