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Wirtschaft Und sie erholen sich doch

Trotz eines wirtschaftlichen Dämpfers in Deutschland wächst die Eurozone so stark wie seit zwei Jahren nicht mehr. Die Spitzenresultate kommen aus Ländern, wo man solches nicht erwarten würde.

Legende: Video Erstaunlich starke Wirtschaft in Ländern Südeuropas abspielen. Laufzeit 1:50 Minuten.
Aus Tagesschau vom 13.05.2015.

Das Bruttoinlandprodukt der 19 Staaten der Eurozone wuchs in den Monaten Januar bis März 2015 um 0,4 Prozent. Dies gab die Europäische Statistikbehörde Eurostat bekannt. Grund dafür seien der tiefe Benzinpreis, welcher den Konsum ankurbelte und der schwache Euro, der den Export beflügelte. Frankreich überraschte mit einem Wachstum von 0,6 Prozent. Die zweitgrösste Volkswirtschaft der Eurozone wächst damit im ersten Quartal 2015 doppelt so schnell wie Deutschland.

Noch besser als Frankreich entwickelte sich Spanien. Das von der Finanzkrise arg gebeutelte Land konnte in den vergangenen vier Quartalen konstant an Wachstum zulegen - zuletzt um 0,9 Prozent. Aber auch Italien wuchs wieder, wenn auch leicht, und beendete eine Durststrecke von vierzehn aufeinanderfolgenden Quartalen ohne Wachstum. Das höchste Wachstum erzielte der Inselstaat Zypern mit 1,6 Prozent.

Spaniens Erfolg auf tiefem Niveau

Die neusten Konjunkturzahlen würden den Aufwärtstrend des ehemaligen Sorgenkindes Spanien bestätigen, sagt Philipp Waeber, Länderanalyst bei der Credit Suisse: «Irgendwann musste der Krebsgang vorbei sein. Nach sechs Jahren sehen wir Verbesserungen im Arbeitsmarkt und ein gewisses Lohnwachstum. Das stärkt vor allem den Konsum, aber auch den Immobiliensektor.» Man müsse sich jedoch besinnen, dass die vorgelegten Wachstumszahlen auf einem «tiefen Niveau beruhen».

Waeber geht davon aus, dass die begonnene Erholung eine Fortsetzung finden dürfte, denn die Rahmenbedingungen wie tiefe Zinsen oder die Konsumentenstimmung seien weiterhin gut. Dies würde nachhaltig auf das Wachstum wirken.

Ein negativer Faktor für die Wirtschaft sei die hohe Verschuldung. Denn in Spanien sind laut Philipp Waeber nicht nur der Staat, sondern auch die Unternehmen und die Haushalte hoch verschuldet. Die Frage bleibe, «ob die gesteigerten Einkommen wirklich in die Wirtschaft fliessen oder ob damit Schuldenberge abgebaut werden.»

Deutschland schwächelt, Griechenland wieder in Rezession

Die grösste Volkswirtschaft Europas Deutschland hat seinen Aufschwung im ersten Quartal nur noch mit gedrosseltem Tempo fortgesetzt und wuchs mit 0,3 Prozent. Vor allem das deutsche Exportgeschäft litt unter der wackligen Weltkonjunktur. Wachstumstreiber waren erneut die Konsumenten, die dank steigender Löhne und Rekordbeschäftigung mehr Geld in der Tasche haben und dieses angesichts der tiefen Spar-Zinsen auch fleissig ausgeben.

Griechenland dagegen rutscht wieder in eine Rezession. Das griechische Bruttoinlandprodukt, das um 0,2 Prozent schrumpfte, ist nun schon das zweite Quartal in Folge rückläufig. Für Experten bewahrheiten sich damit Befürchtungen, dass der Kurswechsel der neuen Regierung um Alexis Tsipras und der Schuldenstreit mit den internationalen Geldgebern die im Vorjahr begonnene Konjunkturerholung zunichte gemacht hat.

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9 Kommentare

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  • Kommentar von Charles Dupond, Vivis
    Wo sich hohe Schuldenberge tuermen, muessen sich auch ebensohohe Guthabenberge erheben (Anfaengerfisik). Das ist der Naehrboden des Neofeudalismus mit masslosem Reichtum einer kleinen "Elite" einerseits und Erbschuldsklaverei in drueckender Not der Massen andererseits. Sogar auch immer mehr Milliardaere zoegen eine fiskalische Korrektur der uebelsten Ungleichgewichte einer Renaissance des Rasoir De La Nation, auf welchem sie selber auf ein sozial vertraegliches Nivo gestutzt werden, vor....
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    1. Antwort von u.felber, luzern
      Soso und sie wissen natürlich nicht, woher diese ganzen Schuldenberge kommen? Vielleicht von gewissen Kreisen, die das Fenster nicht weit genug aufmachen können und das Geld gleich Schaufelweise aus dem Fenster werfen. Verschwendung ist das Übel, die kommt auch nicht nur von links, sondern generell von Politikern, da sie ja für das Geld nicht arbeiten müssen!
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    2. Antwort von Walter Starnberger, Therwil
      Der Neofeudalist ist die EZB, Herr Dupond, die jeden Monat für 40 Milliarden Euro Staatsanleihen kauft. Und aus früheren Jahren schon für hunderte Milliarden solche bunkert. Die "Elite" heisst Mauro Draghi.
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  • Kommentar von Sandra Herrman, Stuttgart
    Vor allem bei den letzten drei Absätze frage ich mich wirklich in welcher Welt leben eigentlich solche Menschen, die derartige unqualifizierte Aussage tätigen (Wirtschafts-&Finanzsystem=Nullsummensysteme)? Die Verschuldung ist in Kreditgeldsystemen Grundvoraussetzung für die Existenz von Geld. Ferner habe ich auch den Eindruck, dass es sich eigentlich nur um Satire handeln kann. Oder glauben diese Leute allen Ernstes was die alles von sich geben? Ich stehe vollständig hinter meinen Kommentaren.
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  • Kommentar von Alex Bauert, Bern
    Klar Spanien, denn wer nach Hungerjahren auch nur ein wenig verdient, gibt es sofort aus, weil grosser Nachholbedarf besteht.
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