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WEF 2014 Wo bleiben die Globalisierungs-Kritiker?

Der Start des WEF ging ohne gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen Ordnungshütern und Aktivisten über die Bühne. Für den Rest der Woche sind friedliche Demonstrationen angekündigt. Ist den WEF-Gegnern der Schnauf ausgegangen? Oder haben sie ihre Ziele erreicht?

Das Hotel Intercontinental hinter Stacheldraht in Davos
Legende: Die Wirtschaftselite bleibt in den ersten Stunden des WEF 2014 ungestört. Im Bild das Hotel Intercontinental in Davos. Keystone

Das Weltwirtschaftsforum 2014 verläuft ruhig. Am Samstag ist – wie jedes Jahr – ein friedlicher Protestmarsch der Jungsozialisten und Linken der Region geplant.

Das war nicht immer so. Vor ein paar Jahren noch war gab es am WEF massive Demonstrationen von Globalisierungsgegnern – nicht nur in Davos, sondern beispielsweise auch in Zürich.

Ganz allgemein scheint der globalisierungskritischen Bewegung der Atem ausgegangen zu sein. Gibt es sie nicht mehr?

«Diese Wirtschaft tötet»

«Das würde ich so nicht sagen», sagt der Soziologe Klaus Dörre. Sie habe sich ausdifferenziert und zum Teil ihre Ziele erreicht. «Die Kapitalismus-Kritik, welche diese Bewegung formuliert hat, ist inzwischen im Zentrum der Gesellschaft angekommen», so Dörre.

So habe der Papst in seiner Enzyklika formuliert, «diese Wirtschaft tötet». Und auch der WEF-Gründer Klaus Schwab habe schon 2012 argumentiert, dieser Finanzmarkt-Kapitalismus passe nicht mehr in diese Welt. Er habe von einem Planet mit Burnout-Syndrom» gesprochen. «Wenn wir eine Verlagerung der Krisenherde haben, ist es natürlich schwierig, Davos zu dem Ort der Gegenmobilisierung zu erklären.»

«Die ganze Welt bezahlt die Krise des Kapitalismus»

Ganz anders erklärt David Roth, Präsident der Schweizer Jungsozialisten, die Abwesenheit der Kritiker. «Wer denkt, man habe etwas erreicht, betreibt Augenwischerei und atmet zu früh durch.» Die Wirtschaftselite habe keinen Sinneswandel vollzogen. «Die ganze Welt bezahlt momentan für die Krise, welche von einer pervertierten Finanzindustrie verursacht wird. Reiche werden reicher, Arme ärmer – auch in der Schweiz. Kantone schnüren Sparpakete auf Kosten der Ärmsten, während die Reichen Steuergeschenke erhalten.»

Der Juso-Präsident hat vor zwei Jahren die «Occupy»-Bewegung in Davos mitorganisiert. Er spricht von einer gewissen Resignation: «Wir haben uns dieses Jahr bewusst gegen eine Aktion entschieden. Wer in Davos demokratische Rechte wahrnehmen will, wird unglaublich von diesem riesigen MiIitär- und Polizeiapparat schikaniert, den sich der Bundesrat Millionen Kosten lässt.» Es sei ein Skandal, dass die Behörden die Grundrechte mit Füssen träten.

Kritiker treten Marsch durch die Institutionen an

Nicht resigniert hat die Juso mit ihren politischen Anliegen. «Wir fokussieren uns derzeit auf die politische Umsetzung unserer Forderungen», sagt Roth. So werde die Partei in diesem Jahr ihre Initiative gegen die Spekulation mit Nahrungsmittelpreisen einreichen.

Der Soziologe Dörre erklärt die Aktivisten-Flaute auch mit natürlichen Zyklen. Die Aktivisten würden altern und den Marsch durch die Institutionen antreten. «Das sieht man an Sven Giegold, einem ehemaligen Attac-Aktivisten, der inzwischen für Grüne im Europäischen Parlament sitzt.» Diese Entwicklung sei relativ normal und führe dazu, dass die Bewegung auf der Strasse erlahme. Doch damit gebe die globalisierungskritische Bewegung auch ein Feld frei, das von einer anderen, jüngeren Generation in neuer Weise besetzt werden könne.

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