Zinspolitik bleibt unverändert SNB hält an «Zweisäulen-Politik» fest

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«Änderung der Geldpolitik ist kein Thema»

1:44 min, vom 14.9.2017
  • Die Schweizerische Nationalbank SNB hält den Schweizer Franken «weiterhin für hochbewertet».
  • Bei Sichteinlagen bezahlen Banken deshalb weiterhin einen Negativzins von 0,75 Prozent.
  • Unverändert bleibt auch der Leitzins.

Die SNB bestätigte damit ihre bisherige «Zweisäulen-Politik» im Kampf gegen den starken Franken. Das Zielband für den Drei-Monats-Libor beträgt weiterhin -0,25 bis -1,25 Prozent.

Warten auf die Europäer

Die Entscheide wurden in dieser Form erwartet. Praktisch alle Experten gingen von einer unveränderten Geldpolitik der SNB aus, obwohl der Schweizer Franken gegenüber dem Euro in letzter Zeit an Wert verloren hatte.

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Reaktion der Märkte

Die Märkte reagieren am Donnerstag auf den Zinsentscheid der SNB kaum. Sowohl der EUR/CHF-Kurs als auch der SMI bewegen sich per Saldo nur leicht. Der SMI rangiert derweil bei 9'044 Punkten mit rund 0,11% im Minus, nach 9'047 Punkten zuvor. Aktuell notiert die Gemeinschaftswährung bei 1,1470 CHF, nach 1,1465 CHF vor Bekanntgabe der Lagebeurteilung.

Die meisten Experten erwarten eine Zinsanhebung in der Schweiz erst, wenn die Europäische Zentralbank (EZB) vorlegt. Dies könnte nach Ansicht der meisten Analysten erst im nächsten Jahr der Fall sein.

Versönliche Worte

Abgeschwächt hat die SNB ihre Wortwahl mit Blick auf die Wechselkurse. Der Schweizer Franken sei «weiterhin hoch bewertet», so die Notenbanker. Zuletzt war stets von einem «deutlich überbewerteten» Franken die Rede gewesen.

Die Wechselkursentwicklung trage zu einem gewissen Abbau der deutlichen Überbewertung des Frankens bei, heisst es in der Begründung der SNB. Die Situation am Devisenmarkt sei aber nach wie vor fragil.

Der Negativzins und die Bereitschaft der Nationalbank, bei Bedarf am Devisenmarkt zu intervenieren, bleiben nach Ansicht der SNB deshalb unverändert notwendig, um Anlagen in Schweizer Franken weniger attraktiv zu machen und so den Druck auf den Franken zu verringern.

Vierteljährliche Lagebeurteilung der SNB

0:59 min, aus Tagesschau am Mittag vom 14.9.2017

Seit der letzten Lagebeurteilung von Mitte Juni hat sich der Franken gegenüber dem Euro abgeschwächt. Notierte der Euro-Franken-Kurs damals bei knapp 1,09, steht er aktuell bei knapp 1,15. Zum Dollar hingegen gewann der Franken seit Mitte Juni etwas an Wert.

Leicht höhere Inflation erwartet

Die Nationalbank senkte wegen der schwachen ersten Jahreshälfte die Wachstumsprognose für die Schweizer Wirtschaft. Neu erwartet sie für das laufende Jahr ein BIP-Wachstum von 1 Prozent. Im Juni war sie noch von rund 1,5 Prozent ausgegangen.

Die Prognose der Teuerung für das laufende und das nächste Jahr erhöhte die SNB von 0,3 auf 0,4 Prozent. Für 2019 erwarten die Währungshüter neu eine Inflation von 1,1 statt 1,0 Prozent.

Das sagt Nationalbankpräsident Thomas Jordan

Der Wirtschaft geht es relativ gut, auch die Inflation steigt hoffentlich bald wieder. Kann man langsam aussteigen aus der ultraexpansiven Geldpolitik?

Nein. Eine Änderung unserer Geldpolitik ist im Moment kein Thema. In der Schweiz haben wir immer noch sehr tiefe Inflationsraten, auch die Produktionskapazitäten sind noch
nicht voll ausgelastet. Wir bleiben bei unserer expansiven Geldpolitik.
Bisher war Ihre Botschaft immer: Der Franken ist deutlich überbewertet. Wo liegt er jetzt?

Der Franken hat sich gegenüber dem Euro abgeschwächt, gleichzeitig ist er gegenüber dem Dollar stärker geworden. Wir haben eine Reduktion der deutlichen Überbewertung gesehen. Aber ganz wichtig: Der Franken bleibt hochbewertet und überbewertet und die Situation an den Devisenmärkten bleibt fragil. Wir müssen einmal abwarten, wie nachhaltig diese aktuelle Entwicklung ist.
Viele leiden unter den Negativzinsen, etwa Sparer und Pensionskassen. Wann beenden Sie die Negativzinspolitik?

Auf absehbare Zeit bleibt der Negativzins eine ganz wichtige Säule unserer Geldpolitik. Wenn wir keine Negativzinsen hätten, wäre der Druck auf den Franken viel grösser. Der Franken würde sich wieder aufwerten und das wäre schädlich für die Wirtschaft. Wir können zudem feststellen, dass die Wirtschaft sich mit der Negativzinssituation besser zurechtfinden konnte, als das ursprünglich befürchtet wurde.