Weleda entlässt meiste Mitarbeiter in der Schweiz

Der Arlesheimer Naturkosmetik- und Heilmittel-Konzern steckt mitten in der Sanierung. Gegenüber «ECO» legt Weleda offen, wie viele Stellen an den Hauptstandorten gestrichen werden. Es trifft besonders die Schweizer Mitarbeiter.

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Weleda: Auf dem harten Weg zur Marktfähigkeit

8:18 min, aus ECO vom 8.10.2012

Weleda streicht weltweit etwa 100 Stellen. Das sind 5 % der Belegschaft. Betroffen sind vor allem die drei grössten Standorte Schweiz, Deutschland und Frankreich. Gegenüber dem Wirtschaftsmagazin «ECO» gibt das Unternehmen erstmals genauere Zahlen bekannt.

8 Prozent weniger in der Schweiz

Überproportional betroffen ist der Standort Schweiz: Rund 8 Prozent fallen weg oder 29 Stellen (gerechnet in Vollzeit-Äquivalenten = FTE). Ein Grossteil davon sind direkte Kündigungen. In Deutschland sind es mehrheitlich Pensionierungen, Pensen-Reduktionen u. a.

So viele Stellen streicht Weleda

Standort
Anzahl 

FTE
vom 31.12.11

gestrichene

FTE
zum 31.12.12
davon Kündigungen
Schweiz32128.621.6
Deutschland77722.66.2
Frankreich35414k. A.

Weitere rund 35 Stellen (Vollzeit-Äquivalente) fallen innerhalb der weiteren 17 Tochtergesellschaften weg.

Umsturz in Unternehmensspitze

Der Stellenabbau erfolgt im Rahmen einer Sanierung, die von den Hauptaktionären Anfang 2012 eingeleitet worden ist. Nachdem für 2011 ein Verlust von 10 Millionen Franken bekannt geworden war, setzten die Allgemeine Anthroposophische Vereinigung (AAV) und die Ita-Wegman-Klinik, die zusammen 80 Prozent der Stimmanteile halten, den Verwaltungsrat ab – und sich selbst hinein.

Alle 6 Verwaltungräte mussten gehen. Heute besteht der Weleda-Verwaltungsrat aus 5 Personen. Als CEO holte man den Deutschen Ralph Heinisch. Der Sanierer hat in Deutschland ein Kunststoff-Unternehmen sowie ein anthroposophisches Spital umgekrempelt. Aus der früheren, 6-köpfigen Geschäftsleitung ist heute noch ein Mitglied übrig geblieben. Heute sitzen, inklusive Ralph Heinisch, noch 4 Personen in der Weleda-Geschäftsleitung.

«Weleda in Not»

Bisher achtete Weleda wenig auf seine Wirtschaftlichkeit. Das Unternehmen hat sich einen gesellschaftlichen Auftrag gegeben: Es will «der Gesundheit des Menschen dienen».

Erst an zweiter Stelle folgen betriebswirtschaftliche Überlegungen. Dass diese inzwischen überhaupt Gewicht erhalten, ist der Einsicht zu verdanken, dass das Unternehmen ohne sie keine Zukunft hat. «Wir haben gesehen: Die Weleda ist in Not und es muss schnell gehandelt werden», begründet Paul Mackay, im Vorstand der AAV und inzwischen Verwaltungsratspräsident von Weleda, das Absetzen der Führungsriege.

Der neue Chef Ralph Heinisch will Doppelspurigkeiten im Unternehmen abschaffen. Diese sind unter anderem entstanden, weil die heutige Weleda-Gruppe aus weltweit vielen Einzelunternehmen gewachsen ist. «Wir sind mit unserer Umstrukturierung schon weitgehend am Ende», sagt Ralph Heinisch gegenüber «ECO».

Hochdefizitäre Arzneimittel

Arzneimittel Weleda Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Quersubventionierung seit Jahrzehnten: Die Gewinne aus der Naturkosmetik halten die Arzneimittel am Leben. SRF

Nun macht er sich an das Sorgenkind des Unternehmens, die Arzneimittel. Diese Sparte verursachte laut Unternehmen zuletzt ein Minus im «deutlich zweistelligen Millionenbereich». Die defizitären Arzneimittel werden seit Jahrzehnten durch die gewinnbringende Sparte Naturkosmetik querfinanziert. «Unser Ziel ist es, auch dieses Segment wirtschaftlich zu betreiben», sagt Ralph Heinisch.

Das Unternehmen will 2012 wieder schwarze Zahlen schreiben. Von Januar bis August dieses Jahres erzielte Weleda einen Umsatz von knapp 208 Mio. Franken. Im Vergleich zur Vorjahresperiode sind das 5,5 % oder knapp 11 Mio. Franken mehr.