Palästinenser baut erste Coca-Cola-Fabrik in Gaza

Coca-Cola expandiert in den Gazastreifen. Die erste Fabrik soll bereits 2015 eröffnet werden und rund 3000 Arbeitsplätze bieten. Hinter dem Vorhaben steckt ein palästinensischer Unternehmer. Er will damit ein Signal setzen – auch für andere Investoren.

Ein kleiner Junge trinkt aus einer Cola-Flasche, hinter ihm liegen Trümmer zerstörter Häuser. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Heute trinken die Menschen im Gazastreifen aus dem Westjordanland importiertes Coca-Cola. Reuters/Archiv

Es handelt sich um einen ambitionierten Plan: In einem Jahr soll die Coca-Cola-Fabrik im Gazastreifen in Betrieb gehen. Gisela Dachs ist Journalistin in Tel Aviv. Sie glaubt, dass der palästinensische Unternehmer, der das Projekt vorantreibt, gute Chancen hat, diesen Zeitplan einzuhalten – auch wenn alle Transporte von Baumaterialien an der Grenze zu Israel stets streng kontrolliert werden.

«Der Mann, Zahi Khouri, hat sich im Vorfeld die Genehmigung sowohl der Palästinenserbehörde sowie auch des israelischen Sicherheits-Establishments geholt», erklärt Dachs. Das heisst, er darf das nötige Material in die Industriezone im israelisch-palästinensischen Grenzgebiet bringen, um die Fabrik zu bauen.

Furcht vor Zweckentfremdung

Kritiker wollen vermeiden, dass Beton, Zement und ähnliche Stoffe in die Hände der radikal-islamischen Hamas geraten. Sie monieren, dass die Fabrik in Gaza dem Schmuggel von Waffen und dem Bau von Tunnel dienen könnte. Die Journalistin sieht das anders: «Khouri hat ein Interesse daran, dass das Baumaterial für seine Fabrik nicht in die falschen Hände gerät. Sie wäre dadurch langfristig stark bedroht.»

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Kritik an Sodastream

Nach Boykottaufrufen von palästinensischen Aktivisten hat die israelische Firma Sodastream vor zwei Wochen angekündigt, eine umstrittene Fabrik in einer jüdischen Siedlung im Westjordanland per Ende 2015 zu schliessen. 1300 Palästinenser, arabische und jüdische Israelis stellen dort Geräte her, mit denen Wasser mit Kohlensäure versetzt werden kann.

Khouri besitzt bereits mehrere Fabriken im Westjordanland; in Ramallah, Jericho and Tulkarm. Nun setzt er auf den Gazastreifen – in vollem Wissen um die Gefahren. «Er weiss, dass es riskant ist, dort zu investieren. Er probiert es einfach aus», sagt Dachs. «Er sieht es aber auch als Zeichen an die Extremisten.»

Hoffen auf nachfolgende Firmen

Der einzige Feind des Extremismus sind letztendlich gute Arbeitsplätze, habe Khouri zur «Jerusalem Post» gesagt. «Das ist seine persönliche Ambition.» Und: Es sei billiger, Coca-Cola vor Ort zu produzieren, als die Flaschen zu importieren. Für den Unternehmer könnte sich das Unterfangen also durchaus lohnen, meint Dachs.

Er hofft, dass seine Fabrik auch ein Signal an andere Investoren ist, sich in jener Industriezone anzusiedeln. «Im Augenblick liegt diese mehrheitlich brach», weiss die Journalistin. Bisher würden Hilfsorganisationen die Lagerhallen benutzen. Und palästinensische Exporteure, die mit ihrer Ware an den Grenzübergängen warten müssen, belegen die Kühlräume. «Aber vielleicht ziehen andere Firmen nach?»