Frauen, lasst uns darüber reden

Trotz guter Ausbildung: Frauen schaffen es immer noch selten, in Unternehmen nach oben zu kommen. Über die missliche Lage diskutierten am World Economic Forum mehrere Frauen, die genau das geschafft haben. Es blieb bei Worten.

Die Zahlen sprechen für sich. 60 Prozent der jungen Menschen, die in Europa eine Hochschule abschliessen, sind mittlerweile Frauen. Demgegenüber stehen die 500 grössten Unternehmen, von denen nur 13 von Frauen geleitet werden.

Auf dieser Grundlage organisierte das World Economic Forum eine Diskussion. Im Raum stand die Frage: Wann endlich schliesst sich die Kluft zwischen den Geschlechtern?

Das Podium zum Thema war hochkarätig besetzt. Unter anderem nahm IWF-Chefin Christine Lagarde teil, neben ihr sass Harvard-Direktorin Drew Gilpin Faust. Auch Facebook-Geschäftsleitungsmitglied Sheryl Sandberg und EU-Kommissarin Viviane Reding waren gekommen.

Das Ungleichgewicht zwischen ausgebildeten Frauen und ihrem Anteil in den Führungsebenen verändere sich nur sehr langsam, konstatierte Moderatorin Herminia Ibarra von der Yale University.

Lagarde: «Viel Diskriminierung erfahren»

Christine Lagarde hatte das Thema Gleichberechtigung bereits bei ihrer WEF-Eröffnungsrede angesprochen. Am Diskussionsforum gibt sie zusätzlich Einblick in ihr Privatleben: «Als Mädchen und junge Frau habe ich viel Diskriminierung erfahren», so die IWF-Chefin. «Ich wuchs in einer Männerwelt, mit Brüdern, auf.» Das habe sie sensibler gegenüber Minderheiten gemacht.

Auch die Harvard-Direktorin berichtet, dass sie unter Männern aufgewachsen sei. «Ich habe festgestellt, dass es völlig andere Möglichkeiten zur Interaktion gibt», sagt Drew Gilpin Faust. Vielleicht ist es kein Zufall, dass gerade diese Frauen, die früh gelernt haben, sich gegen Jungen und Männer durchzusetzen, heute ganz oben sind.

Sheryl Sandberg klagt vor allem die Selbstverständlichkeit an, mit der Frauen anhand von Stereotypen zurückgehalten würden. «Je erfolgreicher eine Frau wird, desto weniger wird sie gemocht, von Männern und von Frauen», stellt die Facebook-Managerin fest. Hingegen würden Männer mit steigendem Erfolg mehr gemocht.

Reding: «Die gläserne Decke durchbrechen»

Viviane Reding ist eine der lautesten Stimmen für die Gleichberechtigung von Frauen und Männern. So hat die EU-Justizkommissarin im November ein Gesetz entworfen, das einen Frauenanteil von 40 Prozent in grossen börsennotierten Unternehmen verlangt. Für sie ist das schlicht logisch: «Wir sind ein alternder Kontinent. Wir haben nicht genügend junge Talente», so Reding. Die Frauen würden ausgebildet, aber deren Talent nicht genutzt.

Die Quoten sollten kein Dauerzustand sein. Einen Zeithorizont nennt Reding indes nicht, nur so viel: «Wir müssen die gläserne Decke durchbrechen.» Es brauche ausserdem Frauen, «die zeigen, dass es geht.» Frauen, wie sie und ihre Diskussions-Kolleginnen.

In einem waren sich die Diskussionsteilnehmerinnen einig: Das Thema muss auf den Tisch, immer wieder, und in jedem Unternehmen. Geredet wurde viel. Und sie hätten gerne noch weitergeredet. Das Resumee lautete: Man sei an einem Punkt, an dem es kein Zurück gebe. Die Runde blieb aber grösstenteils Antworten schuldig, wie es nach vorne gehen solle.