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Wirtschaft Swisscom-Stellenabbau: Der «blaue Riese» schrumpft

Die Swisscom baut um – und ab. Mehrere hundert Stellen sollen gestrichen werden. Betroffen sind vor allem Mitarbeitende in Call-Centern. Derweil muss die Swisscom einen Gewinneinbruch um ein Fünftel für das Jahr 2015 hinnehmen.

Legende: Video Stellenabbau bei der Swisscom abspielen. Laufzeit 01:15 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 04.02.2016.

Die Swisscom will sparen und greift deshalb zu einem grösseren Stellenabbau. Es sollen maximal 700 Stellen in den sogenannten «unterstützenden Bereichen» gestrichen werden, wie das Telekomunternehmen mitteilt.

«Ein gut ausgebauter Sozialplan»

Auf der anderen Seite würden im laufenden Jahr in Wachstumsbereichen in der Schweiz bis zu 500 Arbeitsplätze geschaffen. Für die betroffenen Mitarbeiter stehe ein gut ausgebauter Sozialplan bereit. «Im schlimmsten Fall gibt es 700 Kündigungen», sagte Swisscom-Finanzchef Mario Rossi am Rande der Bilanzmedienkonferenz. Das sei die oberste Grenze.

Arbeitsplätze in traditionellen Geschäften würden abgebaut und ersetzt durch Stellen in neuen, innovativen Bereichen: «Das haben wir schon immer gemacht. Die Swisscom ist in einem laufenden Strukturwandel. Das ist unser Geschäft, und das wird auch in Zukunft so sein», erklärte Swisscom-Chef Urs Schaeppi am Morgen.

Die Swisscom ist in einem laufenden Strukturwandel. Das ist unser Geschäft, und das wird auch in Zukunft so sein.
Autor: Urs SchaeppiSwisscom-CEO

Welche Mitarbeitenden es genau trifft, wollte Schaeppi nicht sagen. Die Kosten für den Sozialplan beliefen sich auf 70 Millionen Franken. Insgesamt rechnet die Swisscom per Ende Jahr mit einem leicht tieferen Stellenbestand in der Schweiz als im Vorjahr. Die Swisscom hatte hierzulande per Ende 2015 einen Bestand von knapp 19'000 Vollzeitstellen. Das sind 3,8 Prozent mehr als im Vorjahr. Bis 2020 will das Unternehmen die Kosten um 300 Millionen Franken gegenüber 2015 senken.

Zahl der Call-Center wird reduziert

Auch die Zahl der Call-Center soll von 14 auf 8 reduziert werden. Die Mitarbeiter der Standorte Zürich, Bern, Basel, Genf, Luzern und Rapperswil würden auf die verbleibenden acht Standorte Lausanne, Neuenburg, Biel, Olten, Sion, St. Gallen, Chur und Bellinzona konzentriert.

«Für den grössten Teil der Call-Center-Mitarbeitenden ist der Wechsel an einen neuen Standort aufgrund des Arbeitsweges zumutbar», teilt die Swisscom mit. Das Personal an den Standorten Olten, St. Gallen und Biel werde teilweise um über die Hälfte zunehmen.

Kritik von der Gewerkschaft

Die Gewerkschaft Syndicom bezeichnet die Um- und Abbaumassnahmen als «harten Schlag» für die Betroffenen. Besonders betroffen seien Mitarbeitende in Kontakt- und Call-Centern, teilte Syndicom in einem Communiqué mit. Die Gewerkschaft verlangt vom Unternehmen, die Betroffenen soweit wie möglich umzuschulen und in den Wachstumsbereichen des Unternehmens weiterzubeschäftigen.

Gewinneinbruch um einen Fünftel

In der heutigen Mitteilung veröffentlichte die Swisscon auch die Geschäftszahlen für das Jahr 2015. Demnach hat das Unternehmen im Jahr 2015 einen Gewinneinbruch hinnehmen müssen. Unter dem Strich verdiente die Swisscom noch 1,362 Milliarden Franken.

Das ist ein Fünftel weniger als im Jahr zuvor. Grund dafür ist auch eine Busse der Eidgenössischen Wettbewerbskommission (Weko), die den Gewinn um 186 Millionen Franken nach unten zog. Der Umsatz stagnierte bei 11,678 Milliarden Franken (-0,2 Prozent).

Zudem hätten Preissenkungen für die Roamingtarife und Währungseinflüsse das Ergebnis nach unten gezogen, teilte die Swisscom in ihrem Communiqué mit.

Aktie unter Druck

Die durchwachsenen Zahlen setzen den Swisscom-Aktien deutlich zu: Kurz nach13 Uhr notierten die Titel mit 3,6 Prozent im Minus. Das Sparprogramm mit Stellenabbau kann die Anleger offenbar nicht überzeugen. Es soll die aktuelle Kostenbasis bis 2020 um über 300 Mio. Franken senken.

Busse der Weko

Die Swisscom soll bis 2007 ihre ADSL-Leitungen zu teuer an die Konkurrenz vermietet haben. Dadurch hätte diese zu wenig Gewinn machen können. Die Weko verhängte deshalb eine Busse gegen die Swisscom. Das Bundesverwaltungsgericht hatte diesen Entscheid grundsätzlich gestützt. Die Swisscom will das Urteil vor Bundesgericht anfechten.

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3 Kommentare

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  • Kommentar von S. Meier (SM)
    Call-Center Mitarbeitende werden in absehbarer Zeit weltweit durch Roboter ersetzt werden.
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  • Kommentar von Hadrian Han (EU ist die einzige Lösung)
    So wird es noch manchen Firmen gehen in einem Land welches eigentlich zur EU gehört, sich aber von dieser distanzieren will. Zum Nachteil des einfachen Arbeiters, welcher höhere Preise für eine schlechtere Leistung bezahlen muss (Im Fall Swisscom Stichwort Roamingkosten - auch für Schweizer lohnt sich eine EU SIM Karte mit inkludiertem EU Roaming). Als Trost wird zumindest der CHF nun an Wert verlieren. Wacht auf Schweizer bevor es zu spät ist. Wir sitzen in Europa im selben Boot!
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    1. Antwort von Nicolas Dudle (Nicolas Dudle)
      Wir sind zwar stark anhängig von der EU, aber solange sie ihre ökonomischen Hausaufgaben (Annäherung der Nationalökonomien) nicht gemacht hat und sich nicht von der politischen Bühne zurückzieht, bringt m.E. ein Beitritt keinen Vorteil. Der EWR wäre der richtige Rahmen gewesen, um innenpolitisch etwas unabhängiger zu bleiben und ökonomisch verbundener zu sein. Wenn die EU untergeht, gehen wir mit unter, aber Gegensteuer im ausreichenden Mass ist heute von der CH nicht mehr zu erreichen.
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