«Manager und Unternehmer sind authentischer als sonst»

SRF berichtet mehrere Stunden live vom Swiss Economic Forum. «ECO»-Moderator Reto Lipp hofft auf interessante Gesprächspartner. Bereits jetzt hat er mehrere Zusagen. Im Interview sagt er, auf welchen Gast er sich besonders freut und beschreibt den «Spirit of Interlaken».

SRF News Online: Reto Lipp, dieses Jahr findet zum 15. Mal das Swiss Economic Forum statt. Welche Bedeutung hat das Treffen inzwischen für die Schweizer Wirtschaft?

Porträtfoto von Reto Lipp. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Rund 20 Interviews: Reto Lipp fühlt der Schweizer Wirtschaft den Puls. SRF

Reto Lipp: Das Swiss Economic Forum hat sich als nationales Pendant zum World Economic Forum etabliert. Es ist der Treffpunkt der Schweizer Wirtschafts- und Unternehmer-Elite.

Das SEF findet in einer lockeren Atmosphäre statt. Die Unternehmer und Manager geben sich ungewohnt zugänglich und offen. Während sie sonst von Kommunikations-Beratern abgeschirmt sind und vor lauter Angst, etwas Falsches zu erwähnen, gar nichts sagen, lassen sich Manager und Unternehmer am SEF auch mal zu spontanen Äusserungen hinreissen und geben sich authentischer als sonst. Diese spezielle Atmosphäre versuchen wir mit Interviews in der Livesendung «ECO Spezial» zu transportieren.

Sie werden rund 20 Interviews führen. Welche Zusagen haben Sie bereits?

Bereits zugesagt haben drei Chefs der grossen ehemaligen Bundesbetriebe: Swisscom-Chef Carsten Schloter, SBB-Chef Andreas Meyer und die Post-Chefin Susanne Ruoff, die wohl derzeit mächtigste Frau in der Schweizer Firmenwelt. Ebenfalls empfangen kann ich UBS-Schweiz-Chef Lukas Gähwiler, Adecco-Chef Patrick de Maeseneire oder aus dem IT-Bereich Patrick Warnking, den Chef von Google Schweiz.

Welches verspricht das interessanteste Gespräch zu werden?

Reto Lipp im Interview mit Philipp Hildebrand Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Comeback im letzten Jahr: Philipp Hildebrand hatte am SEF seinen ersten Auftritt seit dem Ende seiner SNB-Karriere. SRF

Das ist im Voraus sehr schwer zu sagen, vieles entsteht ja spontan vor Ort. Im letzten Jahr ist es ja zu einem völlig überraschenden Comeback von Ex-Nationalbankpräsident Philipp Hildebrand gekommen. Ich hatte keine einzige Frage vorbereiten können und das war dann schon sehr spannend.

Was ich für dieses Jahr sagen kann: Ich freue mich sehr auf Bundesrat Alain Berset, mit dem ich noch nie ein Interview geführt habe.

Was wollen Sie ihn fragen?

Sozialminister Alain Berset gleist derzeit die Altersvorsorge in der Schweiz neu auf. Da muss natürlich die Frage sein, ob wir künftig wohl alle bis 67 Jahre arbeiten müssen.

Wie entstehen die Fragen, die Sie stellen? Kennen Sie sich denn bis in die Tiefe in jedem Unternehmen aus?

Es ist kaum möglich, alle diese Firmen im Detail zu kennen – ich lese aber im Vorfeld der Interviews viele kürzlich erschienenen Presseartikel über die jeweiligen Unternehmen und Manager. Natürlich tausche ich mich auch mit dem Produzenten der Sendung aus, der mich auf gewisse Fragestellungen hinweist.

Und in neuster Zeit geben mir über die sozialen Medien viele Zuschauer Inputs und Fragen mit. Über Twitter und Facebook kann man mir übrigens jederzeit Ideen für Fragen zu den Interviewgästen am Swiss Economic Forum zukommen lassen.

Auf welche Programmpunkte am SEF sind Sie besonders gespannt?

Einer der Höhepunkte ist sicher der Auftritt von Larry Fink. Er ist Chef des Vermögensverwaltungs-Giganten Blackrock. Seine Firma verwaltet etwa gleich viele Vermögen weltweit wie UBS und CS zusammen. Fink gilt im Übrigen als Vertrauter des US-Finanzministers, denn Blackrock berät auch Regierungen und Organisationen wie den Währungsfonds. Man nennt ihn auch den Mann, auf den die Finanzwelt hört.

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Diskutieren Sie mit!

«Antworten auf brennende Fragen» will das SEF in diesem Jahr finden. Einige davon wollen auch wir stellen: Wo steht die Schweizer Wirtschaft? Was macht sie so erfolgreich? Wo liegen die grössten Hürden? Diskutieren Sie mit – hier bei uns im Forum.

Spannend finde ich zudem Marcus Wallenberg. Die Famile Wallenberg kontrolliert 40 % der gesamten schwedischen Industrie. Sie besitzt grosse Anteile an ABB und an Saab. Letztere wird von Marcus Wallenberg präsidiert. Die Schweiz will ja von Saab das Kampfflugzeug Gripen kaufen. Wallenberg ist regelmässig Gast am WEF, kommt jetzt aber erstmals auch ans SEF.

Beim WEF wird oft der «Spirit of Davos» beschworen, gibt es auch einen «Spirit of Interlaken»?

In Davos spielt eine wichtige Rolle, dass sich die Unternehmens-Elite in einem Bergort weit weg von den Wirtschaftszentren der Welt trifft – der Schnee und die Kälte sorgen für eine ganz besondere Atmosphäre.

In Interlaken herrscht eine andere Stimmung – sehr schweizerisch, wenig hierarchisch sowie viel praxisorientierter und näher an den Unternehmen. Da werden nicht die Probleme der Welt gelöst, sondern konkrete Fragenstellungen von KMUs diskutiert. Wenn es einen Spirit von Interlaken gibt, dann vielleicht jener der Praxisbezogenheit und Sachlichkeit.