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Wirtschaft Privatbanken brechen Tabu

Die Privatbanken in der Schweiz haben Angst. Die EU verschärft ihre Gesetze, so dass sie ihre Dienstleistungen nicht mehr in Europa anbieten können. Sie wollen aber den Zugang behalten. Um fast jeden Preis. Auch der automatische Informationsaustausch ist eine Option.

Die Herren heissen Pictet, Bordier und Mirabeaud. So wie ihre Privatbanken. Seit Generationen verwalten sie das Geld reicher Menschen im In- und Ausland. Diskretion ist die Basis ihres Geschäftes. Nun befinden sich die Privatbankiers in schwierigen Zeiten, sagt ihr Präsident Nicolas Pictet.

Dafür gibt es verschiedene Gründe: Da ist die Krise, die das Geschäft belastet. Zudem haben haben Schweizer Banken jahrelang ihren ausländischen Kunden dabei geholfen, Steuern zu hinterziehen. Das war Teil des Geschäftsmodells. Das gibt Michel Dérobert, als Geschäftsführer seit 23 Jahren das Sprachrohr des Privatbanken-Verbandes sogar zu. Das Problem sei nicht, ob Beihilfe zur Steuerhinterziehung geleistet wurde, sondern wann. Seit dem Fall UBS würde keine Bank mehr, die die Situation realistisch einschätze, Schwarzgeld annehmen.

Angst vor Abschottung

Die Vereinigung der Schweizer Privatbanken will aber nun nach vorne schauen. Schwierig sind die Zeiten nämlich auch, weil die EU ihre Grenze für grenzüberschreitende Bankdienstleistungen dicht macht. Für eine Grossbank mit Sitz in Deutschland oder Italien ist das kein Problem. Für die Privatbanken mit Sitz in Genf oder Basel schon. Sie verlangen deshalb ein Finanzdienstleistungs-Abkommen mit der EU.

Das ist eine Kehrtwende. Bei den Verhandlungen zu den Bilateralen II wurde der Dienstleistungssektor ausgenommen,  weil die Banken dies verlangten. Sie sorgten sich um das Bankgeheimnis. Doch dieses stellen ausgerechnet die Privatbanken nun zur Disposition.

Keine Tabus

Ein Finanzdienstleistungs-Abkommen mit der EU sei ein langfristiges Ziel, betont Michel Dérobert, aber wenn es so weit sei, werde die EU ein solches Abkommen nie ohne automatischen Informationsaustausch akzeptieren.

Also Zugang zu Kunden in Europa im Tausch gegen den automatischen Informationsaustausch? «Tabus gibt es nie, was wichtig ist, sind die Ziele die wir erreichen wollen», erklärt Dérobert dazu.

Die Prioritäten haben sich gewandelt. Früher warben die Privatbanken mit ihrer Diskretion. Heute müssen sie mit professioneller, massgeschneiderter Beratung Kunden gewinnen. Und mit der Stabilität der Schweiz in unsicheren Zeiten.

Legende: Video Schwierige Zeiten für Privatbanken abspielen. Laufzeit 1:40 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 17.01.2013.

2 Kommentare

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  • Kommentar von Sepp Kaeser, Hallau
    Die Banker haben bis heute immer behauptet, dass sie nur im Interesse des Schweiz. Bankenplatzes arbeiten würden. Dafür haben sie betrogen und die Interessen der Schweiz auf das höchste verletzt. Solchen Leute kann niemand mehr vertrauen. Es ist wohl auch völlig unangebracht, dass sich die Politik noch einmal für die Banken ins Fettnäpfchen setzt.. Diesen Banken kann man leider nicht mehr trauen.
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    1. Antwort von Pascal, Schweiz
      Sehr geehrter Herr Kaeser Ich verstehe was sie zum Ausdruck bringen möchten. Aber stellen Sie sich mal die Frage, wo wären wir ohne unsere Banken? Ohne die UBS oder CS welche immer wieder negativ in den Schlagzeilen genannt werden. Wir haben genau diesen Finanzinstituten einen grossen Wirtschaftswachstum zu verdanken. Wir beschweren uns wirtschaftlich auf hohem Niveau. Die Schweiz ist und bleibt ein zentraler Finanzplatz und nicht zuletzt wegen den starken Banken. Freundliche Grüsse Pascal
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