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Wirtschaft Währungsfonds malt düsteres Brexit-Szenario

Wenige Tage vor der Schicksalsabstimmung hat der Internationale Währungsfonds (IWF) seine Warnungen vor einem Brexit noch einmal verschärft. IWF-Direktorin Lagarde unterstrich in einem flammenden Appell die Wichtigkeit der EU für Grossbritannien.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) warnt nochmals deutlich vor einem Austritt Grossbritanniens aus der EU. Ein neuer IWF-Bericht prognostiziert für das Vereinigte Königreich eine um 4,5 Prozentpunkte niedrigere Wirtschaftsleistung bei Verlassen der Europäischen Union.

IWF-Chefin Christine Lagarde hat unterdessen in einem flammenden Appell die Vorteile des Verbleibs in der EU betont. Grossbritannien sei Teil europäischer Fertigungsketten, etwa in der Auto- und Raumfahrtindustrie, sagte Lagarde in Wien. Das Handelsvolumen des Landes sei durch die EU-Mitgliedschaft grösser geworden, sowohl Löhne als auch Produktivität seien gestiegen.

Christine Lagarde bei einer Rede.
Legende: Grossbritannien habe stark von der EU profitiert, sagte IWF-Chefin Lagarde. Reuters

Hauptverlierer Grossbritannien

Ferner habe die EU dazu beigetragen, Grossbritannien in eine dynamische und lebendige Volkswirtschaft zu transformieren. «Grossbritannien hat von den vielen Beiträgen talentierter und fleissiger Migranten aus aller Welt und auch aus der EU profitiert», sagte Lagarde.

Die Experten des Fonds machten auch deutlich, dass Grossbritannien wirtschaftlicher Hauptverlierer eines Brexit sein würde. «Die hauptsächlichen makroökonomischen Auswirkungen würden Grossbritannien betreffen», so ein IWF-Experte.

Zu wenig fit für ein Abenteuer

Grossbritannien begebe sich in das Abenteuer Brexit als ein wirtschaftlich angeschlagenes Land. Seit der Finanzkrise 2008 konnte das Königreich nicht mehr die Maastricht-Kriterien für die Staatsverschuldung erreichen.

Das Haushaltsdefizit liegt derzeit bei vier Prozent, die Gesamtverschuldung bei über 80 Prozent des Bruttoinlandproduktes. Probleme sieht der IWF weiterhin bei der Produktivität und dem vergleichsweise grossen Leistungsbilanzdefizit von über fünf Prozent.

Widersprüchliche Umfragen

Umfragen zum Votum zeigten in den letzten Tagen einen leichten Vorsprung der EU-Gegner. Eine neu veröffentlichte Befragung der Zeitung «The Herald» zeichnete indes ein widersprüchliches Bild: In einer Telefonumfrage sprachen sich 53,3 Prozent der Befragten für einen Verbleib in der EU aus. Eine separate Online-Befragung ergab dagegen eine Mehrheit von 55,5 Prozent für einen Austritt.

Die Befragungen fanden vor der Ermordung der Abgeordneten Jo Cox statt. Per Telefon wurden über 1000 Personen befragt. Die Veröffentlichung sollte ursprünglich am Tag der Tat erfolgen, wurde aber auf Samstag verschoben.

«Times» gegen Brexit

Derweil hat sich die konservative britische Zeitung «The Times» für den Verbleib Grossbritanniens in der EU ausgesprochen. «Das beste Ergebnis des Referendums nächste Woche wäre eine neue Allianz souveräner EU-Nationen unter Führung Grossbritanniens, die sich für Freihandel und Reform einsetzt», schrieb die Zeitung in einem Leitartikel unter dem Titel «Europa neu gestalten».

Die «Times» gehört zum Medienimperium von Rupert Murdoch, zu dem auch «The Sunday Times» und «The Sun» zählen. Das Boulevardblatt, Grossbritanniens auflagenstärkste Tageszeitung, hat sich seinerseits für einen Brexit ausgesprochen.

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16 Kommentare

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  • Kommentar von Nicolas Dudle  (Nicolas Dudle)
    Sollten sich die Briten für den Brexit entscheiden, sollten sie sofort neue Allianzen schmieden. Ein Brexit würde problemlos akzeptiert, wenn die Regierung bereits neue Allianzen vorbereitet und kommuniziert hätte. Diese Lösung fasst Cameron offensichtlich noch gar nicht ins Auge. Das ist schade, denn damit wäre ein EWR 2.0 mit vorwiegend wirtschaftlicher Ausrichtung näher gerückt, in der GB sich durchaus in einer starken Position hätte etablieren können. Die EU ist zu politisch geworden.
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  • Kommentar von Hans Haller  (panasawan)
    Die City of London ist so oder so ein Verlierer. Das Gewicht des Finanzzentrums wird in Frankfurt sein müssen. Das ist keine Frage des BREXiTs. Das Finanzzentrum wird alsbald, bei nächster Gelegenheit von Deutschland übernommen. London ist passé, da ist die BREXiT-Frage gar nicht mehr von Bedeutung. Die Zukunft gehört den Starken und dazu zählt Grossbritannien nun defintiv nicht mehr. D&F sagen wo's lang geht.
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  • Kommentar von M. Roe  (M. Roe)
    Es ist klar, dass die Multi-Kulti-Anhänger +vor allem all die Briten mit ausländischem Hintergrund ein düsteres Bild mahlen +die echten Briten vor dem "Untergang" warnen wollen. Wenn es noch genügend Engländer, Schottländer +Iren in GB gibt, dann werden sie den BREXIT wählen. Die Schotten haben heute noch kaum Einwanderer, das würde sich aber bei einem Verbleib ändern, London wird von Moslems beherrscht (deshalb der islamische Bürgermeister), ich hoffe auf einen BREXIT für das menschliche Land.
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    1. Antwort von Nicolas Dudle  (Nicolas Dudle)
      Es gibt etwa gleich viele Schottländer wie Schweizerländer...
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