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Wirtschaft Was macht einen guten Finma-Direktor aus?

Nur einen Tag nach dem Rücktritt von Finma-Direktor Patrick Raaflaub werden bereits die ersten Forderungen an dessen Nachfolger laut. Die Expertenwelt ist sich derweil noch uneins, welche Voraussetzungen der oder die Neue eigentlich mitbringen sollte.

Legende: Video Die Frage nach der Banken-Vergangenheit abspielen. Laufzeit 1:49 Minuten.
Aus Tagesschau vom 16.01.2014.

Patrick Raaflaub hat am Mittwoch überraschend seinen Rücktritt vom Posten des Finma-Direktors bekanntgegeben. Nun stellen die Privatbanken bereits die ersten Anforderungen an seine Nachfolge.

«Ich wünsche mir einen Dialog», sagt Christoph B. Gloor, Präsident der Schweizer Privatbankiers. Und: «Wir erwarten, dass der neue Direktor mit Augenmass reguliert, dass er sich an internationalen Standards orientiert.» Zudem dürfe der Nachfolger oder die Nachfolgerin die Wettbewerbsfähigkeit des Finanzplatzes Schweiz nicht aus den Augen verlieren.

Wissenschaft ergo Unabhängigkeit

Grosser Streitpunkt bleibt, ob der oberste Bankenaufseher eine Banken-Vergangenheit haben darf – oder nicht. Für Bankenprofessorin Simone Westerfeld ist die persönliche Unabhängigkeit grundsätzlich keine Frage der beruflichen Vergangenheit. Sie tendiere aber eher zu jemandem aus der Wissenschaft mit starkem fachlichen Bezug zur Finanzwirtschaft, sagt sie. «Diese Person hat damit ihre Unabhängigkeit bereits unter Beweis gestellt».

Ganz anders sieht es Wirtschaftsrechtler Peter Hettich. Für ihn ist es im Amt des Finma-Direktors wichtiger, möglichst viel Fachwissen zu besitzen. «Die Person muss aus der Finanzbranche stammen. Sie muss Erfahrungen und Know-how mitbringen, um auf Augenhöhe mit den Finanzinstituten zu agieren», sagt Hettich.

Eine Banken-Vergangenheit birgt Angriffsfläche

Das Beispiel von Finma-Vizedirektor Mark Branson zeigt aber, dass eine Banken-Vergangenheit viel Angriffsfläche bietet. Dem ehemaligen Top-Banker der UBS wird immer wieder eine zu bankenfreundliche Politik nachgesagt. Trotzdem sei ein Wissenschaftler nicht die bessere Lösung. «Ich bin mir nicht sicher, ob eine solche Person dieselbe Effektivität an den Tag legen könnte. Immerhin haben wir im Verwaltungsrat der Finma solch unabhängige Personen», sagt Wirtschaftsrechtler Peter Hettich.

Unabhängiger Direkter und praxisorientierte Vertreter

Der Finma-Direktor sei das Aushängeschild und müsse Unabhängigkeit verkörpern, hält Simone Westerfeld dagegen. Das Fachwissen hätten Mitarbeiter im Alltagsgeschäft. «Hier kann man unterscheiden: Das Direktorium muss in der Lage sein, unbequeme Fragen unabhängig anzugehen. Gleichzeitig gibt es Vertreter in der Finma, die den Praxisbezug haben».

Einigkeit herrscht zumindest in einem: Es braucht in der Finma beides – Unabhängigkeit und Fachwissen. Die Frage ist nur, was der Direktor verkörpern soll.