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Wirtschaft Schweizer Touristen ziehen die Alphütte den Strandferien vor

Entspannung an exotischen Stränden gehört für Schweizer Touristen der Vergangenheit an. Vielmehr bevorzugen Einheimische Wandertage in den Bergen – Übernachtung inklusive. Grund dafür ist der vermehrte Wunsch nach Entschleunigung. Zudem profitieren Bergkantone von der politischen Grosswetterlage.

Eine SAC-Hütte im Kanton Glarus
Legende: Ferien in den Bergen SAC-Hütten - wie hier im Kanton Glarus - sind bei Schweizer Touristen diesen Sommer besonders beliebt. Keystone

Ob Frankenstärke, Eurokrise oder die vermeintlich zu hohen Preise: Das wirtschaftspolitische Umfeld setzt dem Tourismusland Schweiz seit Monaten zu. Doch jetzt zeigt eine Umfrage, dass sich Schweizer Touristen wieder vermehrt auf den Heimatmarkt konzentrieren und diesen Sommer ihre Ferien in der Schweiz gebucht haben.

Das gilt insbesondere für Bergregionen. So berichtet beispielsweise der Hüttenwart der SAC-Fründenhütte im Berner Oberland, vergangenes Wochenende gleich hohen Umsatz generiert zu haben wie im gesamten September 2015. Zudem verzeichnet die Bergunterkunft Nahe Kandersteg in dieser Sommersaison im Vergleich zum Vorjahr einen Anstieg der Logiernächte um bislang 200 Gäste.

Ebenfalls aufatmen kann Tom Seiler. Er verwaltet die SAC-Carschinahütte im Bündnerland. Er zählt jetzt schon die selbe Höhe an Übernachtungen wie im gesamten vorangegangenen Sommer. Für die SAC-Hütten dauert die Sommersaison von Juni bis Oktober. Ausserdem gelang es den Verantwortlichen der Carschinahütte, den Umsatz bei der Gastronomie der Tagesgäste zu steigern.

Das Leben in engbesiedelten urbanen Zentren wird immer stressiger. Deshalb suchen viele Städter in den Ferien eine Auszeit von dieser Hektik.
Autor: Myriam KellerCEO Graubünden Ferien

Harte Zahlen will Seiler zwar nicht nennen. Dafür sei es noch zu früh. Dennoch zieht er schon Mitte August ein erfreuliches Fazit. «Trotz des miserablem Wetter im Juni steuern wir auf den drittbesten Sommer unserer Geschichte zu», sagt Seiler. Zu verdanken hat Seiler dieses Umsatzwachstum den Einheimischen. 50 Prozent seiner Gäste stammen aus der Schweiz. Die Carschinahütte – nahe der schweizerisch-österreichischen Grenze – nahm vor 26 Jahren ihren Betrieb auf und erwirtschaftete letzte Sommersaison einen Gesamtumsatz von 315'000 Franken.

SAC rechnet mit substantiellen Wachstum

Bruno Lüthi von SAC-Schweiz kann den Aufwärtstrend der einzelnen SAC-Sektionen nur bestätigen und prognostiziert darüber hinaus einen Anstieg der Logiernächte für diesen Sommer um fünf Prozent. 2015 zählte SAC Schweiz 310'000 Logiernächte von Wanderern, Familien oder Bergsteigern. Ein Jahr zuvor waren es rund 300'000 – und 60 Prozent dieser Gäste seien SAC-Mitglieder, wie der SAC-Marketingverantwortliche Lüthi hinzufügt. Diese würden von günstigeren Übernachtungspreisen profitieren. Der Preisnachlass für Mitglieder bewege sich zwischen 35 bis 50 Prozent. Überdies fänden mittlerweile 75 Prozent der Gäste aus der Schweiz den Weg auf SAC-Hütten.

Es ist nicht die erste Erfolgsmeldung für den Schweizer Alpenclub – im Gegenteil: Wie Radio SRF unlängst berichtete, erfreut sich der Schweizer Alpenclub SAC wachsender Beliebtheit. Demnach stieg die Zahl der Mitglieder seit 2010 von 131'270 auf 150'000. Überdies spricht SAC-Geschäftsführer Jerun Vils von einem jährlichen Wachstum von zwei bis vier Prozent.

