Ölpreise stürzen erstmals seit zwölf Jahren unter 31 Dollar

Die Ölpreise sind historisch tief und setzen ihre Talfahrt fort. Warum? Die Gründe liegen bei den Saudis, den USA und China.

Eine Ölpumpe in Bahrain. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Goldman Sachs ist pessimistisch und prognostiziert gar einen WTI-Preis von 20 Dollar. Keystone

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Ein Fass (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Februar kostete am Morgen 30,66 US-Dollar, 89 Cent weniger als am Vortag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte WTI fiel um 78 Cent auf 30,63 Dollar – ebenfalls der niedrigste Stand seit 2004.

Hohe Steuern auf dem Benzinpreis

2:34 min, aus SRF 4 News aktuell vom 12.01.2016

Die Erholung am chinesischen Aktienmarkt konnte die Ölpreise nicht stützen. Die Anleger sind nach wie vor vorsichtig und investieren wenig.

So bleibt das Angebot an Rohöl weiterhin hoch und lastet auf den Preisen. Das zusätzliche Schieferöl aus Amerika trägt zum Überangebot bei.

Anders als in früheren Jahren reagieren die Opec-Staaten nicht mit Förderkürzungen, um den Preis zu stützen. Im Gegenteil: Sie pumpen ebenfalls mehr Öl, um ihre Marktanteile zu verteidigen. Der Streit zwischen den beiden Kartellmitgliedern Saudi-Arabien und Iran hatte zuletzt die Preise zusätzlich belastet. Iran und Saudi-Arabien greifen daher eher nicht gemeinsam ein.

Zudem produziert das grosse Förderland Saudi-Arabien derzeit so viel Öl, wie es kann. Das Land ist wegen seiner hohen Ausgaben abhängig von den Öl-Exporten.

Iran wird wieder mehr fördern

Auch dürften Erwartungen im Markt eine Rolle spielen: Der Iran wird künftig wahrscheinlich wieder mehr Rohöl exportieren, da die endgültige Aufhebung der Sanktionen offenbar näher rückt. Voraussetzung für die Aufhebung ist, dass der Iran alle Verpflichtungen aus dem Atomabkommen erfüllt.

Das Land muss jedoch zuerst viel Geld investieren, um die Produktion auf ein höheres Niveau zu bringen. Solche Investitionen brauchen Jahre.

Andere wichtige Förderländer wie Venezuela, Nigeria oder Russland leiden ebenfalls unter der Preisbaisse.

SRF-Wirtschaftsredaktorin Denise Schmutz zum Zusammenhang zwischen Ölpreis und Benzinpreis

Wieso sinkt der Benzinpreis nicht, wenn der Erdölpreis so tief ist?
Der Grund dafür sind die Steuern auf dem Benzin. Mittlerweile machen Mineralölsteuer und der Mineralölsteuerzuschlag rund 60 Prozent des Zapfsäulenpreises aus. Das hat zur Folge, dass der Benzinpreis eben nur einen Bruchteil zurückgeht im Vergleich zum Erdölpreis.
Haben wir beim
Heizöl denselben Effekt?

Beim Heizöl sind die Abgaben tiefer. die CO2-Abgabe beträgt dort rund 22 Rappen pro Liter Heizöl oder rund 15 bis 20 Prozent des Gesamtpreises. Die Konsumenten profitieren hier im Vergleich zum Benzin deshalb stärker vom derzeit tiefen Ölpreis.
Wird vom tiefen
Ölpreis genug an die Konsumenten weitergegeben, oder profitiereen vor allem die grossen Erdölfirmen?

Die Konsumentenschützer monieren, dass sich der sinkende Erdölpreis zu wenig auswirke, wenn der Erdölpreis zurückgeht, sei es beim Heizöl oder beim Benzin. Es gebe zu viele mächtige internationale Player und die hätten kein Interesse daran, dass die Preise sinken, sagen sie. Die Erdölvereinigung sagt dazu, das stimme nicht, der Markt spiele gut. Einzelne Unternehmen könnten die Preise nicht künstlich hochhalten.

Was bedeutet der tiefe Preis für die erneuerbaren Energien?

Es wird sicher nicht einfacher für die erneuerbaren Energien, wettbewerbsfähig im Markt zu sein. Experten gehen davon aus, dass der Ölpreis noch länger tief bleiben wird. Das heisst, der Anreiz, eine Solaranlage auf dem Dach zu installieren, ist kleiner, als wenn der Ölpreis hoch wäre.