Gesättigter Telekommarkt Nischenanbieter sitzen der Swisscom im Nacken

Video «Swisscom: Gewinn trotz hart umkämpftem Markt» abspielen

Swisscom: Gewinn trotz hart umkämpftem Markt

1:22 min, aus Tagesschau am Mittag vom 8.2.2017
  • Die Swisscom kann ihre Marktanteile verteidigen, spürt aber den Druck der Konkurrenz.
  • Vor allem Sunrise versucht, mittels qualitativ hochstehenden Bündellösungen Kunden zu gewinnen.
  • Eher enttäuscht zeigen sich die Marktbeobachter von Salt, während UPC versucht, sich mit dem Sport-Angebot zu profilieren.

Sunrise, UPC, Salt, Quickline und über ein Dutzend, kaum über die jeweilige Region hinaus bekannte Internetanbieter: Auf dem Schweizer Telekommarkt wird es eng.

Die Swisscom beherrsche zwar rund 75 Prozent davon, doch die kleineren Konkurrenten sässen ihr immer stärker im Nacken, sagt Andreas Müller, Telekomanalyst bei der Zürcher Kantonalbank.

Sunrise behauptet sich als Nummer zwei

Die kleinen Telekomunternehmen strengten sich an. «Man kämpft nicht nur mit dem Preis um Kunden, sondern auch mit Service und zum Beispiel einem gutem Empfang.» So habe gerade Sunrise stark in die Qualität ihrer Mobilfunknetze investiert.

Sunrise sei die grösste Konkurrentin der Swisscom und präsentiere sich mit Bündellösungen, die Mobilfunk, Festnetz, Internet und digitales Fernsehen enthalten, als valable Alternative zur Marktführerin, sagt der unabhängige Telekomberater Jörg Halter.

«  Man kämpft nicht nur mit dem Preis um Kunden, sondern auch mit Service und zum Beispiel einem gutem Empfang. »

Andreas Müller
Telekomanalyst bei der ZKB

Der Markt habe die Neupositionierung von Sunrise allerdings noch nicht wahrgenommen. «Es ist noch nicht durchgedrungen, dass Sunrise etwas aggressiver wird, und nicht nur noch auf die Preise schaut, sondern auch qualitativ besser dastehen will.»

Es gelinge ihr noch nicht, der Swisscom im grossen Stil Kunden abzujagen, aber sie könne sich als Nummer zwei gut halten.

Marktanteil Internetzugang 2014

Swisscom
53,4 %
UPC 21 %
Sunrise9,1 %
Quickline3,6 %
Quelle: BAKOM

UPC fängt sich nach Stolperer

Sorgen machen musste sich zuletzt die UPC. Die ehemalige Cablecom ist durch die Offensiven von Sunrise und Swisscom im digitalen Fernsehen ins Schwitzen gekommen. Den Serien von Sunrise und den Sportpaketen der Swisscom hatte sie erstmal wenig entgegenzusetzen.

Doch auch die UPC habe sich schliesslich gefangen, sagt Müller: «Mit den Eishockey-Rechten, die sie gekauft hat, ist Sport jetzt relativ wichtig. Zusätzlich hat die Muttergesellschaft noch die Formel-1-Rechte gekauft.»

Salt überraschend zurückhaltend

Eher enttäuscht sind die Experten von Salt. Nachdem der französische Telekomunternehmer Xavier Niel Orange übernahm, haben viele vor allem im Mobilfunk einen heftigen Angriff erwartet. «Doch es kam wenig bis keine Dynamik. Salt verharrt doch sehr in einer kleinen Nische, was mich eigentlich überrascht.»

«  Salt verharrt doch sehr in einer kleinen Nische, was mich eigentlich überrascht. »

Jörg Halter
Unabhängiger Telekomberater

Auf absehbare Zeit könne ohnehin keiner dieser Mitspieler die Swisscom bedrängen, sagen beide Experten.

Marktanteile Mobilfunknetz 2015

Swisscom
58,9 %
Sunrise18,8 %
Salt18,0 %
Quell: Provisorische Zahlen des BAKOM

Regionale Anbieter bringen Dynamik

Doch auch Nischenangebote, gerade jene der regionalen Anbieter, hielten den Markt in Bewegung, meint Halter. Es sei die Masse, die es ausmache. «Über die nächsten vier, fünf Jahre werden sie der Swisscom weitere Teile und vielleicht auch etwas von UPC wegnehmen.»

«  Über die nächsten vier, fünf Jahre werden regionale Anbieter der Swisscom weitere Teile wegnehmen. »

Jörg Halter

Dass ein grosser internationaler Konzern in den nächsten Jahren in den Schweizer Markt eindringen und diesen aufmischen könnte, halten die Experten für unwahrscheinlich. An der eigentlichen Marktaufteilung mit der Swisscom als Platzhirsch werde sich vorläufig nichts ändern.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel