Zum Inhalt springen
Inhalt

Wirtschaft Was kriegen die Arbeitnehmer vom Wachstum?

Unternehmer und Wirtschaftskapitäne frohlocken: Die Schweizer Wirtschaft hat laut den Ökonomen gute Zeiten vor sich. Zum ersten Mal überhaupt werde die Schweiz sogar mehr als 600 Milliarden Franken in einem Jahr erwirtschaften. Aber erhalten auch die Arbeitnehmer ein Stück vom Kuchen?

Arbeiter auf dem Bau.
Legende: Boombranche: Auf dem Bau läuft es wie am Schnürchen. Keystone

Es sind in erster Linie die Konsumenten, die die Wirtschaft am Laufen halten. Caesar Lack von der UBS-Forschungsabteilung sagt: «Im zweiten Quartal ist die Wirtschaft besser gelaufen – was wir auch erwartet hatten. Insbesondere läuft die Binnenwirtschaft sehr gut. Der Konsum wächst im Jahresvergleich um drei Prozent. Das ist sehr viel.»

Die Unternehmen spüren, dass mehr konsumiert und verkauft wird. Gewerbeverbandsdirektor Hans-Ulrich Bigler ist jedenfalls zufrieden mit der aktuellen Lage und den Aussichten: «Die Stimmung ist seit mehreren Monaten zuversichtlich.» Die Konjunktur werde von der Binnenwirtschaft, den KMU und vor allem auch vom Konsum getragen. «Angesichts des sich abzeichnenden Wachstums in der Weltwirtschaft sind diese Zahlen für uns absolut plausibel», sagt Bigler.

Angestellte sollen profitieren

Prognostiker halten es für möglich: ein Wirtschaftswachstum von bis zu zwei Prozent im laufenden Jahr und noch mehr für 2014. Von diesem Aufschwung sollten auch die Angestellten profitieren, meint Daniel Lampart, der Chefökonom des Gewerkschaftsbundes SGB: «Der Wirtschaft geht es jetzt besser. In der Eurozone scheint die Rezession vorbei.» So werde auch in der Exportwirtschaft wieder mehr Geld verdient.

Und er unterstreicht: «Im Bau läuft es sowieso hervorragend. Lohnerhöhungen liegen also absolut drin.»

Konkret bedeutet dies: «Wir verlangen 1,5 bis 2 Prozent mehr Lohn; 100 Franken höhere Mindestlöhne, dass alle etwas davon haben und untere Löhne weiterhin gut geschützt sind.»

Doch höhere Löhne werden die Gewerkschaften vor allem in den Branchen durchsetzen können, in denen die Beschäftigungslage gut ist und wo es gar einen Fachkräftemangel gibt. Und, daran erinnert UBS-Ökonom Lack, Wachstum und damit auch neue Stellen gibt es nicht überall: «Der Strukturwandel hat sich beschleunigt in den letzten paar Jahren. Zum Beispiel wurden im Gesundheits- und Sozialwesen im Jahresvergleich 20‘000 neue Stelle geschaffen, während in der warenproduzierenden Industrie 10‘000 Stellen verloren gingen.»

Arbeitslosigkeit bleibt trotzdem

Deshalb ist es laut Lack nicht zu erwarten, dass die Arbeitslosigkeit bald noch weiter zurückgeht: «Wir werden auch weiterhin eine leicht ansteigende Arbeitslosenrate haben, weil es schwierig ist, von einem Industriebetrieb in den Dienstleistungssektor zu wechseln.»

Während der Dienstleistungssektor wächst, werden in der Industrie also keine neuen Stellen geschaffen. Damit diese Rechnung aufgeht, müsste die Wirtschaft deutlich mehr als zwei Prozent wachsen.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

4 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Ernst Jacob, Moeriken
    Zum Beispiel wurden im Gesundheits- und Sozialwesen im Jahresvergleich 20‘000 neue Stelle geschaffen..., der unwiderlegbare Beweis, dass, das was ich immer sage, offensichtlich auch korrekt ist. Der Bereich, der dazu dient, 'kranke' Menschen 'gesund' zu pflegen', ist der einzig Bereich, der wirklich boomt. Wer wundert sich da noch, dass die Prämien ständig steigen und die Sozialkassen ständig mehr Gelder benötigen. Kranke Menschen sind das grosse Geschäft der Zukunft, nicht Produktion und Handel
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Tom Duran, Basel
    Was wir Arbeiter bekommen? Nichts! Aha doch, Luschen aus der EU und noch mehr Arbeit bei noch weniger Personal! Und ja, die Löhne sinken! Wer provitiert dann? Dreimal dürfen sie raten: diejenigen die eh schon in Geld schwimmen! Dumm nur dass der Schweizer doch sehr einfach, ja naiv denkt. Er lässt sich bequatschen und nickt artig mit dem Kopf. Dazu trötzelt man mit der 1:12 Initiative schnell was hin, merkt aber nicht, dass das nichts bringt. Denn dort steht nichts von einer Lohnumverlagerung!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Peter H. WILLI, Rheinfelden
      Sie haben leider Recht. Wir Schweizer kommen teurere Wohnung, teureren Strom und vor allem noch mehr CO2. Liebe Mit-L-Eidgenossen spart, damit ihr bis 45 das Fluchtkaipatl zusammen habe, denn mit 50 werden wir rausgeschmissen und durch Billig-Importe ersetzt. Damit können wir uns auch noch die Rente ans Bein streiche. KURZ: Werdet gute Flüchtlinge damit es wieder Platz gibt !
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Lena Meier, Brugg
    Die Wirtschaft boom einzig und allein wegen der Zuwanderung. Irgendwann wird alles zugebaut sein und die Blase wird platzen. Sehr viele der Zugewanderten werden dann wieder gehen. Sie sind nicht verwurzelt hier und viele können es sich ja dank dem vergleichsweise grossen Lohn leisten ein Haus zu bauen in Kroatien, der Türkei oder wo auch immer. Selber haben wir dann den ganz grossen Crash, abertausende leerer Wohnungen, was ohne Zweifel die gesamte Wirtschaft mitreissen wird.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen