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Wirtschaft «Weissgeldstrategie des Bundesrates ist überholt»

Die Schweizer Banken bekennen sich zu einem sauberen Finanzplatz Schweiz. Sie verlangen aber gleichzeitig, dass die Weissgeldstrategie des Bundesrates sistiert wird.

Patrick Odier am Rednerpult im Hotel Savoy in Zürich.
Legende: Patrick Odier, seit vier Jahren Präsident der Schweizerischen Bankiervereinigung (SBVg). Keystone

Inländische Spezialregeln beeinträchtigen die Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Banken. Davon ist Patrick Odier, Präsident der Bankiervereinigung (SBVg), überzeugt.

Er bedauere zwar, dass Schweizer Banken auf das Geschäft mit ausländischem Schwarzgeld gesetzt hätten. Das sei aber nicht wegen fehlender Kompetenzen geschehen, sondern weil die Banken falsch gehandelt hätten, erklärte er in Zürich. «Diesen Umstand bedauere ich umso mehr, als dass wir damit der Reputation des gesamten Schweizer Finanzplatzes Schaden zugefügt haben.»

Internationale Standards massgebend

Die Bankiervereinigung fordert nun die Sistierung der Weissgeldstrategie des Bundesrates. Ein klares Bekenntnis zur Einhaltung von internationalen Standards impliziere eine klare Ablehnung von rein nationalen Lösungen, begründete Odier die Forderung. Denn: Nationale Lösungen würden nie zu einem anerkannten internationalen Standard werden, so der Bankenvertreter.

Ihm geht beispielsweise die Selbstdeklaration, die der Bundesrat einführen möchte, zu weit: «Niemand hat uns darum gebeten, kein einziges Bankenzentrum in der Welt macht das – wieso sollten wir in der Schweiz das tun?» Odier will sich stattdessen lieber darauf konzentrieren, dass die Schweiz die Anforderungen der OECD einhält.

Gegen eine Schweizer Lösung

«Also kein Swiss Finish bei der Frage nach steuerkonformen ausländischen Vermögen in der Schweiz», sagte Odier weiter. Die Weissgeldstrategie sei bereits überholt und damit nicht länger wegweisend. «Wir müssen stattdessen das tun, was international üblich und verständlich ist. Nicht weniger, aber auch nicht mehr.»

Dass die SBVg dies ausgerechnet jetzt fordert – nur wenige Tage, nachdem der Bundesrat endlich eine Lösung im Steuerstreit mit den USA gefunden hat, ist bemerkenswert. Der Ball liegt nun beim Bundesrat.

Stichwort Weissgeldstrategie

Auf Schweizer Bankkonti soll in Zukunft kein Schwarzgeld mehr gebunkert werden können. Dies will der Bundesrat unter anderem mit der Einführung der Selbstdeklaration verhindern. Das heisst, ausländische Kunden sollen darlegen, dass ihr Geld tatsächlich versteuert ist. Ansonsten müssen die Banken sie mitsamt ihrem Vermögen abweisen.

