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Wirtschaft Welche Dienstleistungen Steueranwälte anbieten

Ausgeklügelte Finanzkonstrukte auf tropischen Steueroasen: Nun hat sie ein internationales Journalisten-Netzwerk enthüllt. Prominente Namen gehen seither durch die Weltpresse. Im gleichen Atemzug wird die Anwaltskanzlei Lenz & Staehelin erwähnt. Steueranwälte im Fokus der Öffentlichkeit.

Anwälte sind ein verschwiegenes Volk. Sie wirken meist im Hintergrund, scheuen das Rampenlicht. Das gilt auch für Lenz & Staehelin. Die renommierte Kanzlei ist schweizweit die grösste ihrer Gilde mit gut 160 Anwälten. Rund 20 davon sind auf Steuerrecht spezialisiert.

Die Kanzlei zählt zweifellos zu den nobelsten Adressen im Land. Da kommt der internationale Wirbel rund um Finanzkonstrukte in Steueroasen von prominenten Kunden höchst ungelegen. Ins Mikrofon wollen die Anwälte nichts sagen; schon gar nicht zum Fall Gunter Sachs. Da verweisen sie auf die schriftliche Klarstellung der beiden externen Willensvollstrecker des prominenten Kunden: Diese haben gestern beteuert, Gunter Sachs habe seine Finanzkonstrukte – so genannte Trusts – in Übersee nicht missbraucht. Er sei seiner Steuerpflicht ordnungsgemäss nachgekommen.

Thelesklaf: Steuern sparen nicht verwerflich

Dass sich reiche Kunden wie Gunter Sachs in Vermögensfragen von einem Steueranwalt beraten lassen, ist an sich nichts Verwerfliches, sagt der Geldwäscherei-Experte Daniel Thelesklaf: «Es gehört zum ganz normalen Geschäft einer Anwaltskanzlei, seine Klienten zu beraten und zu betreuen.» Da könne es auch dazugehören, dass man Dienstleistungen erbringe, um Steuern zu sparen. «In der Regel ist das auch völlig legal: Jeder versucht den legalen Bereich auszunützen, um seine Steuerlast zu senken.»

Steueranwälte wie die von Lenz & Staehelin verfügen über das enorme Knowhow, das für eine globale Steuerberatung nötig ist: Sie kennen sich mit unzähligen Finanzkonstrukten aus, mit Trusts oder Stiftungen. Aber auch mit den verschiedenen Staaten, in denen man solche Sitzgesellschaften gründen kann. Und sie haben das nötige Netzwerk: «In der Schweiz oder in Liechtenstein kennt man den Kunden. Man ist unter Umständen seit Generationen mit dieser Familie tätig. Man braucht diese Partnerkanzleien zum Beispiel auf den Cayman Inseln oder anderswo nur für die Gründung der Gesellschaft und für nichts weiter.»

Bernasconi: eine oder zwei Millionen Sitzgesellschaften

Den Rest erledigen die Anwälte aus ihren Büros in der Schweiz. Sitzgesellschaften, Trusts oder Familien-Stiftungen. Es gibt sie zu Hauf, solche Finanzvehikel. Paolo Bernasconi, selber Steueranwalt in Lugano und emeritierter Professor für Wirtschaftsrecht an der Universität St. Gallen rechnet vor: «Denken Sie nur schon an das kleine Liechtenstein mit hunderttausend solcher Gesellschaften: London hat sicher mehr, und Delaware und Panama und Britischen Jungfern-Inseln und die Caymans haben sicher noch mehr. Es sind vielleicht eine oder zwei Millionen solcher Sitzgesellschaften.»

Viele davon wurden ganz legal gegründet. Es ist allerdings auch ein offenes Geheimnis, dass solche Finanzvehikel oft missbraucht werden. Daniel Thelesklaf: «Der Klassiker ist immer der Gleiche. Da geht es darum über eine Gesellschaft, den eigentlich Steuerpflichtigen zu verstecken. Nach aussen erscheint dann nur die Gesellschaft als Vermögensträger. Und es ist kein Rückschluss möglich auf den sogenannt wirtschaftlich Berechtigten.»

Wer sind die schwarzen Schafe?

Aber wer wendet solche Verschleierungs-Taktiken an? In der Branche, wie bei Lenz & Staehelin, will sich keiner die Hände schmutzig gemacht haben. Und Steueranwalt Bernasconi meint: «Da muss man selbstverständlich differenzieren. Weil es gibt fast unbekannte kleine und mittlere Kanzleien, die davon leben. Die ganz grossen Kanzleien brauchen das nicht unbedingt.» Es seien insbesondere Treuhänder, welche die Kontakte pflegten mit den Korrespondenten in den Ländern, wo solche Sitzgesellschaften angesiedelt seien.

Vielleicht bringt das Journalisten-Netzwerk hier mehr Licht ins Dunkel. Nach und nach, wenn die zugespielten Daten ausgewertet werden.

(basn;)

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2 Kommentare

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  • Kommentar von Ruth Jungen, 3507 Biglen
    Das Problem sind wohl nicht nur die „cleveren“ Steuerberater, die ihren Kunden fragwürdige Wege zur „pseudolegalen“ Steuervermeidung aufzeigen, sondern, dass es solche Schlupflöcher überhaupt gibt – natürlich nur für die reichsten Bürger! Der Bund müsste sich die allerbesten Steueranwälte sichern, um endlich gesetzlich alle Schlupflöcher zu schliessen. Im Parlament fehlt wohl der Wille dazu, weil zu viele Parlamentarier selber vom löcherigen Gesetz profitieren.
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    1. Antwort von Peter Stuber, Schaffhausen
      Gesetze gelten für alle. Es gibt keine Schlupflöcher "nur für Reiche". Oder nennen Sie die Möglichkeit der Säule 3a auch ein "Schlupfloch", nur weil Sie es sich nicht leisten können? Und es spricht nichts dagegen, dass auch Sie (und wir alle) von "löchrigen Gesetzen" profitieren, wie die Parlamentarier(-innen) auch. Schönen Tag noch.
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