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Wirtschaft Schweizer Banken erschweren Handel mit Iran

Aus der Schweiz werden jährlich Güter für über 400 Millionen Franken in Iran exportiert. Nun haben Schweizer Banken den Zahlungsverkehr mit dem Mullah-Staat eingestellt. Das bringt die Exporteure in die Bredouille.

Schweizer Firmen, die in Iran exportieren, kommen nicht mehr an ihr Geld. Wegen der internationalen Sanktionen haben die Schweizer Banken den Zahlungsverkehr mit Iran eingestellt. Das Staatssekretariat für Wirtschaft Seco des Bundes unterstützt die Exportbranche bei der Suche nach Auswegen.

Banken wollen USA nicht verärgern

Wegen des iranischen Nuklearprogramms hatte die EU im Januar und März 2012 die Sanktionen gegen das Land verschärft. Die Schweiz übernahm die Anpassungen zu grossen Teilen, aber nicht ganz: Denn sie übt in Iran für die USA ein Schutzmachtmandat aus. Deshalb unterstellte der Bundesrat gewisse Exporte bloss einer Meldepflicht.

Hände in Handschuhen durchmischen einen Berg von blauen Tabletten.
Legende: Ein Drittel der in den Iran exportierten Schweizer Güter sind Medikamente. Keystone/Symbolbild

Die Schweizer Banken hingegen wollten nicht unter Beschuss der USA geraten und stellten alle Finanztransfers in und aus Iran ein, wie die Sprecherin der Schweizerischen Bankiervereinigung gegenüber Radio SRF bestätigt: «Die Banken machen, um kein Risiko einzugehen, irgendwelche Sanktionen zu verletzen, keine Geschäfte mit Bezug zu Iran mehr.»

Zahlungen können nicht mehr abgewickelt werden

Das schafft für zahlreiche Schweizer Exporteure grosse Probleme. Vor allem für die Pharmabranche, wie das Seco bestätigt. Im letzten Jahr wurden laut Seco bis Ende November für 417 Millionen Franken Güter aus der Schweiz in Iran geliefert. Bei fast einem Drittel davon handelte es sich um Produkte der Pharmaindustrie. Die Exporteure können die Zahlungen ihrer iranischen Kunden nicht mehr über das Schweizer Bankensystem abwickeln.

Das Staatssekretariat unterstütze die betroffenen Unternehmen so weit wie möglich, erklärt Seco-Sprecherin Antje Baertschi. Zum Beispiel reiche es bei den Banken spezifische Bestätigungen ein, dass die gelieferten Produkte nicht unter die Sanktionen fielen.

Die Pharmafirmen wollen aller Schwierigkeiten zum Trotz aber weiterhin Medikamente in Iran exportieren, wie ihr Verband Interpharma auf Anfrage erklärt. Die Schweizer Firmen seien der Meinung, dass sie gegenüber den iranischen Patienten eine Pflicht hätten, weiterhin lebenswichtige Produkte zu liefern, sagt Interpharma-Generalsekretär Thomas Cueni.

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14 Kommentare

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  • Kommentar von Mart Web, Switzerland
    Was gibt es für einen Grund, nicht mit dem Iran zu Geschäften? Man kann das Leben, oder die realität nicht einfach ausblenden, sonst müsste man mit 98% den Handel einstellen. Es passen mir auch viele Politiker und ansichten in der Schweiz nicht, trotzdem rede ich mit den Leuten. Was soll den das? Menschen sind Menschen, da gibt es halt verschiedene Wege - wir müssen unseren gehen und nicht das "Hündli" von irgendwem sein!
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  • Kommentar von Hans-Peter Zürcher, Zürich
    Verstehe ich das richtig? Die "Schweizer" Banken torpedieren die Schweizer Exportwirtschaft aus vorauseilendem Gehorsam gg. den USA? Und das aufgrund von illegalen Sanktionen? Es ist an der Zeit, diese "Banken" zu verstaatlichen oder zu zerschlagen. Mit ihren Geschäftsgebaren schaden sie der Schweiz nur.
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  • Kommentar von Harald Girschweiler, 9500 Wil SG
    Es gibt sehr wohl Möglichkeiten Geschäfte mit dem Iran abzuwickeln und auch noch an das Geld zu kommen. Das wissen die exportierenden Firmen, sogar solche in den USA, ganz genau, ohne dass die amerikanischen und europäischen Behörden etwas dagegen unternehmen. Es ist wohl teurer als früher aber nicht so teuer, dass es sich nicht lohnen würde. Scheinheilig ist die ganze Politik und sugeriert etwas, was wohl alle Politiker gerne dem Wähler und Volk verkauft aber nicht einhält.
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    1. Antwort von Guido Kühne, Dübendorf
      Wir möchten Maschinen in den Iran verkaufen, wissen aber wegen der Sanktionen nicht wie wir an unser Geld kommen. Haben Sie für uns einen Typ?
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    2. Antwort von M. Murger, Hettenschwil
      @kühne Ganz einfach. Eröffnen sie im nahen Deutschland ein Konto, lassen sie das Geld dorthin transferieren und dann von da in die Schweiz. Wo ist das Problem?
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    3. Antwort von H. Girschweiler, 9500 Wil SG
      @an M. Murger: so einfach ist es wieder nicht - es geht nicht nur um die Ueberweisung sondern dass für beide Parteien die Abwicklung des Geschäfts Zug um Zug erfolgt und jede Partei sicher ist, dass der Andere denjenigen nicht übervorgteilt.
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    4. Antwort von M. Murger, Hettenschwil
      @girschweiler Schon mal was von akkreditiv gehört? Da wird keiner bevor-oder benachteiligt. Kostet halt was, dafür ist es eine sichere Sache.
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    5. Antwort von H. Girschweiler, 9500 Wil SG
      @m. murger - wie wollen Sie bei einer Bank ein Akkred. eröffnen wenn die Banken die Geschäftsbeziehungen mit den iran. Banken auf Druck der Sanktionen eingestellt haben. Es gibt heute im Iran-Geschäft andere Wege. Wohl auch mit Akkred. aber indirekt, nicht mit den iran. Banken - und eben die Routenwahl für den Transport ist auch etwas diffizil. Glauben Sie mir ich weiss wovon ich spreche
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    6. Antwort von M. Murger, Hettenschwil
      @Girschweiler Nicht alle Banken auf dieser Welt haben Sanktionen ergriffen gegen den Iran. Dann zahlen die eben in diese Länder, von da in die Schweiz etc. etc. Das Akkreditiv ist kein Problem, der Transport ebenfalls nicht, da die Exportgüter ja versichert sind, verlieren sie kein Geld, ausser die Rechnung wird, wie so oft gewünscht, ein bisschen beschönigt. Ich habe schon 70 t Maschinen in die ganze Welt verschickt und noch bei keiner hatte ich Probleme. Auch ich weiss also, wovon ich rede...
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    7. Antwort von H. Girschweiler, 9500 Wil SG
      @M. Murger: dann transportieren Sie Ihre 70 to. auf Ihre Weise und ich mache meine Geschäfte auf meine Weise. Jetzt muss ich aber schliessen da ich eben einen Grossauftrag aus Brasilien, kombiniert mit Zulieferungen aus DE nach dem Iran bearbeiten muss....
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