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Shopping-Wahn «Bei Black-Friday-Rabatten werden wir zu Schnäppchen-Jägern»

Am Black Friday überbietet sich der Handel mit Rabatten. Aber nicht jedes Schnäppchen ist auch wirklich eins.

Legende: Video Heute ist «Black Friday» abspielen. Laufzeit 01:47 Minuten.
Aus Tagesschau vom 23.11.2018.

Der Black Friday hat sich in den vergangenen vier Jahren auch in der Schweiz zu einem grossen Rabatt-Tag entwickelt. Im letzten Jahr gab es Händler, welche an diesem Tag bis zu 30 Prozent Rabatt auf das ganze Sortiment gaben. Andere wiederum bieten den Kunden gezielt einzelne Produkte zum Aktionspreis an.

«Der Black Friday kommt aus Amerika und ist traditionell der Startschuss fürs Weihnachtsgeschäft», sagt Thomas Lang, CEO von Carpathia, einer Unternehmensberatung, die sich auf den Onlinehandel spezialisiert hat. Der Aktionstag habe sich in den letzten vier Jahren auch in der Schweiz etabliert.

Es gehe beim Black Friday vor allem darum, Aufmerksamkeit zu erzeugen: «Anstatt Werbung zu schalten, wird Geld eingesetzt, um den Kunden Aktionen oder Rabatte anzubieten», sagt Lang. Dem Handel entgehe dadurch allerdings einiges an Marge, weil viele Kunden an diesem Tag ihre sowieso geplanten Weihnachtsgeschenke kaufen würden.

Ware wird extra für Black Friday eingekauft

Beim Internet-Händler Digitec/Galaxus ist der Black Friday der umsatzstärkste Tag im Jahr, schreibt Mediensprecher Alex Hämmerli. Man habe für diesen Tag extra Produkte in limitierter Stückzahl eingekauft. Auch Brack hat extra für heute Spezialangebote mit den Lieferanten ausgehandelt. Im vergangenen Jahr erzielte Brack am Black Friday etwa drei Mal so viel Umsatz wie an einem normalen Freitag.

Unter Stress fällt man schlechte Kaufentscheide

Mit den Schnäppchen und Aktionen würde ganz gezielt der Jagd-Instinkt der Kunden geweckt, sagt Wirtschaftspsychologe Christian Fichter von der Kalaidos Fachhochschule: «Dieser Instinkt, ein Beutetier oder eben ein Schnäppchen zu jagen, steckt tief in uns drin.» Auf der Jagd müsse man schnell entscheiden, dies wiederum sei für eine rationale Entscheidung schlecht: «Die besten Kaufentscheidungen fällen wir, wenn mir Zeit haben und uns überlegen können, ob wir etwas wirklich brauchen.» Unter Stress – und diesen erzeugen die Händler am Black Friday absichtlich – fällen wir die schlechteren Kaufentscheide. «Vieles, was wir unter Druck kaufen, bereuen wir später», so Fichter.

Sara Stalder von der Stiftung für Konsumentenschutz mag diesem Super-Rabatt-Tag nicht viel abgewinnen: «Statt die Kunden an einem Tag mit Rabatten einzudecken, fordern wir die Händler auf, die Preise ganzjährig zu senken.» Um Fehlkäufe zu vermeiden, rät Stalder, sich nicht unter Druck setzen zu lassen und die Preise zu vergleichen. Und: «Machen Sie einen ‹Posti-Zettel› und kaufen Sie nur das, was darauf steht.»

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39 Kommentare

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  • Kommentar von Lukas Schaub (Lukas M. Schaub)
    In den Staaten ist es so, dass es effektiv gute Teile gibt zu kaufen mit einem sensationellen Preis. Hier bei uns in der Schweiz ist es die pure Langeweile, 20% auf alles, 25% auf alles, 30 % auf alles. Solch eine Penetranz und Ideenlosigkeit ist schon fast traurig. Dann die einzelnen Preisprodukte, welche extrem günstig angeboten werden, diese waren alle vor einem halben Jahr schon günstig. Nur will das niemand merken. Wann wachen die Händler denn wirklich auf? Wenn sie tot sind??
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  • Kommentar von Toni Koller (Tonik)
    Unsere kulturelle Kolonisierung durch die USA ("Black Friday", "Thanksgiving", "Halloween") greift immer weiter um sich und durchdringt das Alltagsleben. Dies ist leider relevant für unsere Schweizer Identität - jedenfalls wirkt es stärker als die Immigration oder als ein paar Gesetze, die von einem sog. "fremden"Gericht" interpretiert werden. Soviel zur nationalen Selbstbestimmung: Sie wird ausgehöhlt durch ganz andere Tendenzen, als es uns die vaterländische SVP-Politik weismachen will.
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    1. Antwort von Patrik Müller (P.Müller)
      Grundsätzlich im Effekt richtig. Nur wird uns die Teilnahme an diesen "Ereignissen" nicht durch irgendwelche Abkommen oder höherwertiges Recht aufgezwungen. OK, man könnte natürlich feststellen, dass die westl. Gesellschaft generell dem alles übergeordeneten Recht der Marktwirtschaft unterstellt ist. Wer das ändern möchte kann die sozialistischen Ideen unterstützen. Nur deren Folgen sind leider auch nicht über jeden Zweifel erhaben.
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  • Kommentar von Danny Kinda (Kinda)
    Ich bin von vielen schnäppchen enttäuscht. Vor allem im IT und Electronics Bereich werden oft nur Artikel mit Rabatten verkauft die Midrange sind. In den USA ist das ganz anders dort gibt es Angebote die man hier nicht findet. Im Übrigen kaufen Globus, Jelmoli und Co. auch extra ein um den after Weihnachtsmarkt zu bedienen. Also auch Ware die billig eingekauft wird um die Leute in die Läden zu bringen.
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