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Rohstoff-Deal Verfrühtes Weihnachtsgeschenk für Wladimir Putin

Glencore beteiligt sich zusammen mit Katar am russischen Staatsunternehmen Rosneft.

Legende: Video Glencore beteiligt sich an Rosneft abspielen. Laufzeit 00:23 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 08.12.2016.
  • Der weltgrösste Rohstoffhändler Glencore und das Emirat Katar wollen sich am staatlichen russischen Ölförderer Rosneft finanziell beteiligen. Der Deal soll bis Mitte Dezember abgeschlossen sein.
  • Es soll insgesamt um einen Anteil von 19,5 Prozent gehen, der zusammen mit dem Emirat Katar übernommen würde. Der Kaufpreis belaufe sich auf 10,2 Milliarden Euro.
  • Der Deal zwischen Rosneft und Glencore und Katar ist das bisher grösste Privatisierungsgeschäft für Russland, das wirtschaftlich stark unter dem Absturz der Ölpreise leidet.

SRF News: Weshalb will Russland diese Anteile an Rosneft gerade jetzt verkaufen, wo der Ölpreis so tief ist?

Benjamin Triebe: Der tiefe Ölpreis belastet zwar auch Rosneft, aber weit mehr den russischen Staat. Das russische Budget ist tief rot und wird in diesem Jahr wahrscheinlich mit über 3,7 Prozent der Wirtschaftsleistung ins Minus geraten. Deswegen, so die offizielle Begründung, will man nun mit Privatisierungen vorwärts machen. Die Teilprivatisierung von Rosneft ist bis jetzt die grösste und die überraschendste.

Verliert Russland im Zuge des Deals jetzt die Kontrolle über Rosneft?

Nein. Die Mehrheit des Konzerns bleibt in der Hand des Staates. Der Kreml kontrolliert im Moment knapp 70 Prozent an Rosneft, jetzt werden 19.5 Prozent verkauft. Er hat also weiterhin die Kontrollmehrheit von über 50 Prozent.

Der Kreml wird seinen Einfluss auf die Öl- und Gasindustrie nicht aus der Hand geben.

Das hat Präsident Putin auch betont, denn für den Kreml ist Öl und Gas eine wichtige Branche und da will man den Einfluss nicht aus der Hand geben. Besonders wenn es um den weltgrössten börsennotierten Erdölkonzern geht.

Und für Glencore ist das ein guter Deal?

Für Glencore ist das wahrscheinlich ein ziemlich guter Deal. Es sieht so aus, dass Glencore von den insgesamt 10,5 Milliarden Euro, die diese Transaktion umfasst, nur etwa 300 Millionen aus eigenem Kapital aufbringen muss. Der Rest wird über Lieferverträge für Öl geregelt und über Bankdarlehen. Für 300 Millionen Euro an einen Anteil von knapp zehn Prozent (die anderen zehn Prozent gehen an Katar) von Rosneft zu kommen, ist kein schlechtes Geschäft.

Zur Person

Der Journalist Benjamin Triebe trat 2009 in die Wirtschaftsredaktion der NZZ ein. Seit 2012 arbeitet Triebe als Korrespondent in Moskau, von wo er Russland, den Kaukasus und Zentralasien abdeckt.

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13 Kommentare

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  • Kommentar von m. mitulla (m.mitulla)
    Es war ein Ziel der Sanktionen des "guten Westens" gegen Russland, dass Putin die staatlichen Öl- und Gasquellen verkaufen muss. Nun sind 20% verkauft - der Kampf um weitere Anteile nimmt seinen Lauf. Dabei nimmt die mächtigste Militärmacht selbst Kriege in Kauf - selbstverständlich nicht auf eigenem Boden, das versteht sich ja wohl von selbst.
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  • Kommentar von Wolfgang Bortsch (a2b3c4d5)
    Interessant , daß RUSSLAND einen anderen Öl Produzenten an sein Öl heranläßt als sich selbst ! Von RUSSLAND erlebt man so eine Haltung nicht alle Tage !
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  • Kommentar von Heinrich Abendland (Demokrat)
    Ich staune nicht schlecht wie die Putin verstehen aus den Löchern kriechen. Sie können schreiben wie sie wollen, der kleine Ex KGB Agent hat versagt. Die grobe Rechnung kommt jetzt dann noch. Denn Kriege kosten Geld.
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