OECD: Frauen-Potenzial nicht ausgeschöpft

Obwohl die Schweizer Wirtschaft gut in Schuss ist, sinkt die Produktivität. Um das zu ändern, müsse die Schweiz Frauen besser am Arbeitsleben beteiligen, rät die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung OECD.

In den vergangenen Jahren hat sich die Schweiz zu sehr auf hochqualifizierte ausländische Arbeitskräfte verlassen, um das Wachstum zu stützen. Dies stellt die OECD in ihrem neusten Länderbericht fest. Dabei habe sie zu wenig auf den heimischen Arbeitskräfte-Pool gesetzt. Vor allem Frauen seien zu wenig eingebunden.

Die Folgen seien schon jetzt deutlich sichtbar, so die OECD: Seit einigen Jahren gehe die Produktivität stetig zurück, mittlerweile liege sie deutlich tiefer als in den besten OECD-Ländern.

Ohne arbeitende Frauen sinkt der Wohlstand

Peter Jarrett, Chef der OECD-Wirtschaftsabteilung, sieht für die Schweiz deshalb dringenden Handlungsbedarf: «Nur mit höherer Produktivität können die Schweizer ihr Wachstum – und damit ihren hohen Lebensstandard – auch in den kommenden Jahren beibehalten», sagt er.

Symbolbild: Im Vordergrund eine Laborantin in weissem Kittel an einem Apparat, im Hintergrund weitere Laborantinnen. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die Schweiz schöpft ihr Potenzial an weiblichen Arbeitskräften nicht aus. Keystone

Die OECD legt auch dar, wie sie sich das vorstellt: Frauen müssten stärker in den Arbeitsprozess eingebunden werden. Zwar sind 45 Prozent der Arbeitskräfte in der Schweiz Frauen. Das ist ein vergleichsweise hoher Anteil. Aber überdurchschnittlich viele von ihnen arbeiten nur Teilzeit.

Hohe Hürden für Frauen

Das liege daran, so die OECD, dass die Hürden für weibliche Erwerbsarbeit hierzulande viel zu hoch sind. Externe Kinderbetreuung sei viel zu teuer, das Angebot trotzdem zu klein. Und die Heiratsstrafe, also die steuerliche Benachteiligung für arbeitende Ehepartner, sei auch nicht eben ein Anreiz, mehr zu arbeiten. Hier müsse die Politik nachbessern. Erst dann hätten Frauen ein echtes Wahlrecht, sagt Peter Jarrett.

Problem erkannt – Schwarzer Peter weitergereicht

Das Staatssekretariat für Wirtschaft nimmt die Kritik gelassen. Sie sei ja nicht neu, sagt Eric Scheidegger, Leiter der Direktion Wirtschaftspolitik. Die Produktivitätsschwäche der gesamten Schweizer Wirtschaft sei erkannt, sagt er. Deshalb habe der Bundesrat 2003 eine systematische Wachstumspolitik lanciert.

In Sachen Frauenförderung sieht Scheidegger nicht den Bund in der primären Verantwortung – er schiebt den schwarzen Peter weiter: «Die Kantone und Gemeinden sind gefordert», sagt er. Diese hätten die Herausforderung erkannt. «Ich denke, es braucht in der Schweiz einfach etwas länger als in anderen Ländern, um hier auf ein gutes Niveau zu kommen», so Scheidegger. Der Bundesrat könne schliesslich nicht befehlen, dass man in den Kantonen schneller vorwärts mache.

Nur ein schwacher Trost ist dies für Frauen, die gerne mehr arbeiten würden, es aber nicht können.

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