Signal des Fed US-Notenbank erhöht Leitzins und sendet überraschendes Signal

Der Leitzins steigt um ein Viertelpunkt und liegt nun in einer Spanne zwischen 0,5 und 0,75 Prozent.

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SRF-Korrespondent Korte zur Zinsanhebung in den USA

1:25 min, aus Tagesschau Nacht vom 15.12.2016
  • Die US-Notenbank Federal Reserve Systems (Fed) hat ihren Leitzins erstmals seit einem Jahr leicht um 0,25 Prozentpunkte angehoben.
  • Er bewegt sich damit künftig in einem Band zwischen 0,5 und 0,75 Prozent.
  • Der Beschluss sei einstimmig gefallen, teilt das Fed mit.
  • Die Erhöhung – erst die zweite seit 2006 – war von den Märkten in dieser Form erwartet worden.
  • Überrascht wurden die Märkte von der Ankündigung, dass für 2017 drei statt wie vielfach erwartet zwei Zinserhöhungen angepeilt seien.

Das Fed setzt mit der minimalen Erhöhung ihren Kurs fort, die Geldpolitik nach der Finanzkrise zu normalisieren. Das teilte die US-Notenbank nach der Sitzung ihres Offenmarkt-Ausschusses in Washington mit. Vorausgegangen waren Jahre des ultralockeren Liquididätsflusses, mit dem Ziel, den stotternden Konjunkturmotor auf Laufen zu halten.

Überraschung: Drei Erhöhungen in 2017

Die eigentliche Überraschung der Fed-Ankündigung sei aber gewesen, dass die US-Notenbank für 2017 insgesamt drei Zinserhöhungen anpeilt, berichtet SRF-Korrespondent Jens Korte aus New York. Die Währungshüter würden somit «etwas aggressiver in die Zukunft blicken».

Als Folge dieser Ankündigung habe der Dollar um rund ein Prozent an Wert zugelegt. Die Aktienkurse an der Wall Street seien in der Folge relativ stark zurückgegangen. Auch der Öl-Preis habe sich um etwa vier Prozent verbilligt, berichtet Korte weiter.

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Was ist der Leitzins?

Der Leitzins ist der Satz, zu dem sich US-Banken untereinander Geld leihen, um ihre Reserven bei der Zentralbank auf der gesetzlich vorgeschriebenen Höhe zu halten und den sogenannten Mindestreservesatz einzuhalten.

Weltweite Auswirkungen

Zuletzt hatte sich der US-Arbeitsmarkt als sehr stabil erwiesen. Die Arbeitslosenquote liegt derzeit bei 4,6 Prozent. Auch die Inflation zieht langsam an, weil die höhere Beschäftigung zu höheren Einkommen führt. Ausserdem sind Energie- und Rohstoffpreise wieder leicht im Aufwärtstrend.

Das Fed hatte ihre Absicht fallen lassen müssen, bereits früher im Jahr 2016 an der Zinsschraube zu drehen. Unter anderem sprachen auch weltwirtschaftliche Gründe dagegen.

Die US-Zinspolitik hat vor allem in Entwicklungsländern grosse Auswirkungen, weil dort viele Geschäfte in US-Dollar abgewickelt werden und auch Schulden in der US-Währung auflaufen.

Weitere Zinsschritte 2017

Unklar bleibt, inwieweit die Wirtschaftspolitik der neuen Regierung von Präsident Donald Trump die künftige Geldpolitik beeinflussen wird. Signale von Fed-Mitgliedern sprechen derzeit für drei Zinsschritte im kommenden Jahr.

In Europa hatte die Europäische Zentralbank (EZB) erst vorige Woche ihre ohnehin extrem weit geöffneten Geldschleusen noch weiter geöffnet und neue Anleihekäufe in Milliardenhöhe angekündigt.

Eine Leitzinserhöhung in der Eurozone liegt damit noch in weiter Ferne. Eine zu grosse Lücke zwischen europäischem und amerikanischem Zinsniveau wäre eine weitere Belastung für den Euro.

Auch in der Schweiz wird nach der geldpolitischen Sitzung der Schweizerischen Nationalbank am Donnerstag mit keiner Zinserhöhung gerechnet. Experten nehmen allgemein an, dass die Notenbank ihren Negativzins in der bisherigen Höhe beibehält.

Einschätzung von Massimo Agostinis, Wirtschaftsredaktor Radio SRF

Der Entscheid des Fed, den Leitzins sachte zu erhöhen und im nächsten Jahr möglicherweise drei weitere Zinserhöhungen vorzunehmen, dürfte in allen Industriestaaten mit Erleichterung zur Kenntnis genommen worden sein. Zwar macht eine Schwalbe noch keinen Frühling. In Europa und in der Schweiz dürften die Zinsen vorderhand noch tief bleiben, da die EZB erst letzte Woche entschieden hat, ihr Programm des billigen Geldes zu verlängern. Sollte das Fed im nächsten Jahr aber tatsächlich die Zinsen weiter erhöhen, wird auch die EZB nachziehen müssen. Für die Schweizerische Nationalbank (SNB) wäre das eine grosse Erleichterung: Sie könnte die Negativzinsen langsam anheben, welche das hiesige Rentensystem unterminieren und auch den Banken arg zusetzen.