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Ein Jahr nach der Enthüllung Was die «Panama Papers» bewirkt haben

Die Informationen zu hunderttausenden Briefkastenfirmen waren weltweit eine Sensation. Inwieweit der Skandal strafrechtliche Folgen haben wird, ist noch nicht klar, sagt der Geldwäscherei-Experte Daniel Thelesklaf.

Legende: Audio «Das Bewusstsein der Öffentlichkeit wurde geschärft» abspielen. Laufzeit 2:37 Minuten.
2:37 min, aus HeuteMorgen vom 03.04.2017.
  • Rund um den Globus begannen Behörden vor einem Jahr wegen der «Panama Papers» zu ermitteln.
  • Prominente aus Politik, Wirtschaft und Sport gerieten ins Viser der Ermittler. In Island brachte die Affäre den damaligen Ministerpräsidenten zu Fall.
  • Es sei noch zu früh, um zu sagen, inwieweit der Skandal strafrechtliche Folgen haben werde, sagt der Geldwäscherei-Experte Daniel Thelesklaf.
  • Die Enthüllung habe aber das Bewusstsein der Öffentlichkeit für das Thema Steueroasen geschärft, so Thelesklaf.

SRF News: Was ist aus dem Skandal geworden, den ein internationales Journalisten-Netzwerk mit den «Panama Papers» ans Licht brachte?

Daniel Thelesklaf: Es hat ein Thema an die Oberfläche gebracht, das in Fachkreisen schon lange bekannt war. Für die Expertinnen und Experten war die Enthüllung keine grosse Neuigkeit. Aber sie hat das Bewusstsein der Öffentlichkeit dafür geschärft, dass man in Bezug auf die Transparenz von Gesellschaften mehr machen muss.

Für die Expertinnen und Experten war die Enthüllung keine grosse Neuigkeit.
Autor: Daniel ThelesklafGeldwäscherei-Experte

In zahlreichen Staaten dauern die Untersuchungen zum Missbrauch von Briefkastenfirmen in Steueroasen an. Wird das Ganze strafrechtliche Konsequenzen haben?

Das wird man abwarten müssen. In einzelnen Staaten gab es bereits Bussen gegen die betroffene panamaische Anwaltskanzlei Mossack Fonseca. Dieses Unternehmen steht vor dem Ende, die Firmeninhaber wurden verhaftet. Auch in Ländern ausserhalb Panamas wurden Bussen verhängt. Sonst hat man bisher noch nicht sehr viel gesehen, aber viele Dinge sind derzeit auch noch in Auswertung.

Die Anwaltskanzlei Mossack Fonseca steht vor dem Ende.
Autor: Daniel ThelesklafGeldwäscherei-Experte

Für eine abschliessende Bilanz ist es noch zu früh. Trotzdem: Hat sich die Arbeit des Journalisten-Netzwerks gelohnt, das die «Panama Papers» ausgewertet hat?

Dieses Netzwerk hat ausgezeichnet gearbeitet. Das muss man neidlos zugestehen. Gefallen hat mir aus die klare Trennung zwischen jenen Fällen, in welchen eine öffentliche Berichterstattung angebracht war, und jenen schätzungsweise 99 Prozent der Fälle, in denen es keinen Hinweis auf eine strafbare Tätigkeit gibt. Zwar kamen viele Einzelfälle ans Licht. Verglichen mit der enormen Anzahl an Datensätzen, auf die das Netzwerk Zugriff hatte, sind es aber doch relativ wenige. Das unterstreicht die Vermutung, dass die Verwendung solcher Gesellschaften grundsätzlich legal ist. Es zeigt aber auch, dass es ein Missbrauchspotential gibt und man gegen diese Missbräuche etwas machen muss.

Das Gespräch führte Jan Baumann.

1 Jahr Panama Papers

Am 3. April 2016 gelangten die «Panama Papers» an die Öffentlichkeit. Sie zeigen die versteckten Inhaber von Briefkastenfirmen und wer mit diesen Geschäfte getätigt hat. Die Informationen über die Offshore-Geschäfte basieren auf einem Datenleck bei der panamaischen Anwaltskanzlei Mossack Fonseca. Die 11,5 Millionen Dokumente wurden der «Süddeutschen Zeitung» von einer anonymen Quelle zugespielt. Die Auswertung erfolgte zusammen mit dem Internationalen Konsortium für Investigative Journalisten (ICIJ) in Washington.
In den Panama Papers tauchten die Namen von mehreren amtierenden Staatsoberhäuptern auf. In der Folge traten Politiker zurück, 150 Untersuchungen begannen in 70 Ländern. Kurz nach der Enthüllung trat der isländische Premier Sigmundur David Gunnlaugsson zurück. Auch der ehemalige britische Premierminister David Cameron, der argentinische Präsident Mauricio Macri, der spanische Regisseur Pedro Almodovar, der Schauspieler Jackie Chan und der Fussballer Lionel Messi kamen durch die Panama Papers unter Bedrängnis.

Daniel Thelesklaf

Der Zürcher ist Vorsitzender des Geldwäscherei-Ausschusses des Europarats und Leiter der Stabstelle Financial Intelligence Unit in Liechtenstein.

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5 Kommentare

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  • Kommentar von Denise Casagrande (begulide)
    Bei sich selber beginnen - im eigenen Land - bei den eigenen "Reichen und Mächtigen" in: Bundesrat, Parlament, Politik, Managern im eignen Verwaltungsapparat, Banken, Wirtschaft, Industrie, Pharmalobby,......Die Schweiz ist nicht umsonst das "Land der Reichen". Es florieren - auch auf Volkskosten - Vetternwirtschaft, Lobbyismus, Korruption...Bei diesem Politfilz...."Eine Hand, wäscht die andere", oder "Söihäfeli, Söideckeli"....
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  • Kommentar von Bruno Hochuli (Bruno Hochuli)
    Wie so vieles auf der Welt, wird auch diese Aktion im Sande verlaufen. Die Mächtigen dieser Welt werden immer ein Schlupfloch finden um die bevölkerung zu betrügen. Leider wehrt sich Otto Normalbürger viel zu wenig, im Gegenteil dulden die Betrügereien noch und schaden sich so selber.
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  • Kommentar von tom rosen (tom rosen)
    Ja, was ist geblieben... Was ist nach Watergate geblieben? Was ist nach der Fichen-Affäre geblieben? Was ist nach Wikileaks und Ed Snowden geblieben? Wir werden mehr denn je instrumentalisiert, der amerikanische Bruder bespitzelt uns und sich selber perfider denn je, die "Mächtigen" besteuern ihre Wähler mehr denn je und tun so als ob sie sich wundern, dass auch das Volk und nicht nur sie selbst ihre eigenen Steuern hinterziehen. Aber die Schweiz ist dann schuld. Und Liechtenstein & Co.
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