Legende:
Mitgliederwachstum SAC Entwicklung der Anzahl Mitglieder des Schweizer Alpen-Club SAC seit der Gründung 1863 (Jugend-, Familien- und Einzelmitglieder). Jahr 2020: Schätzung des SAC. SAC

Derweil sind auch Hotelleriesuisse und Graubünden Tourismus mit dem Verlauf der Sommersaison zufrieden. Während der Schweizer Hoteldachverband von steigenden Übernachtungszahlen im Juli spricht, wagt Graubünden Tourismus eine erste Prognose: «Wir rechnen aufgrund einer nicht repräsentativen Umfrage bei den Tourismusdestinationen damit, für den Monat Juli und August eine ausgeglichene bis leicht positive Bilanz ausweisen zu können», sagt Myriam Keller, CEO von Graubünden Ferien.

Schweizer Touristen suchen Naturerlebnis

Verantwortlich dafür sei ein «leichter Anstieg» von Schweizer Touristen. Schweizer Gäste führten denn auch die Rangliste der Logiernächte an – gefolgt von Touristen aus Deutschland. Allerdings räumt Keller auf Anfrage ein, dass diese wichtige Zielgruppe aufgrund der schwelenden Eurokrise und des starken Frankens zusehends schrumpfe.

SAC-Schweiz, Hotelleriesuisse wie auch Graubünden Tourismus führen die Rückbesinnung auf Ferien in den Schweizer Bergen auf den latenten Wunsch nach Naturerlebnis zurück. «Das Leben in den engbesiedelten urbanen Zentren wird immer stressiger. Deshalb suchen viele Städter in den Ferien eine Auszeit von dieser Hektik, ohne lange Anreisezeiten und Flughafenstress», sagt Myriam Keller von Graubünden Ferien dazu.

Darüber hinaus spiele dem Tourismusland Schweiz laut dem SAC-Marketingverantwortlicher Lüthi derzeit wohl die politische Grosswetterlage in die Hände. «Angesichts der Bedrohungslage durch immer neue Terroranschläge im Ausland, bevorzugen Schweizer Touristen derzeit die Schweizer Berge als primäres Reiseziel».

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4 Kommentare

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  • Kommentar von Bruno Hochuli (Bruno Hochuli)
    Nur sollten die Berggebiete ihre Landschaft nicht mit Bauten verschandeln, welche überhaupt nicht in die Gegend passen. Aber schön ist, dass die Schweizer ihr Land wieder enddecken und sehen dass in ihrer Nähe ein Paradis liegt, zu dem wir Sorge tragen sollten.
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  • Kommentar von Pascal Gienger (Pascal Gienger)
    Entschleunigung ... in einem Land welches die mehr oder weniger perfekt organisierte Langeweile ist und das als Insel der Glückseligkeit verkauft. Getreu dem Motto "Wer sich in Gefahr begibt kommt darin um" wird gelebt, und beim kleinsten Problem sofort sich zurückgezogen in den Cocoon (Bollwerk Familie, Bollwerk Freundeskreis, Bollwerk Nation mit Militär). Freuen tut es mich nur für die gebeutelten Hoteliers in der Schweiz die nun eventuell mehr Kunden bekommen um über die Runden zu kommen.
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  • Kommentar von Peter Isler (SchweizerQualität)
    Schweiz-Tourismus-Promo-Beitrag? Wers glaubt wird selig. Nur schon: Entspannt am Strand zu liegen ist ja überhaupt keine "Entschleunigung"... "Flughafenstress"? Wer "Warten" als Stress empfindet, der muss tatsächlich sehr gestresst sein... Warum das Quetschen des Gepäcks in die immer engeren Zugabteile weniger stressig sein soll, entzieht sich mir. Ich habe übrigens absolut nichts gegen Ferien in den Bergen, ist auch wunderschön. Nur mit diesem Artikel kann ich nichts anfangen.
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