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15 Kommentare

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  • Kommentar von Markus Guggisberg, Busswil
    Gute Strategie und Klartext von Herrn Odier, der die Illusionen und Kurzschlusshandlungen des Bundesrates benennt und auf den Punkt bringt.
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  • Kommentar von R.käser, Zürich
    Herr Odier Ihre Wünsche sind ein Skandal unter der Gürtellinie und unterstreicht die unbelehrbarkeit vom Bankenmilieu. Ich vordere den Bundesrad auf, dass das Volk mit staatlich legitimiertem Beschiss die Banken über den Tisch ziehen kann. Damit sollten die Bänkster mal fühlen wie sich ein Schmudellgescäft anfühlt wenn man auf der falschen Seite sitzt.
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    1. Antwort von Harald Girschweiler, 9500 Wil SG
      @R.Käser: Ich stelle fest, Sie können u. wollen die Einwände von Hrn. Odier nicht begreifen. Der volkswirtschaftl. Schaden der vom BR entgegen besseres Wissen hiermit angerichtet wird ist beträchtlich. Der Bankenplatz soll u. muss transparent und mit legalen Mitteln arbeiten. D. h. aber nicht, dass er gegenüber London, Deleware und anderen Offshore-Plätzen vorneweg wissentllich u. willentlich benachteiligt wird. Die Banken generieren ein Grossteil des Steuerbetr. von denen auch Sie profitieren.
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    2. Antwort von R.käser, Zürich
      @Girschweiler, die Industrie könnte ihren Abfall wie im fernen Osten einfach in den nächsten Bach schmeissen. Nach Ihrer Logik gibt das mehr Geld, mehr Arbeitsplätze und mehr Steuern. Auf einer Überbevölketern Welt hat es keinen Platz für Dreckgeschäfte. Das Haupübel sind alle Regierungen dieser Welt, welche es sträflichst unterlassen die Banken Straftäter zu bestrafen und das System zu säubern. Die US Bussen wird das Volk den Bänkster bezahlen das hat EWS nicht verhandelt!
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    3. Antwort von Harald Girschweiler, 9500 Wil SG
      @R. Käser: Lesen Sie einfach den heutigen Artikel bei SRF: Banken lagern Jobs aus. Man rechnet, dass bis zu 25'000 Jobs von den Banken auch in Osteuropa oder Indien erledigt werden können. Die RAV's und Arbeitslosenkassen wird es freuen und die gesamte Volkswirtschaft mit.
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  • Kommentar von Gabi Bossert, Safenwil
    Kurz und bündig heisst das, " mit Bschiss lässt sich einfach mehr Geld machen." Da wird jetzt bestimmt eine Menge Unterstützung folgen. Ja, die Banker verlumpen jetzt langsam, kaum noch Boni, Löhne nicht mehr dermassen exhorbitant, lohnt sich gar nicht mehr diesen Job zu machen. Arme Schweiz !
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    1. Antwort von Harald Girschweiler, 9500 Wil SG
      @Gabi Bossert: Wenn der Bankenplatz stark zurückgestutzt wird, weil wir Denselben im vorauseilenden Gehorsam gegenüber den anderen Finanzplätzen unnötigerweise kaputt machen, werden Sie als Erste jammern, wenn die Steuern nicht mehr im gewohnten Umfang fliessen und in absehbarer Zeit bis zu 8000 Bankangestellte, und ich spreche nicht von den obersten Kadern, arbeitslos werden. Sie sollten eher volkswirtschaftl. denken, wenn Sie wissen was ich damit meine
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    2. Antwort von Gabi Bossert, Safenwil
      Ach ,@H.Girschweiler, genauso laufen unwissende Behauptungen. Sie haben keine Ahnung von mir, ich werde weder als Erste jammern noch überhaupt. Ich möchte in diesem Land keine gestohlenen Gelder mehr akzeptieren, an denen wir uns bereichern, ebenfalls keine unsaubere und ungerechte Finanz- und Wirtschaftspolitik, so wie kein ungerechtes Sterben unseres Sozialstaates. Dieses System welches z.Zt. herrscht, wird langfristig zusammen brechen.g
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    3. Antwort von Harald Girschweiler, 9500 Wil SG
      @Gabi Bossert: Wenn man den Vorlesungen der Uni Zürich in Bezug auf Privat Banking folgt, werden sehr harte u. unsichere Zeiten auf die CH-Volkswirtschaft in Bezug auf den Finanzplatz anbrechen. Die Zahl von bis zu 25'000 Bankangestellten, welche in absehbarer Zeit den Job verlieren ist nicht aus der Luft gegriffen. Sie werden sich noch wundern. Kleine u. mittlere Banken werden verschwinden, die Servicequalität der verbleibenden Banken abnehmen.
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