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Wirtschaft Prämien-Streit: Sparsame Kantone werden bestraft

In den Kantonen Neuenburg, Waadt und Tessin haben die Versicherten zu hohe Krankenversicherungs-Prämien bezahlt. In Bern, Luzern und Graubünden zu tiefe. «ECO» zeigt erstmals: Ausgerechnet dort steigen die Gesundheitskosten am stärksten.

Legende: Video Neuer Zündstoff im Prämienstreit abspielen. Laufzeit 01:28 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 18.02.2013.

Im Kanton Waadt ist der Ärger gross: Die Versicherten haben seit Einführung der obligatorischen Krankenversicherung 1996 602 Millionen Franken zu viel an Prämien bezahlt. Das Brisante: Die Gesundheitskosten pro Versichertem wuchsen in der Waadt in diesem Zeitraum mit 60 Prozent deutlich unter dem Schweizer Durchschnitt von 84 Prozent.

Ganz anders der Kanton Bern: Dort zahlten die Versicherten 832 Millionen Franken Krankenversicherungsprämien zu wenig – ein Rekordwert. Gleichzeitig wuchsen die Gesundheitskosten pro Person um 107 Prozent. Das ist hinter Graubünden der zweithöchste Wert.

Wir verlieren jegliche Glaubwürdigkeit

Das ärgert den Waadtländer Gesundheitsdirektor Pierre-Yves Maillard: «Das ist nicht gerecht. Wir haben 600 Millionen zu viel bezahlt. Alleine 2006 haben wir 100 Millionen zu viel bezahlt. Im selben Jahr haben wir eine Geburtsklinik geschlossen, um 2 Millionen zu sparen. Es ist klar, dass wir damit gegenüber den Prämienzahlern jegliche Glaubwürdigkeit verlieren.»

Legende: Video Pierre-Yves Maillard zum Gerechtigkeitsproblem (frz.) abspielen. Laufzeit 00:35 Minuten.
Aus ECO vom 15.02.2013.

Ein Blick auf die Entwicklung der Spitalkosten pro Kopf zeigt ein ähnliches Bild: Im Vergleich zur Waadt stiegen die Spitalkosten in Bern viel stärker an: Von 630 Franken innert 14 Jahren auf 1476 Franken. Ein Zuwachs von 134 Prozent. In keinem anderen Kanton wuchsen die Spitalkosten derart stark.

Die Waadtländer hätten lange geschwiegen, sagt Pierre-Yves Maillard gegenüber «ECO». «Aber eine solche Ungerechtigkeit können wir nicht akzeptieren.»

Zunahme der Pro-Kopf-Kosten (Leistungen Grundversicherung 1996–2011)

zu viel/zu wenig bezahlte
LeistungenPrämien (in Mio. Fr.)
GR+113%-29
BE+107%-832
LU+106%-70
ZG+104%2
AI+104%1
TG+103%82
AG+102%-15
SG+102%-71
AR+102%-34
SZ+97%0
GL+95%-32
NW+92%-5
OW+90%-19
SH+90%-50
BL+89%-145
VS+88%-78
UR+88%-30
Schweiz+84%
SO+82%-142
FR+78%23
ZH+77%465
BS+77%-74
GE+72%351
JU+68%-62
TI+66%140
VD+60%602
NE+56%22
Quelle: BAG

«ECO»-Schwerpunkt

Der Bericht zum Prämien-Streit und das Gespräch mit Pascal Strupler, Direktor Bundesamt für Gesundheit, im Wirtschaftsmagazin «ECO».

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7 Kommentare

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  • Kommentar von Otmar Häfliger, Dagmersellen
    Die in 15 J. je nach Kt. zu viel/zu wenig bezahlten KK-Prämien sind unschön, das Problem wird aufgebauscht. Im Kt. ZH hat der Versicherte (465 Mio.Fr/1.390 Mio.Einw. =) 335 Fr zu viel bezahlt, 22.30 Fr/Jahr oder <2 Fr/Mt; dies bei heutigen Standardprämien (CSS, Stadt ZH, Franch. Fr.300, o.Unf.) von 435 Fr/Mt., also < als 0,5% der Prämie! Die Leistungszunahme betrug in ZH Fr 190, in LU Fr 180! Wo verschwanden die 1.2-1.5 Mia.Fr/2012 aus der neuen Spitalfinanzierung bei den Zusatzversicherunge...
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  • Kommentar von M. Flaach, Kt. Zürich
    "In den Kantonen Neuenburg, Waadt und Tessin haben die Versicherten zu hohe Krankenversicherungs-Prämien bezahlt. " Was ist mit den fast 500MIO Franken die die Zürcher zu viel zahlten?? Ach ja das sind ja die die sowieso mehr zahlen sollen die.
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  • Kommentar von Zaugg Hans-Rudolf, Fahrni, Kanton Bern
    Wir bezahlen bereits jetzt enorme Krankenkassenprämien und haben trotzdem ein solches Defizit! Mich würde eigentlich einmal interessieren warum die Kosten im Kanton Bern so hoch sind. Darüber wird nach meiner Ansicht nach zu wenig gesprochen und geschrieben. Sind wir so viel kränker als Andere? Wie werden die Kosten berechnet ? Was drückt die Kosten nach oben? Was für eine Rolle spielen die Privatspitäler ? Was für eine Rolle spielt die Tatsache, dass in Bern auch ein Unispital betrieben...
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    1. Antwort von Daniel Fuchs, Lausanne
      So Hoch? Also ich weiss nicht wies im moment auschaut, aber als ich vor Jahren von Bern nach Lausanne gezogen bin war ich schockiert festzustellen dass die Prämien in Bern offenbar niedrig gewesen sind ...
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    2. Antwort von Otmar Häfliger, Dagmersellen
      Gemäss krankenkasse-vergleich.ch bezahlt man je nach Krankenkasse in den Städten für die traditionelle Grundversicherung (Franchise CHF 300) folgende Prämien (CHF): Bern 304 – 446, Luzern 285 – 444, Lausanne 315 - 438, Zürich 336 – 540, Genf 360 – 595. In ländlichen Gebieten sind die Prämien tiefer (geringerer Leistungsbezug!). Etwa 40% der Bevölkerung erhalten auf diesen Prämien von Bund und Kanton eine Prämienverbilligung von 10 bis 100%.
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