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Wirtschaft Raoul-Weil-Prozess: Top-Banker packt aus

Zweiter Tag im Prozess gegen Ex-UBS-Top-Banker Raoul Weil: Ein Ex-Offshore-Manager der UBS hat als erster Zeuge Einblicke in die doppelbödige Welt des Bankenwesens gegeben. Er sollte seinen früheren Chef belasten. Aber: «Weil kam nur am Rande vor», sagte SRF-Korrespondent Arthur Honegger.

Fassade der UBS-Filiale in New York mit US-Fahne
Legende: «Wer geheime Bankgeschäfte tätigen will, geht in die Schweiz», sagte der Zeuge Hansruedi Schumacher vor Gericht. Keystone

Im Prozess gegen den ehemaligen UBS-Topmann Raoul Weil ist am Mittwoch Hansruedi Schumacher, bis 2002 Leiter des Nordamerikageschäftes der Grossbank, als Zeuge aufgerufen worden. Seinen Aussagen zu Folge wusste die Bank, dass die Mehrheit der rund 20'000 US-Kunden ihr Geld auf den Schweizer Konten nicht versteuerten.

Doppelte Kontoführung

Schumacher sagte, man habe UBS-intern von «schwarzen und weissen» Konten der US-Kunden gesprochen. «Schwarz» oder «einfach» hiessen laut dem Banker jene Konten mit Geldern, die nicht versteuert wurden. «Weiss» oder «komplex» wurden jene genannt, für die Steuerdokumente ausgefüllt werden mussten.

Vor den Geschworenen legte Schumacher dar, wie das Schweizer Bankgeheimnis funktioniert und wie profitabel ein Schweizer Konto für US-Kunden war, weil sie 100 Prozent der Gewinne ihre Börsengeschäfte in die eigene Tasche stecken konnten. In den USA hätten sie dagegen mehr als 30 Prozent als Steuer abgeben müssen.

Visitenkarten ohne Logo

Das Bankgeheimnis sei teil der Schweizer Kultur, sagte Schumacher. «Wer Micky Maus sehen will, geht nach Disneyland. Wer geheime Bankgeschäfte tätigen will, geht in die Schweiz», führte der ehemalige Banker aus, gegen den selbst auch eine Klage hängig ist.

SRF-Korrespondent Arthur Honegger verfolgt den Prozess vor Ort. «Schumacher sollte als Zeuge der Anklage die Augen öffnen für die Geschworenen auf die klandestine Welt des alten Schweizer Bankings», beschreibt Honegger die Aussage Schumachers.

Schumacher legte dar, wie er und seine Kundenberater sich auf Amerika-Reisen vorbereiteten und welche Sicherheitsvorkehrungen getroffen wurden.

So erhielten die Mitarbeiter von der Bank sogenannte «private Visitenkarten» ohne Logo und Namen der UBS: Auf ihnen stand einzig der Namen des Beraters sowie dessen Telefonnummer und Heimadressse. Die Kunden wurden laut Schumacher in Hotels getroffen, die Berater arbeiteten mit Computern mit geheimen Festplatten. «Das alles zeichnet doch ein recht düsteres Bild, aber es sagt nichts aus, was Raoul Weil selber als Person falsch gemacht hat. Sein Name kam heute lediglich als Adressat in einigen E-Mails vor», erklärt Honegger.

Aber: Der Zeuge habe in diesem Geschäftsteil gearbeitet, bevor Raoul Weil dafür zuständig war, ergänzt Honegger.

Kreuzverhör der Verteidigung

Nach der Vernehmung durch die Staatsanwaltschaft wird Schumacher von den Anwälten der Verteidigung ins Kreuzverhör genommen. Sie dürften den ehemaligen Untergebenen von Weil als Teil einer kleinen Gruppe schelmischer Banker darstellen, die aus Profitgier die Regeln der Bank und das Gesetz der USA gebrochen haben.

Diese Gruppe von Bankern wolle nun die Schuld an ihrem Verbrechen ihrem Chef in die Schuhe schieben, sagte der Hauptanwalt Weils, Aaron Marcu, bei Prozessbeginn. Neben Schumacher stehen weitere ehemalige UBS-Mitarbeiter auf der Zeugenliste der Anklage, so auch der ehemalige Leiter des US-Überseegeschäftes, Martin Liechti.

Der Prozess vor dem Bundesbezirksgericht in Fort Lauderdale, Florida, dauert voraussichtlich drei bis vier Wochen. Weil droht eine Höchststrafe von fünf Jahren Gefängnis. Die ehemalige Nummer 3 der UBS plädiert auf nicht schuldig.

Twitter-Tagebuch zum Prozess

Twitter-Tagebuch zum Prozess

Beat Soltermann, USA-Korrespondent von Radio SRF, ist in Florida und beobachtet den Prozess gegen Raoul Weil. Seine Eindrücke schildert er auf Twitter. Zum Tagebuch.

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2 Kommentare

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  • Kommentar von alma lüscher, bern
    ob es aus diesen geschäften mit den schwarzen einfachen konten für die bank auch einen gewinn gab, der sich in der erfolgsrechnung oder der bilanz niederschlug? - wenn können sich die verantwortlichen der bank auf höchster stufe unmöglich im nicht wissen von dunklen geschäften ihrer mitarbeitenden aus der affäre ziehn, die strategie der verteidigung ist klar einmal mehr eine bauernopfer - strategie. widerlich.
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    1. Antwort von Hans Haller, Kölliken
      Sicher es braucht immer ein Bauernopfer. Nur, das Roul Weil von allem nichts gewusst haben soll, erscheint mit nun doch etwas zu dick aufgetragen. Ich sehe darin nur eine eher sehr hilflose Verteidigungsstrategie um ihn raus zu hauen. In der ganzen Bankenwelt hier zu Lande musste man um die heiklen (Steuer-)Sachen ihrer Kunden sehr wohl gewusst haben. Aber wollte einfach nicht wahrhaben, dass es zwangsläufig schief gehen muss, wenn man einer befreundeten Nation derartig auf der Nase rumtrampelt.
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