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Brexit trifft Banken mit voller Wucht
Aus Tagesschau vom 28.06.2016.
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Wirtschaft Schweizer Finanzbranche im Bann des Brexit

Der Volksentscheid in Grossbritannien hat am Swiss International Finance Forum (SIFF) viel zu reden gegeben. In einem sind sich die meisten Experten einige: Die wirtschaftlichen Folgen des Brexit lassen sich noch nicht abschätzen.

Das Nachbeben der Abstimmung in Grossbritannien war bis ins schicke Hotel Bellevue Palace in Bern zu spüren: Hier traf sich die Finanzbranche am Dienstag zum dritten Mal am Swiss International Finance Forum (SIFF). Und der Brexit war zentrales Thema in Referaten von Politikern und Finanzexperten. Das Forum steht unter dem Motto «Back to Growth».

«Austritt ist Austritt»

Nicht persönlich anwesend war der deutsche Finanzpolitiker und Abgeordnete des Europäischen Parlaments, Burkhard Balz. Er musste seine Teilnahme wegen einer ausserordentlichen Plenarsitzung in Brüssel kurzfristig absagen, äusserte sich aber in einer Videobotschaft. «Austritt ist Austritt», sagte er zur Abstimmung in Grossbritannien. Das Land müsse nun rasch Austrittsverhandlungen aufnehmen.

Die Glaubwürdigkeit des EU-Konstrukts ist infrage gestellt
Autor: Sergio Ermotti am SIFFUBS-Konzernchef

Frust über eigene Existenz entschied mit

Ähnlich Alexis P. Lautenberg, Vorsitzender des Swiss Finance Council: Wenig zukunftsträchtig sei das Szenario einiger Brexit-Befürworter, wonach Grossbritannien nun einen besseren Deal mit der EU aushandeln könnte, um danach nochmals abstimmen zu lassen.

Gleichzeitig mahnte er zur Zurückhaltung. Die EU müsse der britischen Seite nun Zeit geben, über die Bücher zu gehen, um selber zu entscheiden, was sie genau wolle. «Zumindest ein Teil des Resultats hat wenig mit der EU zu tun, sondern vielmehr mit dem Frust über die eigene Existenz», sagte er. Man könne von London in der jetzigen Situation nicht verlangen, innerhalb weniger Tage Austrittsverhandlungen aufzunehmen.

«Kein Lehman-Moment»

Wirtschaftsprofessor Aymo Brunetti (links) und Alexis P. Lautenberg auf dem Podium am SIFF
Legende: Wirtschaftsprofessor Aymo Brunetti (links) und Alexis P. Lautenberg beantworten Fragen aus dem Publikum. SIFF

Aymo Brunetti, Professor für Wirtschaftspolitik an der Universität Bern, stiess ins gleiche Horn: Um die Folgen eines Brexit abschätzen zu können, gelte es zuerst zu klären, wie genau die EU künftig funktionieren werde. Für Brunetti ist denn auch klar, dass die Auswirkungen mittel- bis langfristiger Natur sein werden.

Als positiv beurteilte er trotz der kurzfristigen Verwerfungen die Reaktion der Märkte. «Ein Lehman-Moment ist nicht aufgetreten». Dies sei damit zu erklären, dass Grossbritannien kein Euroland sein. Ein Austritt eines solchen wäre ein anderes Kaliber und würde zu länger andauernden Erschütterungen führen, prognostizierte Brunetti.

Zinsen könnten zu lange zu tief bleiben

Was dem Wirtschaftswissenschaftler neben eines potenziellen Austritts eines Landes aus der Währungsunion ebenfalls Sorge bereitet, ist die Auswirkung des Brexit-Votums auf die Politik der Notenbanken. Die Normalisierung der Geldpolitik dürfte sich nun weiter verzögern und die Fed noch länger zuwarten lassen mit der dringend nötigen weiteren Zinserhöhung.

Das sei ausserordentlich problematisch. Denn eine solche Verzögerung könnte die Schuldenproblematik weiter in den Hintergrund rücken. Dabei sei klar, dass die Antwort auf die Verschuldung in strukturellen Reformen liegen müsse und nicht in Mehrausgaben, so Brunetti.

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2 Kommentare

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  • Kommentar von Nicolas Dudle  (Nicolas Dudle)
    Und noch immer finden solche Veranstaltungen unter dem Motto "Back to Growth" statt. Dieser rein quantitative Ansatz ist und bleibt m.E. falsch und führt von Krise zu Krise. Einzeln sind solche vielleicht noch zu bewältigen; treffen aber mehrere Krisen gleichzeitig ein (und das ist bei der Vernetzung der Systeme immer wahrscheinlicher), sind sie nicht mehr zu lösen.
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  • Kommentar von paul waber  (sandokan)
    Offenbar geschieht es tatsächlich noch, dass die Politik der Wirtschaft einen Strich durch die Rechnung macht. Ginge es nach der Wirtschaftselite, würden ohnehin alle Grenzen, Staaten und auch die Demokratie beseitigt, um noch profitabler und grenzenloser Gewinne machen zu können...
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