Sundar Pichai - der unauffällige Macher

In der breiteren Öffentlichkeit hat man ihn kaum wahrgenommen. Doch Sundar Pichais Aufstieg zum Chef von Google – als Teil des neuen Konzerns Alphabet – kommt nicht von ungefähr. Der Inder hat sich innerhalb des Internet-Riesen unauffällig, aber stetig hochgearbeitet.

Der neue Google-Chef Sundar Pinchai spricht bei einer Präsentation auf der Bühne Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Sundar Pichai gilt als stiller Macher. Der neue Google-Chef hat in seiner Freizeit den Browser Chrome programmiert. Keystone

Google Chrome ist in den meisten Ländern der Welt der am häufigsten benutzte Internet-Browser. Programmiert hat dieses Cockpit ins Internet der 43-jährige Sundar Pichai – neben seinen eigentlichen Aufgaben bei Google.

Damals konnten Mitarbeiter der Internetfirma 20 Prozent ihrer Arbeitszeit für private Projekte aufwenden. Der damalige Chef Eric Schmidt war zuerst wenig begeistert von dem neuen Programm seines Untergebenen. Doch Pichai setzte sich durch.

Vom Chrome-Erfinder zum Top-Manager

Sundar Pichai kam im Jahre 2004 als Produktemanager zu Google. Dort arbeitete er zuerst an der Programmierung des Google-Suchfelds für den Firefox und Internet Explorer.

«  Ich fühle mich sehr glücklich, eine solch talentierte Person wie ihn zu haben, die das leicht abgespeckte Google führt. »

Larry Page
CEO Alphabet

Vom Erfolg des Chrome-Browsers getragen bekam er schnell neue Aufgaben im Hause Google. Er war unter anderem für die Entwicklung des eigenen Laptops – dem Chromebook – und dem zugehörigen Betriebssystem Chrome OS zuständig. Das war der Start seines kometenhaften Aufstiegs im Unternehmen.

Er managte als nächstes die Lancierung der Cloud-Applikation Google Drive und den weltweit bekannten Kartendienst Google Maps – und nicht zuletzt auch den Maildienst Gmail. Und als sich dann der damalige Manager des Android-Betriebssystems vor zwei Jahren mit den obersten Google-Bossen überwarf, schien Pichai der logische Nachfolger zu sein.

Aufgewachsen in ärmlichen Verhältnissen

Sundar Pichai wurde 1972 als Pichai Sundararajan im indischen Tamil Nadu geboren. Aufgewachsen ist er in ärmlichen Verhältnissen, obwohl sein Vater als Elektroingenieur eigentlich gut ausgebildet war. Obwohl sich Pichai brennend für alle elektronischen Geräte interessierte, konnte er als Kind wenig Erfahrung damit sammeln. Denn bis er 12 Jahre alt war, hatte seine Familie in ihrer Zweizimmer-Wohnung nicht einmal ein Telefon.

Am Wählscheiben-Apparat entdeckte er aber eines seiner Talente. Jede einmal gewählte Nummer blieb in seinem Gehirn haften. Sein fotografisches Gedächtnis und sein Flair für Zahlen sollte ihm später zugute kommen, wenn er Chefs damit beeindrucken konnte, seitenweise Statistiken auswendig vorzutragen.

Als Kapitän seines Cricket-Schulteams bewies er mit dem Gewinn der lokalen Meisterschaften erste Führungsqualitäten. Und eine weitere Qualität trat am Indian Institute of Technology zutage, wo er Ingenieurwesen studierte. Die Professoren bescheinigten ihm neben fachlicher Qualitäten gute Umgangsformen und Verhandlungsgeschick.

Stipendium an der Standford University

Der ausgezeichnete Studienabschluss öffnete Pichai die Türen zu einem Masterstudium in den USA. Er erhielt ein Stipendium an der Standford University in San Francisco – derselben Universität, an der auch die Google-Gründer Larry Page und Sergey Brin studiert hatten. Und genau wie diese beiden, verliess er das Doktorandenprogramm vorzeitig, um in der Privatwirtschaft Karriere zu machen.

Von Google bis Alphabet – von A-Z

3:53 min, aus SRF 4 News aktuell vom 11.08.2015

Pichai stieg ein als Ingenieur beim Halbleiterhersteller Applied Materials und wechselte danach zum beratungsunternehmen McKinsey.

Sein Vorstellungsgespräch bei Google hatte Sundar Pichai ausgerechnet am 1. April 2004, an dem Tag als Google den Maildienst Gmail lancierte. Anders als viele dachten, war dies kein Aprilscherz – und die märchenhafte Karriere des indischen Jungen aus ärmlichen Verhältnissen offensichtlich auch nicht.

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